Microsoft-Aktie unter Vorjahresniveau – doch das Geschäft boomt
Während Tech-Riesen wie Nvidia und Alphabet neue Höhen erklimmen, notiert Microsoft 9% unter dem Vorjahreskurs – trotz Rekordergebnissen.

Microsoft (MSFT) ist derzeit der auffälligste Ausreißer unter den großen Tech-Werten. Während Nvidia in den vergangenen zwölf Monaten um 65% zulegte und Alphabet sogar um beachtliche 131% stieg, notiert die Microsoft-Aktie rund 9% unter ihrem Stand vor einem Jahr. Auch Amazon (plus 28%) und Apple (plus 43%) aus dem Kreis der sogenannten „Magnificent Seven" entwickeln sich deutlich besser.
Dabei sprechen die Geschäftszahlen eine völlig andere Sprache: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 (zum 31. März) erzielte Microsoft einen Umsatz von 82,9 Milliarden US-Dollar – ein Plus von 18% im Jahresvergleich. Das Betriebsergebnis kletterte um 20% auf 38,4 Milliarden Dollar, und der Gewinn je Aktie stieg um 23% auf 4,27 Dollar. Für ein Unternehmen dieser Größe sind das außergewöhnliche Wachstumsraten.
Microsoft 365 und die Verlagerung in die Cloud
Microsoft ist vielen Anlegern vor allem als Anbieter seiner populären Office-Suite bekannt – Word, Excel, PowerPoint, Outlook und OneNote sind aus dem Büroalltag kaum wegzudenken. Mehr als 3,7 Millionen Unternehmen weltweit nutzen Microsoft 365, davon allein über eine Million in den USA. Doch das eigentliche Wachstum findet zunehmend in der Cloud statt.
Im zuletzt gemeldeten Quartal wuchs der Umsatz mit der Microsoft-365-Commercial-Cloud um 19% im Jahresvergleich. Die Zahl der zahlenden Nutzer überstieg 20 Millionen und stieg im Vergleich zum Vorjahr um 6%. Der klassische Lizenzumsatz mit 365-Commercial-Produkten wuchs dagegen nur um 1%, da Kunden verstärkt in die Cloud-Umgebung wechseln. Auch LinkedIn und die Dynamics-365-Suite für Geschäftsanwendungen – inklusive CRM-Tools – trugen zum Wachstum des kommerziellen Segments bei.
Azure als Wachstumsmotor mit enormem Marktpotenzial
Das mit Abstand am schnellsten wachsende Segment ist jedoch Intelligent Cloud, das vor allem Microsoft Azure umfasst. Dieser Bereich legte im vergangenen Jahr um 30% zu und nähert sich umsatzmäßig bereits dem Segment an, das Microsoft 365 beinhaltet. Azure ist mit einem Marktanteil von 21% der weltweit zweitgrößte Anbieter von Cloud-Infrastruktur – hinter Amazon Web Services mit 28%.
Das Marktpotenzial ist gewaltig: Laut Grand View Research soll der globale Cloud-Computing-Markt von 943,7 Milliarden Dollar im Jahr 2025 auf fast 3,4 Billionen Dollar bis 2033 wachsen – eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 16%. Für Microsoft bedeutet das eine strukturelle Wachstumschance über viele Jahre hinweg.
Um diese Chance zu nutzen, investiert Microsoft massiv. Allein in diesem Jahr plant das Unternehmen Ausgaben von 190 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur, insbesondere für Grafikprozessoren (GPUs) und Zentraleinheiten (CPUs) für KI-Workloads. Aufgrund gestiegener Komponentenkosten erhöhte Microsoft sein Investitionsbudget zudem um 25 Milliarden Dollar. Im zuletzt gemeldeten Quartal beliefen sich die Investitionsausgaben auf 31,9 Milliarden Dollar – im laufenden Quartal sollen sie auf 40 Milliarden Dollar steigen. Diese hohen Ausgaben belasten kurzfristig die Rentabilität und dürften ein Grund für die verhaltene Kursentwicklung sein.
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Zur AktienanalyseAnalysten sehen 33% Aufwärtspotenzial
Die Wall Street bleibt dennoch außergewöhnlich optimistisch: Laut Yahoo! Finance stufen 55 von 58 Analysten, die Microsoft beobachten, die Aktie mit „Buy" ein. Das Konsenskursziel liegt bei 560 Dollar, was einem potenziellen Aufwärtspotenzial von rund 33% gegenüber dem aktuellen Kurs entspricht.
Für deutsche Privatanleger, die nach günstig bewerteten Tech-Werten suchen, bietet Microsoft damit eine interessante Konstellation: ein fundamental starkes Unternehmen mit klarer Wachstumsstrategie im Bereich Cloud und KI – und eine Aktie, die trotz Rekordergebnissen unter dem Niveau des Vorjahres notiert. Die hohen Investitionsausgaben sind dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern Ausdruck des Aufbaus einer Infrastruktur, die langfristig die Grundlage für weiteres Wachstum legen soll.


