Micron Technology: 87% Bruttomarge im Datencenter-Segment – was steckt dahinter?
Microns Datencenter-Sparte erzielt eine Bruttomarge, die selbst Softwarekonzerne neidisch macht – doch die Aktie bewertet den Boom skeptisch.

Micron Technology hat im dritten Geschäftsquartal 2026 eine Bruttomarge von 87% im Datencenter-Segment erzielt – eine Zahl, die in der Halbleiterbranche ihresgleichen sucht. Für ein Unternehmen, das jahrelang als Paradebeispiel für die zyklischen Boom-and-Bust-Phasen im Massengeschäft mit Speicherchips galt, ist diese Leistung historisch. Sie ist zugleich das bisher deutlichste Signal dafür, dass Speicher zu einem der knappsten und wertvollsten Inputs im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) geworden ist.
Das Kerngeschäft mit Datencentern erzielte im Quartal (Stichtag: 28. Mai 2026) einen Rekordumsatz von 11,5 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 103% gegenüber dem Vorquartal. Die Sparte macht nun rund 28% des gesamten Unternehmens aus, und die Bruttomarge weitete sich dort in einem einzigen Quartal um rund 12 Prozentpunkte auf 87% aus. Auf Jahresbasis bewegt sich dieses Segment damit auf einem Niveau von über 45 Milliarden US-Dollar – verglichen mit rund 6 Milliarden US-Dollar vor einem Jahr.
Rekorde auf ganzer Linie
Die Stärke beschränkte sich nicht auf das Datencenter-Segment allein. Der unternehmensweite Umsatz erreichte mit rund 41,5 Milliarden US-Dollar einen Rekordwert – ein massiver Anstieg von 346% im Jahresvergleich gegenüber 9,3 Milliarden US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie (Non-GAAP) kletterte auf einen Rekordwert von 25,11 US-Dollar.
Treiber dieser außergewöhnlichen Marge ist vor allem der Preis, nicht nur das Volumen. Die KI-Nachfrage hat das Angebot an Speicherchips stark beansprucht und die Preise in die Höhe getrieben. Besonders Microns High-Bandwidth Memory (HBM) – die dichten Chips, die direkt neben KI-Prozessoren verbaut werden – ist gefragt wie nie. Die neueste HBM-Generation wurde bereits im Wert von mehr als 1 Milliarde US-Dollar ausgeliefert und läuft etwa doppelt so schnell hoch wie ihr Vorgänger. Das gesamte Angebot für 2026 ist bereits durch Mehrjahresverträge ausverkauft.
Das Management erklärte, dass die Branchennachfrage nach DRAM- und NAND-Speichern weiterhin deutlich über dem Angebot liege und erwartet, dass diese knappen Bedingungen über das Jahr 2027 hinaus anhalten werden. Eine solche Planungssicherheit ist für einen Hersteller von Standard-Chips äußerst ungewöhnlich. Für das vierte Geschäftsquartal prognostiziert Micron einen Umsatz von rund 50 Milliarden US-Dollar bei einer Bruttomarge von nahezu 86% – was die Rekordserie um mindestens ein weiteres Quartal verlängern würde.
Warum die Aktie trotzdem günstig bewertet bleibt
Trotz dieser beeindruckenden Zahlen erzählt die Aktie eine wesentlich skeptischere Geschichte. Selbst nach einem Kurssprung von mehr als 8% – ausgelöst auch durch die Ankündigung, die geplanten US-Investitionen bis 2035 auf über 250 Milliarden US-Dollar zu erhöhen – werden Micron-Aktien mit weniger als dem 7-Fachen der für die nächsten 12 Monate erwarteten Gewinne gehandelt. Das liegt deutlich unter einem Drittel des S&P 500, der etwa beim 25-Fachen der Gewinne notiert.
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Zur AktienanalyseEin so niedriges Bewertungsmultiple signalisiert in der Regel, dass Anleger mit einer Stagnation oder einem Rückgang des Gewinnwachstums rechnen. Und das ist historisch begründet: Der Speichermarkt war schon immer zyklisch. In der Vergangenheit holte die Kapazität irgendwann auf, die Preise gaben nach, und hohe Margen schrumpften schnell. Anleger haben diesen Film bereits oft genug gesehen, um Micron so zu bewerten, als sei der aktuelle Boom nur auf Zeit geliehen – selbst während das Unternehmen die besten Zahlen seiner Geschichte schreibt.
Das optimistische Szenario besagt, dass dieser Zyklus das alte Muster durchbricht. HBM ist weitaus schwieriger herzustellen als herkömmlicher Speicher, und neue Kapazitäten brauchen Jahre, um in Betrieb zu gehen. Das könnte das Angebot noch lange knapp halten. Die Datencenter-Marge von 87% ist dabei eher als Höchstwert denn als dauerhafter Basiswert zu verstehen. Doch eine Aktie, die mit weniger als dem 7-Fachen der erwarteten Gewinne bewertet wird, muss diesen Höchststand nicht dauerhaft halten – es reicht, wenn der spätere Abschwung milder ausfällt oder später eintritt, als der Markt derzeit annimmt.
Bei einem Kurs von rund 1.026 US-Dollar zum Zeitpunkt der Analyse sieht Micron günstig aus, sofern KI die Speicherkapazitäten bis 2027 und darüber hinaus knapp hält. Dreht der Zyklus jedoch früher, könnte die Aktie im Rückblick teuer erscheinen. Damit ist Micron derzeit weniger eine Wette auf die beeindruckende Marge – sondern vor allem eine Wette auf das richtige Timing.

