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Milliardenverluste für Chinas Solarkonzerne durch Preiskampf

Überproduktion und staatliche Maßnahmen verschärfen die Krise im Solarenergiemarkt

Milliardenverluste für Chinas Solarkonzerne durch Preiskampf

Chinas Solarkonzerne erleben derzeit massive finanzielle Einbußen aufgrund eines intensiven Preiswettbewerbs auf dem heimischen Markt für erneuerbare Energien. Longi Green Energy, bis vor kurzem noch der Weltmarktführer, prognostiziert für die ersten sechs Monate des Jahres einen Verlust von bis zu 700 Millionen Euro. Auch der Photovoltaikhersteller Tongwei warnte vor einem Halbjahresverlust von bis zu 400 Millionen Euro. Die führenden Solarkonzerne der Welt, die sich hauptsächlich in China befinden, kämpfen gegenwärtig mit einem harten Wettbewerb.

Obwohl China weltweit die meisten Solaranlagen installiert, übersteigt die produzierte Menge die Nachfrage erheblich, was zu einem extremen Preisverfall führt. Die Preise für Solarmodule chinesischer Hersteller haben sich im vergangenen Jahr fast halbiert. Trotz dieser niedrigen Preise zeigen die aktuellen Zahlen, dass selbst führende Unternehmen nicht in der Lage sind, auf diesem Preisniveau Gewinne zu erzielen. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, plant die Staatsführung neue Regulierungsmaßnahmen.

Branchenvertreter fordern schon seit längerem staatliche Eingriffe, um den ruinösen Wettbewerb zu stoppen. Die Regierung plant, die Kosten für Kredite zum Bau und Ausbau von Fabriken zu erhöhen und die Qualitätsanforderungen an die Produkte zu verschärfen. Diese Maßnahmen sollen vor allem größeren Unternehmen zugutekommen, die stärker auf Innovation und Qualität setzen. Experten gehen davon aus, dass solche Regulierungen größeren Unternehmen helfen könnten, sich besser zu positionieren.

Dany Qian, Vizepräsidentin von Trina Solar, betonte auf dem Weltwirtschaftsforum in Dalian, dass neben technologischen Innovationen auch politische Innovationen notwendig seien. Sie schlug vor, Industrieunternehmen billige Kredite anzubieten, wenn sie Solaranlagen auf ihren Dächern installieren, um die Nachfrage zu steigern, anstatt nur die Produktionskapazitäten zu erweitern.

Longi-Chef Zhong Baoshen warnte wiederholt, dass der Qualitätsverlust infolge des Preiswettbewerbs ein gefährliches Signal sei. Einige Unternehmen würden die Qualität opfern, um die Kosten zu senken. Ein Grund für die niedrigen Preise sind technologische Innovationen, die es ermöglichen, immer dünnere Wafer zu produzieren und dadurch Materialkosten zu sparen. Der hohe Preisdruck verleitet jedoch einige Hersteller dazu, zu stark am Material zu sparen, was Risiken birgt.

Longi muss nach vorläufigen Schätzungen im ersten Halbjahr einen Nettoverlust von umgerechnet 610 bis 700 Millionen Euro verzeichnen. Die Ursache liegt im Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage, das zu einem drastischen Preisverfall geführt hat. Trotz gestiegener Verkaufszahlen erzielte das Unternehmen geringere Einnahmen. Bereits im März hatte Longi angekündigt, rund fünf Prozent seiner Belegschaft in China abzubauen.

Im ersten Halbjahr 2023 hatte Longi noch einen Gewinn von rund 1,2 Milliarden Euro verzeichnet. Tongwei prognostiziert für die ersten sechs Monate 2024 einen Verlust von bis zu 416 Millionen Euro. Zhong erwartet aufgrund der hohen Überkapazitäten keine schnelle Erholung der Branche und spricht von einem „sehr harten Jahr“ für die Branche.

Zhu Gongshan, Chef des Polysiliziumherstellers GCL, warnte Mitte Juni, dass die Branche sich in einem blutigen Wettbewerb gegenseitig zerstöre und einen Konsens über vernünftige Profitmargen brauche. Da die chinesischen Solarkonzerne auf dem Heimatmarkt keine Gewinne mehr erzielen, drängen sie verstärkt auf die Weltmärkte. Dies verschärft den Handelskonflikt mit dem Westen, da befürchtet wird, dass die billigen chinesischen Produkte die heimischen Hersteller verdrängen könnten. So haben die USA bereits im Mai die Strafzölle auf Solarzellen aus China von 25 auf 50 Prozent erhöht.

Dank staatlicher Förderung wuchsen Chinas Solarkonzerne jahrelang stark. Die Solarindustrie zählt zu den sogenannten „neuen Drei“, zu denen auch Batterietechnik und E-Mobilität gehören. Diese Zukunftsbranchen sollen laut Staatsführung zu den künftigen Wachstumstreibern der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt werden.

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