Microsoft legt 14% zu, Meta bricht um 9% ein – KI-Schicksal entscheidet
Starke Azure-Zahlen beflügeln Microsoft, während Metas schwacher Ausblick und einbrechender Cashflow Anleger erschrecken.

Die Quartalsergebnisse zweier der größten Tech-Konzerne der Welt haben am Donnerstag für eine deutliche Spaltung an den Märkten gesorgt. Microsoft-Aktien stiegen um bis zu 14%, während Meta-Papiere um 9% einbrachen. Anleger bewerteten die KI-Strategien beider Unternehmen grundlegend unterschiedlich.
Microsoft meldete für das vierte Geschäftsquartal einen Umsatz, der die Analystenschätzungen übertraf. Besonders das Cloud-Geschäft Azure überzeugte mit einem Wachstum von 43% – ebenfalls über den Markterwartungen. Der Azure-Jahresumsatz überstieg dabei die Marke von 100 Milliarden US-Dollar.
Copilot-Wachstum als Beweis für KI-Renditen
Ein weiteres starkes Signal: Microsoft zählt nun mehr als 30 Millionen zahlende Nutzer für seinen KI-Arbeitsassistenten Microsoft 365 Copilot. Im April waren es noch mehr als 20 Millionen. Dieses Wachstum gilt als konkreter Beweis dafür, dass sich die massiven KI-Investitionen des Konzerns auszahlen.
„Die starke Umsatzentwicklung von Microsoft, kombiniert mit der beschleunigten Einführung von Copilot, signalisiert, dass der Rechenzentrumsausbau im Wert von 190 Milliarden Dollar beginnt, Renditen zu erwirtschaften", schrieb Tracy Woo, Chefanalystin bei Forrester, in einer Mitteilung. Microsoft steuert damit auf seinen besten Handelstag seit dem 13. März 2020 zu, als die Aktie um 18,6% zulegte.
Bemerkenswert: Der Kursanstieg erfolgte, obwohl Microsoft seine Investitionsprognose für 2026 bekräftigte und sogar eine potenzielle Ausweitung der Ausgaben im Geschäftsjahr 2027 signalisierte – zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt angesichts hoher KI-Kosten nervös reagiert.
Meta verfehlt Erwartungen und kämpft mit Cashflow-Einbruch
Bei Meta bot sich ein völlig anderes Bild. Der Social-Media-Konzern verfehlte die Erwartungen der Anleger beim Gewinn sowie beim Umsatz-Ausblick für das laufende Quartal. Meta prognostiziert für das aktuelle Quartal einen Umsatz zwischen 61 und 64 Milliarden Dollar – die Mitte der Spanne liegt bei 62,5 Milliarden Dollar. Analysten hatten laut LSEG mit einem Ausblick von 63,15 Milliarden Dollar gerechnet.
Noch alarmierender: Der freie Cashflow von Meta brach im Vergleich zum Vorjahr um 91% auf lediglich 784 Millionen Dollar ein. Grund dafür sind die anhaltend hohen KI-Investitionen des Unternehmens. Die Meta-Aktie befindet sich damit auf einer Rekord-Verlustserie, die voraussichtlich elf Tage erreichen wird – in diesem Zeitraum ist der Kurs um über 20% gefallen.
Meta-CEO Mark Zuckerberg deutete an, dass das Unternehmen „viele Angebote für Rechenkapazitäten mit einem erheblichen Aufschlag" erhalte gegenüber dem, was Meta dafür bezahlt habe. Dies würde eine Richtungsänderung bedeuten, sollte Meta beginnen, überschüssige Rechenkapazitäten an Dritte zu vermieten. Konkrete Details zu diesem möglichen Geschäftsmodell blieben jedoch aus. Zuckerberg räumte zudem ein, dass das Unternehmen Rechenressourcen für die eigene Produktentwicklung benötige.
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Zur AktienanalyseAnalysten sehen Meta noch auf der Suche nach seinem KI-Weg
Kritisch äußerte sich Ben Barringer, Leiter der Technologieanalyse bei Quilter Cheviot: „Im Moment ist das Narrativ von Mark Zuckerberg noch etwas detailarm und stützt sich auf das, was in der Zukunft getan werden könnte." Barringer weiter: „Meta spielt in der KI-Welt immer noch eine entscheidende Rolle, findet aber noch gewissermaßen seinen Weg, und deshalb sehen wir, dass sowohl Kosten als auch Einnahmen etwas volatil erscheinen."
Die Ergebnisse beider Konzerne verdeutlichen, wie unterschiedlich der Markt KI-Investitionen bewertet. Während Microsoft mit konkreten Nutzerzahlen und Umsatzwachstum punkten kann, kämpft Meta noch darum, Anlegern eine überzeugende und detaillierte KI-Strategie zu präsentieren. Für deutsche Privatanleger, die in US-Tech-Werte investiert sind, unterstreicht diese Entwicklung die Bedeutung einer differenzierten Betrachtung einzelner Unternehmen innerhalb des Sektors.

