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Milliardenrisiko durch US-Klagen gegen Bayer steigt dramatisch

Bundesregierung eingebunden, Aktienkurs fällt, Ratingagenturen sehen drohende Gefahr bei Kreditaufnahme und Bonität

Milliardenrisiko durch US-Klagen gegen Bayer steigt dramatisch

Die finanziellen Herausforderungen des Bayer-Konzerns aufgrund zahlreicher Rechtsstreitigkeiten in den USA beschäftigen inzwischen auch das Bundeswirtschaftsministerium. Im Mittelpunkt stehen dabei vor allem die Klagen wegen des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat sowie weiterer Verfahren bezüglich der Chemikalie PCB. Schon Anfang März informierte Bayer-Aufsichtsratschef Norbert Winkeljohann die Aktionäre, dass der Konzern möglicherweise kurzfristig erheblichen Kapitalbedarf habe und deshalb vorsorglich eine Kapitalerhöhung genehmigen lassen möchte.

Wie nun bekannt wurde, tauscht sich Bayer seit mehreren Wochen intensiv mit dem Bundeswirtschaftsministerium aus, um die finanziellen Folgen der anhängigen Gerichtsverfahren zu erörtern. Dabei gehe es nach Aussage eines Ministeriumssprechers um die möglichen Auswirkungen der Klagewelle. Ob dabei auch staatliche Unterstützung diskutiert wurde, blieb offen. Ein Sprecher von Bayer bestätigte lediglich, dass der Konzern regelmäßig mit politischen Entscheidungsträgern im In- und Ausland spreche, um unterschiedliche Szenarien im Zusammenhang mit diesen komplexen rechtlichen Herausforderungen zu prüfen. Eine konkrete Anfrage an die Bundesregierung hinsichtlich finanzieller Hilfen gebe es derzeit jedoch nicht.

Aus Unternehmenssicht hat sich die Risikolage gegenüber dem Vorjahr deutlich verschärft. Bayer verweist dabei auf die steigende Zahl schwebender Prozesse und deren potenziell hohe finanzielle Auswirkungen. Im Geschäftsbericht hebt der Konzern hervor, dass insbesondere die Verfahren zu PCB zu erheblichen finanziellen Belastungen führen könnten, beispielsweise durch Schadensersatzzahlungen, Strafschadenersatz oder außergerichtliche Vergleiche. Um auf diese Risiken vorbereitet zu sein, strebt Bayer eine Kapitalerhöhung im Umfang von knapp 35 Prozent des Grundkapitals an. Dies entspricht beim derzeitigen Aktienkurs rund acht Milliarden Euro.

Zwar sind sogenannte Vorratsbeschlüsse zu Kapitalerhöhungen bei DAX-Unternehmen grundsätzlich nicht ungewöhnlich, jedoch ist deren Größenordnung typischerweise kleiner als jene, die Bayer nun anstrebt. Marktüblich sind Beschlüsse, die unterhalb von 30 Prozent des Grundkapitals liegen. Die geplante hohe Kapitalermächtigung deutet somit auf die Ernsthaftigkeit der Situation hin, zumal der Aktienkurs aktuell auf niedrigem Niveau liegt. Der Konzern möchte damit offenbar verhindern, dass die Aufnahme weiterer Kredite zu verschlechterten Bonitätsnoten durch Ratingagenturen und damit zu höheren Finanzierungskosten führt.

Zur Genehmigung der geplanten Kapitalerhöhung benötigt Bayer eine Dreiviertelmehrheit der Hauptversammlung, was angesichts der Aktionärsstruktur keineswegs sicher ist. Das Unternehmen versucht deshalb, den Aktionären Sorgen zu nehmen. Laut Einladung zur Hauptversammlung am 25. April solle die Kapitalerhöhung nur im absoluten Bedarfsfall genutzt werden. Das Geld sei ausschließlich dafür vorgesehen, die Stabilität der Bilanz während der Abwicklung der Rechtsstreitigkeiten zu sichern. Weitere Gespräche mit der Bundesregierung erscheinen daher wahrscheinlich.

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