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Modine Manufacturing: Wie ein Kühlerbauer zum KI-Profiteur wurde

Ein 110 Jahre alter Industriezulieferer aus Wisconsin verwandelt sich rasant in einen der größten Gewinner des KI-Booms.

Modine Manufacturing: Wie ein Kühlerbauer zum KI-Profiteur wurde

Der MSCI ACWI Extreme Weather Industrial Solutions Index hat den breiten Markt in den vergangenen drei Jahren deutlich geschlagen: rund 88 Prozent Zuwachs gegenüber 64 Prozent beim globalen MSCI ACWI IMI. Doch der eigentliche Treiber dieser starken Performance ist nicht die Klimakrise – sondern der Boom der Künstlichen Intelligenz.

Rechenzentren verschlingen weltweit immer mehr Strom und erzeugen dabei enorme Mengen an Abwärme. Das macht leistungsfähige Kühlsysteme zur Schlüsseltechnologie unserer Zeit. Und genau hier kommt ein Unternehmen ins Spiel, das die wenigsten auf dem Radar haben: Modine Manufacturing aus Racine, Wisconsin.

Der Extremwetter-Index und seine Schwergewichte

Der Spezialindex umfasst gerade einmal 43 Unternehmen, überwiegend aus den USA. Mehr als drei Viertel des Index entfallen auf die zehn größten Positionen. Carrier, Trane Technologies und Comfort Systems USA führen die Liste an, gefolgt von Johnson Controls, Ferguson und Daikin. Modine belegt Rang zehn – mit einer Gewichtung von 3,5 Prozent.

Schon vor dem KI-Hype, zwischen 2019 und 2021, legte der Index um mehr als 30 Prozent pro Jahr zu. Steigende Temperaturen kurbelten die Nachfrage nach Klimatisierung an, höhere Effizienzstandards trieben Gebäudemodernisierungen voran, und die Pandemie machte Lüftungstechnik zum Wachstumsmarkt. Der KI-Boom ist nun ein weiterer, mächtiger Wachstumsmotor für die gesamte Branche.

Warum KI die Kühlbranche doppelt antreibt

Rechenzentren verbrauchten 2024 bereits rund 1,5 Prozent des weltweiten Stroms. Bis 2030 könnte sich ihr Energiebedarf auf rund 945 Terawattstunden mehr als verdoppeln – das entspricht dem gesamten heutigen Stromverbrauch Japans. Der Grund: Immer leistungsfähigere KI-Chips werden auf immer engerem Raum betrieben, und nahezu die gesamte eingesetzte Energie wandelt sich früher oder später in Wärme um.

Klassische Luftkühlung stößt dabei zunehmend an ihre Grenzen. Gefragt sind stattdessen größere Kältemaschinen, leistungsfähigere Kühlsysteme und Flüssigkühlung direkt am Chip. Je mehr Rechenkapazität die Techkonzerne aufbauen, desto mehr müssen sie auch in die Kühlung dieser Infrastruktur investieren.

Vom Traktor zum Hyperscale-Rechenzentrum

Modine Manufacturing baut seit 1916 Kühlsysteme und Wärmetauscher – zunächst für Traktoren und Autos, später für Lastwagen, Maschinen und Industrieanlagen. Seit einigen Jahren richtet der Konzern sein jahrzehntelanges Know-how konsequent auf Rechenzentren aus.

Unter der Marke Airedale hat Modine ein eigenständiges Kühlgeschäft für diesen Markt aufgebaut. Das Angebot umfasst große Kältemaschinen und Luftbehandlungssysteme. 2024 übernahm Modine mit Scott Springfield einen Spezialisten für maßgeschneiderte Anlagen in Hyperscale-Rechenzentren. Zudem erweitert der Konzern sein Produktportfolio: Der neue TurboChill kann mehr als drei Megawatt Wärme abführen – mindestens 50 Prozent mehr als die bislang größten Modelle der Baureihe.

Die Vier-Milliarden-Dollar-Wette

Die Zahlen sprechen für sich: Im Quartal bis Ende März 2026 stieg Modines Umsatz mit Rechenzentren um 158 Prozent. Bis zum Geschäftsjahr 2028 peilt der Konzern in dieser Sparte mehr als zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz an – und fährt dafür den größten Kapazitätsausbau seiner Unternehmensgeschichte.

Besonders auffällig ist ein ungewöhnlicher Großauftrag: Ein nicht namentlich genannter Kunde reservierte sich bei Modine für die Jahre 2027 bis 2029 Kühltechnik im Wert von mehr als vier Milliarden Dollar – mehr als Modine zuletzt in einem gesamten Geschäftsjahr umsetzte. 165 Millionen Dollar zahlte der Kunde bereits vorab, damit Modine die Produktion schneller hochfahren kann.

Parallel dazu trennt sich Modine von seinem seit Jahren stagnierenden Auto- und Nutzfahrzeuggeschäft, das noch rund ein Drittel des Umsatzes ausmacht. Es soll mit dem US-Autozulieferer Gentherm zusammengelegt werden – ein klares Signal, wohin die strategische Reise geht.

Aktie versiebenfacht – und die Erwartungen sind hoch

An der Börse ist aus dem alten Kühlerbauer längst ein KI-Wert geworden. In drei Jahren hat sich die Modine-Aktie versiebenfacht. Die angekündigte Trennung vom Fahrzeuggeschäft trieb den Kurs zuletzt noch einmal kräftig nach oben.

Die Erwartungen der Analysten sind entsprechend ambitioniert: Sie rechnen damit, dass sich der Gewinn je Aktie bis 2029 auf rund 16 Dollar verdreifacht. Geht diese Rechnung auf, würde die Aktie gemessen an den Gewinnerwartungen für 2029 nur noch mit dem 14-Fachen des Jahresgewinns bewertet – eine plötzlich deutlich nüchternere Bewertung.

Modine zeigt exemplarisch, wie der KI-Boom inzwischen auch Unternehmen weit abseits des Silicon Valley erfasst. Längst sind nicht mehr nur Chips der entscheidende Engpass – auch Stromanschlüsse, Produktionskapazitäten und Kühlsysteme werden zur knappen Ressource. Für Modine ist das eine komfortable Ausgangslage, solange der Konzern schnell genug liefern kann und die Techkonzerne weiter investieren. Letztlich hängt auch ein 110 Jahre alter Industriezulieferer aus Wisconsin an der Frage, die derzeit die gesamte Börse beschäftigt: Wie lange hält der KI-Boom noch an?

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