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Mercedes-Benz: Källenius sucht nach neuer strategischer Ausrichtung

CEO rudert bei Luxusstrategie zurück - Margen unter Druck, China-Absatz bricht ein

Mercedes-Benz: Källenius sucht nach neuer strategischer Ausrichtung

Mercedes-Benz-Chef Ola Källenius steht vor einem kommunikativen Dilemma. Als er im August 2025 auf die Bilanz seiner Luxusstrategie angesprochen wurde, wich er aus: "Wir haben unsere Strategie eigentlich nie so bezeichnet", erklärte er gegenüber dem Handelsblatt. Eine Aussage, die bei Branchenkennern für Stirnrunzeln sorgte.

Dabei hatte der Konzern im Mai 2022 an der Côte d'Azur genau diese Strategie präsentiert. Die Kernbotschaft damals: stärkere Fokussierung auf das Luxussegment, Beschleunigung der Elektrifizierung und eine Mindestmarge von acht Prozent - selbst bei "sehr ungünstigen Marktbedingungen". Die US-Zölle waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht absehbar.

Die Realität sieht heute anders aus. Bei allen drei Versprechen musste Källenius zurückrudern. Die Elektrifizierungspläne wurden verschoben, die bereinigte Umsatzrendite von Mercedes-Benz Cars fiel im ersten Quartal 2025 auf 5,7 Prozent. Dennoch gilt der Posten des CEO intern als sicher - man schätzt seine Bereitschaft, Fehlentscheidungen zu korrigieren.

Strategisches Vakuum belastet Mitarbeiter

Doch die Kurskorrektur allein reicht nicht. Mitarbeiter fragen sich zunehmend: Wofür steht Mercedes eigentlich noch? Källenius' Antworten bleiben vage. Er spricht davon, "in allen Segmenten das begehrenswerteste Angebot" machen zu wollen. Intern heißt es, Kern bleibe das Mittel- und Oberklassesegment. Konkrete Definitionen fehlen jedoch.

Die Zahlen unterstreichen den Handlungsbedarf. 2025 sank der Absatz, im Oberklassesegment um fünf Prozent gegenüber 2024. Besonders dramatisch: Im wichtigsten Automarkt China brach der Absatz um 19 Prozent ein. Für einen Premiumhersteller mit globalen Ambitionen sind das besorgniserregende Signale.

Rückbesinnung auf bewährte Stärken

Die neue Richtung deutet sich bereits an. Die A-Klasse erhält entgegen früherer Pläne doch einen Nachfolger. Mercedes AMG entwickelt einen neuen V8-Verbrenner. "Die Kunden lieben den Sound des V8-Motors", erklärt AMG-Chef Michael Schiebe. Man habe viele Ressourcen investiert und wolle den Motor entsprechend lange verkaufen.

Auch beim Design besinnt sich Mercedes auf alte Stärken. Der Kühlergrill wird wieder prominenter, der stehende Stern auf der S-Klasse künftig sogar illuminiert. Das Design orientiert sich wieder stärker am Status - Attribute, die bei Kunden lange erfolgreich waren.

Bei der Bilanzpressekonferenz am Donnerstag wird Källenius Farbe bekennen müssen. Eine klare strategische Positionierung ist überfällig - nicht nur für die Mitarbeiter, sondern auch für Investoren, die Orientierung suchen.

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