Mobileye startet 2027 eigenen Robotaxi-Dienst in den USA
Der Technologieanbieter für autonomes Fahren tritt damit in direkten Wettbewerb mit seinen eigenen Kunden.

Mobileye Global hat am Dienstag angekündigt, ab 2027 einen eigenen Robotaxi-Dienst in den Vereinigten Staaten zu betreiben. Das in Jerusalem ansässige Unternehmen, das Automobilhersteller weltweit mit fortschrittlichen Fahrerassistenzsystemen beliefert, wagt damit den Schritt vom reinen Zulieferer zum eigenständigen Mobilitätsanbieter – und tritt dabei in direkten Wettbewerb mit einigen seiner eigenen Kunden.
Konkret plant Mobileye, zunächst rund 100 Robotaxis in einer noch nicht genannten US-Großstadt einzusetzen. In den folgenden fünf Jahren soll die Flotte auf etwa 17.000 Fahrzeuge anwachsen. Die Aktie des Unternehmens reagierte positiv auf die Nachricht: Im vorbörslichen Handel stieg der Kurs um mehr als 4 Prozent.
Technologie und Infrastruktur aus eigener Hand
Für den Aufbau des Dienstes kombiniert Mobileye zwei eigene Technologieplattformen: das autonome Fahrsystem „Mobileye Drive" sowie die digitale Infrastruktur der Tochtergesellschaft Moovit. Letztere stellt Daten zur städtischen Mobilität, Tools zur Reiseplanung und ein globales Passagiernetzwerk bereit. Eigene Fahrzeuge will Mobileye dabei nicht produzieren – stattdessen setzt das Unternehmen auf externe Fahrzeugplattform-Hersteller und Partner für die Flottenintegration.
CEO Amnon Shashua begründete den strategischen Schritt mit dem Ziel, die Marktdurchdringung zu beschleunigen: „Der Betrieb eines eigenen Dienstes ermöglicht es uns, die Akzeptanz zu beschleunigen, direkte operative Erfahrung zu sammeln und das volle Potenzial der autonomen Mobilität zu demonstrieren." Das Unternehmen betonte zugleich, dass die neue Initiative die bestehenden Lieferverpflichtungen gegenüber Kunden nicht verändere und der direkte Robotaxi-Betrieb das bisherige Geschäft lediglich ergänzen solle.
Harter Wettbewerb im US-Robotaxi-Markt
Mit dem Einstieg in den Robotaxi-Markt betritt Mobileye ein stark umkämpftes Terrain. Bereits aktiv sind dort Waymo, das zum Alphabet-Konzern (Google) gehört, Teslas autonomes Fahrangebot sowie Zoox, eine Tochtergesellschaft von Amazon. Der Markt für fahrerlose Mobilität zieht weltweit steigende Investitionen an, was den Wettbewerb um Marktanteile und künftige Umsätze weiter verschärft.
Bemerkenswert ist, dass Mobileye mit dem eigenen Robotaxi-Dienst potenziell in Konkurrenz zu Partnern tritt, die seine Technologie bereits nutzen. So hatte die US-amerikanische Fahrdienstplattform Lyft im vergangenen Jahr angekündigt, bereits 2026 vollautonome Robotaxis in Dallas einzusetzen – basierend auf der Technologie von Mobileye.
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Zur AktienanalysePositive Geschäftsentwicklung als Rückenwind
Der Vorstoß in den Robotaxi-Markt kommt zu einem günstigen Zeitpunkt für Mobileye. Das Unternehmen hatte im April seine Jahresumsatzprognose angehoben, gestützt durch eine starke Nachfrage nach seinen Chips und seiner Software. Hintergrund ist, dass Automobilhersteller ihre Lagerbestände nach einem längeren, pandemiebedingten Überangebot wieder auffüllen und dabei verstärkt auf Mobilitätslösungen von Mobileye setzen.
Für deutsche Anleger und Beobachter der Automobilbranche ist die Entwicklung besonders relevant: Viele europäische und deutsche Fahrzeughersteller zählen zu den Kunden von Mobileye. Der Schritt des Unternehmens hin zum eigenständigen Mobilitätsanbieter könnte die Dynamik in der gesamten Branche verändern und zeigt, wie stark sich die Grenzen zwischen Technologiezulieferern und Mobilitätsdienstleistern verschieben.


