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Milliardenklage gegen EY: Wirecard-Insolvenzverwalter fordert Schadenersatz

Prüfungspflichtverletzungen und Bilanzskandal: Hintergründe und weitere Klagen im Wirecard-Fall

Milliardenklage gegen EY: Wirecard-Insolvenzverwalter fordert Schadenersatz

In einem der wohl bedeutendsten Rechtsstreitigkeiten des Jahres reichte der Insolvenzverwalter von Wirecard, Michael Jaffé, kurz vor Weihnachten eine Klage gegen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) ein. Die Klage fordert von EY Schadenersatz in Höhe von beeindruckenden 1,5 Milliarden Euro. Dies wurde von einer Sprecherin des Landgerichts Stuttgart, wo EY Deutschland seinen Hauptsitz hat, bestätigt. Die Klage wurde unter dem Aktenzeichen 32 O 109/23 KfH eingereicht und konnte nur durch rechtzeitiges Handeln vor dem Jahresende realisiert werden.

Die genauen Einzelheiten der Klage waren zunächst nicht bekannt, doch inzwischen hat der Insolvenzverwalter seinen sechsten Sachstandsbericht beim Amtsgericht München eingereicht. Dieser Bericht, der 133 Seiten umfasst, gibt Einblicke in die Gründe für die Klage gegen EY. Besonders brisant ist die Feststellung, dass EY seine Prüfpflichten verletzt habe und "kein bzw. kein uneingeschränktes Testat" hätte erteilen dürfen, so Jaffé.

Eine zentrale Behauptung des Insolvenzverwalters ist, dass wesentliche Teile des Geschäfts von Wirecard komplett erfunden waren. Es gebe keinerlei Nachweise dafür, dass Wirecard jemals Händler an vermeintliche Drittpartner vermittelt habe, die die Zahlungen im Auftrag abwickelten. Dies stützt seine Argumentation für Schadenersatzansprüche gegen EY.

Der Bilanzskandal, der Wirecard im Juni 2020 in die Insolvenz trieb, führte zum Verschwinden von 1,9 Milliarden Euro aus den Büchern des Unternehmens. Jaffé macht EY für diese katastrophalen Entwicklungen mitverantwortlich.

Der Insolvenzverwalter hat sich intensiv mit Daten und Unterlagen befasst und zahlreiche Gespräche mit Mitarbeitern geführt, die mit EY in Kontakt standen. Diese Analysen bildeten die Grundlage für eine Klage, die nun eine der größten in der deutschen Rechtsgeschichte ist.

Ein weiteres bemerkenswertes Detail ist die Klage gegen die US-Investmentbank Citi, bei der Jaffé 140 Millionen Euro Schadenersatz einfordert. Laut Jaffé hätte sich Wirecard den Aktienrückkauf zu diesem Zeitpunkt nicht leisten können, was gegen aktienrechtliche Vorschriften verstieß und zur Nichtigkeit der Vereinbarungen führte.

Zusätzlich muss Wirecards früherer Finanzvorstand Burkhard Ley mit einer Klage in Höhe von 815.000 Euro rechnen. Diese Summe hatte er 2020 von Wirecard erhalten, obwohl sein Beratervertrag Ende 2019 ausgelaufen war. Die Klage wird vor dem Landgericht Wuppertal verhandelt.

Ley wird jedoch nicht nur von Jaffé verfolgt, sondern auch von der Staatsanwaltschaft München, die ihn unter anderem der Bilanzfälschung, Marktmanipulation und Untreue beschuldigt. Ein Anwalt von Ley betonte, dass dieser die Rückforderung der Bezahlung für seine Beratungsleistung ablehnt und sich gegen die Anschuldigungen wehrt.

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