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Mercedes-Benz: Alte Modelle feiern Comeback in Nordafrika

Während der Stern in Deutschland sinkt, erleben Daimler-Veteranen in algerischen Wüstenregionen eine Renaissance als unverwüstliche Arbeitstiere.

Mercedes-Benz: Alte Modelle feiern Comeback in Nordafrika

In der algerischen Provinz Tindouf, 3.500 Kilometer südwestlich von Stuttgart, herrschen selbst im Winter mittags Temperaturen, bei denen die Luft flimmert. Am Taxistand der Kleinstadt Rabouni bietet sich Besuchern ein ungewöhnliches Bild: Von 20 wartenden Taxis sind 19 Mercedes-Modelle aus längst vergangenen Jahrzehnten.

Während die Mercedes-Benz Group AG (ISIN: DE0007100000) in Deutschland mit sinkenden Verkaufszahlen und Imageproblemen kämpft, erleben die robusten Daimler-Veteranen in Nordafrika eine bemerkenswerte Renaissance. "Der Mercedes ist nun mal das beste Auto für unser Gelände", erklärt ein junger Taxifahrer die Beliebtheit der Marke. Die Fahrzeuge seien robust und verbrauchsarm - entscheidende Faktoren in der unwirtlichen Wüstenumgebung.

Taxifahrer Albar verkörpert diese Treue zur Marke exemplarisch. Sein Mercedes weist zwar unzählige Dellen und Schrammen auf, die Frontlichter sind zersplittert und der Stern fehlt gänzlich. Doch seit zwölf Jahren leistet ihm der Wagen treue Dienste. "Ich danke Gott, dass ich dieses Auto habe. Der Mercedes gibt mir Arbeit", sagt Albar, während er den klappernden Kofferraum mit einem Seil zubindet.

Wüstentauglichkeit schlägt moderne Technologie

Fotograf Said Abba fährt stolz einen C180 Elegance, Baujahr 1998. Für ihn zählen weder Abgas- noch Feinstaubwerte - in einer Region, in der Sprit dank Algeriens Ölreichtum erschwinglich ist. "Ich fahre viel, überall hin und hatte noch nie eine Panne", berichtet Said. Die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und die Eignung für schlechte Straßen machen den Unterschied.

In einer auf Mercedes spezialisierten Werkstatt in Rabouni kennen die Mechaniker die Stuttgarter Motoren in- und auswendig. Zylinderkopfdichtung, Benzinpumpe und Ölpumpe - das seien die häufigsten Reparaturen, erklärt Mohammed Ali. Trotz bekannter Schwachstellen bleibt die Hochachtung vor deutscher Ingenieurskunst ungebrochen. "Mercedes ist einfach das beste deutsche Auto", betont Mechaniker Salamo Labat.

Die gebrauchten Daimler nehmen einen weiten Weg auf sich: Von Deutschland über Land nach Belgien, dann per Schiff über den Atlantik nach Mauretanien und schließlich durch die Wüste nach Rabouni. Dieser aufwendige Transportweg unterstreicht die hohe Nachfrage nach den robusten Fahrzeugen.

Elektromobilität? Nicht in der Wüste

Auf die Frage nach neueren Modellen oder gar Elektroautos winkt Mechaniker Labat entschieden ab: "Es muss die etwas ältere Bauart sein. Die modernen Autos funktionieren bei uns nicht, die vertragen Staub und Hitze einfach nicht." Eine klare Absage an den Trend zur Elektromobilität, der in Europa die Automobilindustrie umkrempelt.

Für die Besitzer lohnt sich das Geschäft: Nach ein bis zwei Jahren werden die Fahrzeuge gewinnbringend weiterverkauft. Mercedes bleibt in der Region ein echter Verkaufsschlager - ein bemerkenswerter Kontrast zur angespannten Situation des Konzerns in Europa und China.

Während die Mercedes-Benz-Aktie unter Druck steht und der Konzern mit Gewinnwarnungen und Restrukturierungen kämpft, zeigt sich in der algerischen Wüste eine andere Realität. Hier ist der Ruf des "guten alten Daimler" 3.700 Kilometer von Stuttgart entfernt nach wie vor unverwüstlich. Die Langlebigkeit und Robustheit der älteren Modelle erweisen sich als Wettbewerbsvorteil in Märkten, die andere Anforderungen stellen als die hochregulierten europäischen Metropolen.

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