Mehrwertsteuer auf Schulgebühren: Eltern schultern die Last
Seit Januar 2026 gilt in Großbritannien die 20-Prozent-Mehrwertsteuer auf Privatschulgebühren – die Folgen sind weniger dramatisch als befürchtet.

Die Einführung der Mehrwertsteuer von 20 Prozent auf Privatschulgebühren in Großbritannien hat die Bildungslandschaft verändert – aber nicht so drastisch, wie viele Kritiker und Befürworter vorhergesagt hatten. Seit dem Inkrafttreten der Steuer im Januar 2026 sind die Schülerzahlen an englischen Privatschulen um 5,6 Prozent gesunken, was etwas mehr als 33.000 Schülern entspricht. Dieser Rückgang ergibt sich aus den Zahlen der letzten beiden Schulberichte der britischen Regierung.
Zum Vergleich: Die Regierung hatte ursprünglich geschätzt, dass im ersten Jahr lediglich 3.000 Schüler an staatliche Schulen wechseln würden. Der ehemalige konservative Schatzkanzler Jeremy Hunt hingegen hatte eine Gesamtzahl von 90.000 Schülern prognostiziert. Beide Prognosen lagen nach Einschätzung von Beobachtern massiv daneben. Bereinigt man den Rückgang um den allgemeinen Rückgang der Gesamtschülerzahl von 1,6 Prozent, fällt der Effekt noch moderater aus.
„Die Zahlen sind zurückgegangen, aber nicht in apokalyptischem Ausmaß", sagt Professor Jake Anders, stellvertretender Direktor des Centre for Education Policy am University College London. „Die Nachfrage nach privater Bildung ist relativ unelastisch." Das bedeutet: Eltern und Großeltern haben tiefer in die Tasche gegriffen, um die gestiegenen Kosten zu decken, anstatt ihre Kinder von der Privatschule zu nehmen.
Eliteschulen bleiben stabil – Randschulen unter Druck
Für die großen, renommierten Privatschulen Großbritanniens scheint die Steuer kaum eine existenzielle Bedrohung darzustellen. Das Durchschnittseinkommen einer Stichprobe von 25 führenden unabhängigen Schulen stieg im Jahr bis August 2025 um 7 Prozent auf 42,5 Millionen Britische Pfund – ein Wert, der den Vorjahren entspricht. Die Ausgaben stiegen etwas weniger als üblich, um etwa 6 Prozent auf 39,9 Millionen Britische Pfund. Die Gebühren pro Trimester für Tagesschüler lagen bei diesen Eliteschulen im Durchschnitt bei 11.100 Britischen Pfund.
Zum Vergleich: Eine ISC-Erhebung unter den rund 1.400 Mitgliedsschulen des Independent Schools Council ergab einen Durchschnittswert von 8.611 Britischen Pfund pro Trimester, mit einer moderaten jährlichen Erhöhung von 4 Prozent. James Leggett, Geschäftsführer der Bildungsberatung MTM, stellt fest, dass „das Wettrüsten bei der Ausstattung vorbei" sei – ein Hinweis darauf, dass die Schulen übertriebene Investitionen in luxuriöse Einrichtungen zurückfahren.
Der eigentliche Schmerzpunkt liegt bei den sogenannten Randschulen – kleineren, weniger etablierten Privatschulen, die um Eltern konkurrieren, für die eine private Ausbildung eine grenzwertige finanzielle Entscheidung darstellt. Einige dieser Schulen haben bereits geschlossen. Der Independent Schools Council weist zudem darauf hin, dass die Auswirkungen in Schottland und Wales gravierender waren als in England. Außerdem sehen die englischen Zahlen schlechter aus, wenn man unabhängige Schulen für Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf herausrechnet.
Schließungen und Warnsignale für Eltern
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Zur AktienanalyseLaut Presseberichten wurden seit Einführung der Steuer mindestens 33 Schulschließungen dokumentiert. Eine Analyse der betroffenen Schulen zeigt ein gemischtes Bild: Einige waren bereits vor der Steuereinführung finanziell angeschlagen und verzeichneten jährliche Nettodefizite, lange bevor die Mehrwertsteuer in Kraft trat.
Eltern, die eine Privatschule für ihre Kinder in Betracht ziehen, sollten daher die Finanzen der jeweiligen Schule sorgfältig prüfen. „Die Website der Charity Commission zeigt Ihnen für die meisten unabhängigen Schulen eine fünfjährige Finanzhistorie", empfiehlt Leggett. „Das Jahreseinkommen sollte wachsen und höher sein als die Ausgaben." Dieser Rat gilt auch für deutsche Eltern, die Kinder an britischen Schulen haben oder eine solche Ausbildung planen.
Als Alternative zur Privatschule greifen manche Familien auf den bewährten Trick zurück, in das Einzugsgebiet einer guten staatlich finanzierten Schule zu ziehen. Die Mehrwertsteuer auf Gebühren, stagnierende reale Immobilienpreise, niedrige Geburtenraten und das Wachstum hochwertiger Akademien begünstigen diesen Trend zusätzlich. Die britische Bildungslandschaft befindet sich damit in einem strukturellen Wandel – ausgelöst durch eine Steuer, deren Auswirkungen weder so harmlos noch so katastrophal waren, wie die jeweiligen Lager prophezeit hatten.


