Märkte starten ins dritte Quartal: KI-Rallye, Yen und Inflation im Fokus
Zum Quartalsauftakt blicken Anleger auf starke Kursgewinne, einen schwachen Yen und bevorstehende Inflationsdaten aus Europa.

Der erste Handelstag des dritten Quartals steht im Zeichen globaler Neupositionierungen. Da die Abwicklung der Geschäfte am Folgetag erfolgt, gilt die heutige Sitzung bereits als erster Kauftag für das neue Quartal. Anleger blicken dabei auf ein abgelaufenes Quartal zurück, das trotz erheblicher geopolitischer Spannungen bemerkenswert stabil verlief.
Der historisch größte Schock bei der Ölversorgung hinterließ kaum Spuren an den Finanzmärkten. Nachfragerückgänge in China, alternative Schifffahrtsrouten und die Reaktion der Produzenten konnten den Rohölmangel ausgleichen. Die Ölpreise sind inzwischen auf das Niveau von vor Beginn des US-israelisch-iranischen Konflikts Ende Februar zurückgefallen, und neue Scharmützel rufen kaum noch Marktreaktionen hervor.
KI-Rallye treibt Rekordgewinne in Asien
Besonders eindrucksvoll verlief das Quartal für asiatische Aktienmärkte. Der südkoreanische KOSPI-Index legte im ersten Halbjahr um 100% zu, während der japanische Nikkei einen rekordverdächtigen Quartalsanstieg von rund 36% verzeichnete. Die KI-Rallye setzte sich damit ungehindert fort und sorgte für außergewöhnliche Renditen.
Die Kapitalflüsse verliefen dabei kontraintuitiv: Ausländisches Kapital floss aus Südkorea ab und belastete den Won, da Investoren Gewinne mitnahmen und ihre Portfolios umschichteten. Den Privatanlegern blieb es überlassen, den Kursgewinnen hinterherzulaufen – ein klassisches Muster in überhitzten Rallye-Phasen.
Auch in Europa und China zeigten sich solide Quartalsergebnisse. Der europäische STOXX-Index legte im Quartal um rund 9% zu, während Blue-Chip-Aktien auf dem chinesischen Festland um 10% stiegen. Einige Marktbeobachter sehen darin eine mögliche Verlagerung des Anlegerinteresses hin zu einem breiteren Spektrum weniger heiß gelaufener Aktien.
Yen auf schwächstem Stand seit 1986
Ein zentrales Thema bleibt der schwache japanische Yen. In der asiatischen Handelssitzung überschritt der Kurs erstmals seit 1986 die Marke von 162 Yen pro US-Dollar. Der Markt geht davon aus, dass Japan hinter der globalen Tendenz zu höheren Zinssätzen zurückbleibt, was den Yen gemeinsam mit dem südkoreanischen Won unter Druck setzt.
Händler warnen, dass das Risiko einer Intervention durch die japanischen Behörden steigt, je näher der Kurs an die Marke von 165 Yen rückt. Derartige Interventionen hat Japan in der Vergangenheit bereits mehrfach durchgeführt, um eine übermäßige Abwertung der eigenen Währung zu bremsen.
Anleihen und Fed: Moderate Zinserwartungen halten an
Am Anleihemarkt zeigt sich eine bemerkenswerte Gelassenheit. Händler halten an den Erwartungen für moderate US-Zinserhöhungen fest – allerdings eher gestützt durch starkes US-Wachstum als durch eine galoppierende Inflation. Die Weigerung des Obersten Gerichtshofs der USA, Präsident Donald Trump die Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook zu gestatten, ließ die Anleihemärkte weitgehend unbeeindruckt.
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Zur AktienanalyseFür den weiteren Tagesverlauf stehen wichtige Konjunkturdaten auf der Agenda. Inflationszahlen aus Deutschland, Frankreich und Italien könnten sinkende Jahresraten zeigen und damit die Erwartung stützen, dass die Zinsen in Europa noch einige Zeit unverändert bleiben. EZB-Direktoriumsmitglied Isabel Schnabel nimmt an einer Podiumsdiskussion in Sintra teil, wo am Mittwoch auch Fed-Chef Kevin Warsh erwartet wird.
Weitere marktbewegende Datenpunkte des Tages umfassen:
- Europäische Inflationsdaten (Deutschland, Frankreich, Italien)
- Britisches BIP
- US-Stellenangebote
- US-Verbrauchervertrauen
Die Kombination aus Quartalsneustart, Währungsdruck und anstehenden Konjunkturdaten dürfte für einen bewegten Handelstag sorgen.


