Medien wussten schon seit zwei Wochen von "Razzia" gegen Reichsbürger
Erste Stimmen beginnen, die Aktion mit 3000 Polizisten kritisch zu beleuchten

Was ist eine Razzia? Per Definition: eine planmäßig vorbereitete, innerhalb einer schlagartig abgesperrten Örtlichkeit bei einem unbestimmten Personenkreis überraschend durchgeführte Fahndung nach Personen oder Suche nach Sachen zum Zweck der Gefahrenabwehr.
Nach einer Großrazzia vom 3000 Polizisten gegen eine "Reichsbürger"-Gruppierung wegen mutmaßlicher Umsturzpläne werden jedoch erste Stimmen laut, die Fragen stellen. Eine davon: Linken-Abgeordnete Martina Renner im Interview mit ntv. Ihre Meinung: "Die Razzia wirkt wie eine PR-Aktion."
Ihren Aussagen nach war die Razzia weder geheim noch überraschend. So wusste Renner bereits seit Mitte letzter Woche davon und weiß außerdem von mehreren Medien, die schon seit zwei Wochen Kenntnis hatten. "Es waren die Namen der Beschuldigten bekannt, ihre Adresse und der geplante Zeitpunkt des Zugriffs", sagte sie.
Der sogenannte „Anti-Terror-Einsatz“ gegen 25 Beschuldigte um den in Frankfurt am Main lebenden 71-jährigen Heinrich XIII. Prinz Reuß dürfe keine „Show“ sein, sagte die Politikerin, die seit 2013 im Bundestag sitzt. Bei den Razzien an 150 Orten gegen den mutmaßlich unmittelbar bevorstehenden Putsch fanden die Ermittler insgesamt eine scharfe Schusswaffe, Schreckschusswaffen, Prepper-Vorräte und Tausende Euro Bargeld.
Von einer üblichen Sperrfrist war nichts zu merken, ganz im Gegenteil: ARD und ZDF zeigten noch am gleichen Abend ausführliche Sondersendungen nach den Hauptnachrichten – zur besten Sendezeit.
"Haben Deutschlands Sicherheitsbehörden wirklich die große Reichsbürger-Verschwörung vereitelt, oder haben sie womöglich mit Kanonen auf Spatzen geschossen?", fragt Susanne Gaschke in der Neuen Zürcher Zeitung: "Der historische Großeinsatz und die flankierende Medienberichterstattung werfen Fragen auf."
Der unabhängige Journalist Boris Reitschuster zitierte gar KGB-General Agajanz, einen bekannten Desinformations-Spezialisten: „Jeder, der über unsere wahren Pläne genau oder unparteiisch… schreibt oder spricht, muss rasch als Rechter oder Faschist abqualifiziert oder der Lächerlichkeit ausgesetzt werden.“
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Zur AktienanalyseEinerseits glaub Reitschuster, dass man in Chat-Gruppen einschlägige verbale Phantasien und vermeintliche Terrorpläne finden kann. "So sehr ich dagegen bin, das zu verharmlosen: Die Art und Weise, wie jetzt aktuell die Aktionen präsentiert werden, stinkt in meinen Augen."
Bemerkenswert: Im Nachgang der Aktion bot die US-Regierung Hilfe im Kampf gegen Extremisten an.


