Mercedes beschleunigt Vertriebsstrategie-Wechsel
Verkauf aller deutschen Autohäuser geplant, Fokus auf Elektromobilität und Direktvertrieb

In einer bemerkenswerten Wende in seiner Vertriebsstrategie hat Mercedes-Benz beschlossen, alle eigenen Autohäuser in Deutschland zu verkaufen. Dieser radikale Schritt markiert eine signifikante Abkehr von der bisherigen Geschäftspraxis und spiegelt eine strategische Neuausrichtung des DAX-Konzerns wider. Der schwedisch-deutsche Manager Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender von Mercedes, treibt diese Veränderung voran, nachdem er sich bereits in der Vergangenheit von verschiedenen Randgeschäften getrennt hatte.
Der Plan sieht vor, insgesamt 20 Niederlassungen mit 80 Betrieben und etwa 8000 Mitarbeitern zu veräußern. Darunter befinden sich prominente Standorte in München, Berlin und Stuttgart. Der Verkauf dieser Niederlassungen könnte dem Unternehmen pro Standort bis zu 40 Millionen Euro einbringen. Interesse am Erwerb einzelner Standorte haben bereits unabhängige Mercedes-Händler bekundet.
Die Verkaufspläne, die voraussichtlich vom Aufsichtsrat genehmigt werden, zielen darauf ab, eine Grundsatzeinigung mit den Betriebsräten bis zum Sommer zu erzielen. Die darauffolgende Einzelprüfung jeder Niederlassung könnte zu deren Veräußerung führen. Mercedes betont, dass ein Verkauf an reine Finanzinvestoren ausgeschlossen ist. Potenzielle Käufer müssen über umfassende Erfahrungen im Automobilhandel verfügen und Bereitschaft zeigen, in die Standorte zu investieren.
Die Reaktion der Arbeitnehmervertreter auf diese Nachrichten ist von Entsetzen geprägt. Ergun Lümali, Betriebsratschef von Mercedes, bezeichnete die Pläne als unakzeptabel und einen Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter. Die Niederlassungen leisten einen wesentlichen Beitrag zum Konzernerfolg, und die Pläne des Vorstands erscheinen daher nicht nachvollziehbar. Der Betriebsrat kündigte Widerstand an, sollte es nicht zu langfristigen Garantien kommen.
Mercedes betont seine soziale Verantwortung und versichert, dass es bei einer Neuaufstellung zu keinen Kündigungen kommen wird. Alle potenziellen Käufer müssten die bis Ende 2029 geltenden Kündigungsschutzgarantien für Tarifmitarbeiter übernehmen. Diese Vorgehensweise könnte sich angesichts des aktuellen Fachkräftemangels als vorteilhaft erweisen.
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Zur AktienanalyseDieser Schritt von Mercedes deutet auf eine Verschiebung der Prioritäten hin. Während der stationäre Verkauf bisher nicht als Stärke von Mercedes galt, konzentriert sich das Unternehmen nun verstärkt auf die Herstellung attraktiver Fahrzeuge, insbesondere in der Elektromobilität. Die notwendigen Investitionen in diesem Bereich erfordern eine Umschichtung finanzieller Mittel, wobei der Verkauf der Niederlassungen als strategisch sinnvoll erscheint.
Zudem hat Mercedes in Deutschland bereits seine Händler zu Agenten degradiert und die Kontrolle über Kundendaten übernommen, was den direkten Kontakt zum Kunden weiter reduziert. Diese Umstellung auf Direktvertrieb, kombiniert mit dem geplanten Verkauf der Niederlassungen, dürfte eine Konsolidierung unter den Mercedes-Händlern beschleunigen. Große Händler wie Lueg, Stern Auto und Beresa könnten zu den Hauptnutznießern dieser Entwicklung gehören, während kleinere Händler möglicherweise Schwierigkeiten haben werden, sich anzupassen.


