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Mehr Aufträge im Bau, aber Hochbau schwächelt

Tiefbau wächst deutlich, während Wohnungsbau weiterhin mit Problemen kämpft

Mehr Aufträge im Bau, aber Hochbau schwächelt

Die deutsche Baubranche hat in der ersten Jahreshälfte einen Anstieg der Aufträge verzeichnet. Das Statistische Bundesamt berichtete, dass der Auftragseingang im Bauhauptgewerbe von Januar bis Juni inflationsbereinigt um 1,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gestiegen ist. Insbesondere der Monat Juni zeigte positive Entwicklungen, mit einem Zuwachs von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vormonat und einem Anstieg von 4,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Allerdings verlief diese Entwicklung in den verschiedenen Wirtschaftsbereichen des Baugewerbes unterschiedlich.

Im Tiefbau, der unter anderem den staatlich dominierten Straßenbau umfasst, verzeichnete das Neugeschäft in der ersten Jahreshälfte einen Zuwachs von 6,8 Prozent. Dieser Bereich profitierte besonders von den zusätzlichen Aufträgen. Im Gegensatz dazu meldete der Hochbau, der stark vom Wohnungsbau und damit von privater Nachfrage abhängig ist, einen realen Rückgang von 3,1 Prozent. Dies spiegelt die anhaltend schwierige Lage im Wohnungsbau wider, der weiterhin unter fehlenden Baugenehmigungen leidet. René Hagemann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, betonte, dass die fehlenden Genehmigungen sich direkt in den Auftragsbüchern der Unternehmen bemerkbar machen und somit die bestehenden Probleme wie Wohnraummangel und steigende Mieten weiter verschärfen.

Die Umsätze im Bauhauptgewerbe sind in den ersten sechs Monaten des Jahres ebenfalls gesunken. Sie verzeichneten einen Rückgang um 1,0 Prozent, inflationsbereinigt sogar um 2,3 Prozent. Auch die Beschäftigtenzahl in der Branche ging leicht zurück und sank um 0,3 Prozent. Diese Entwicklungen tragen zur pessimistischen Stimmung im Bauhauptgewerbe bei, wie aus der monatlichen Unternehmensumfrage des Ifo-Instituts hervorgeht. Im Juli lag das Barometer mit minus 26,0 Punkten deutlich im negativen Bereich, was die schlechten Geschäftserwartungen der Firmen widerspiegelt. Trotz einer leichten Verbesserung in der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage blieb der Pessimismus unverändert hoch.

Ein wesentlicher Faktor, der die Probleme im Wohnungsbau verstärkt, sind die hohen Zinsen, die von der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bekämpfung der Inflation festgesetzt wurden. Diese machen viele Bauprojekte unrentabel und belasten die Branche zusätzlich. Obwohl die EZB im Juni ihren Leitzins erstmals seit Jahren gesenkt hat und möglicherweise weitere Senkungen in diesem Jahr folgen könnten, erwarten Ökonomen, dass eine Erholung der Baubranche nur verzögert eintreten wird.

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