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Motorölkrise: VW, Stellantis und Toyota suchen Alternativen

Ein Versorgungsengpass bei Grundölen der Gruppe III trifft Automobilhersteller weltweit – mit steigenden Preisen und drohenden Verzögerungen beim Ölwechsel.

Motorölkrise: VW, Stellantis und Toyota suchen Alternativen

Volkswagen, Stellantis und Toyota stehen vor einem ernsthaften Versorgungsproblem: Hochwertige Grundöle der Gruppe III, die für die Herstellung von Motorenöl unverzichtbar sind, sind knapp geworden. Auslöser war der Nahostkonflikt, der die globalen Lieferketten für Schmierstoffe massiv erschüttert hat. Die Automobilhersteller reagieren nun mit dem Einsatz alternativer Ölmischungen und Schmierstoffformulierungen.

Der entscheidende Wendepunkt kam im März, als iranische Raketen die große Gas-to-Liquids-Anlage von Shell in Katar trafen. Die Anlage musste umfangreiche Reparaturarbeiten durchführen, was zu einem abrupten Lieferstopp führte. Branchennahe Kreise berichteten, dass einige Shell-Kunden daraufhin verzweifelt nach alternativen Lieferungen gesucht hätten.

Preise fast verdreifacht

Die Folgen für den Markt sind gravierend: Die Preise für Grundöle der Gruppe III haben sich im Vergleich zum Vorkriegsniveau fast verdreifacht und liegen in Europa und den USA derzeit bei rund 4.000 US-Dollar pro Tonne. Für Autofahrer weltweit bedeutet das: Routinemäßige Ölwechsel – ein entscheidender Vorgang zur Vermeidung von Motorschäden – werden teurer und anfälliger für Verzögerungen.

Gabriella Twining, globale Leiterin für die Preisgestaltung von Grundölen beim Datenanbieter Argus Media, warnt vor anhaltender Knappheit. „Es gibt immer weniger Alternativen", sagte sie. „Selbst wenn die Straße von Hormus morgen wieder geöffnet würde, gehen wir davon aus, dass Europa und die USA frühestens im Oktober eine Nachlieferung erhalten würden." Einige Lieferanten hätten bereits höhere Gewalt (Force Majeure) für ihre Lieferungen erklärt.

Holly Alfano, Geschäftsführerin der Independent Lubricant Manufacturers Association, betont die Fragilität der aktuellen Lage. „Alternative Anbieter verfügen ebenfalls nur über begrenzte Mengen, und jede erneute Störung der Schifffahrt, ein Raffinerieausfall oder ein anderer Angebotsschock könnte die Situation rasch verschlechtern", sagte sie. „Die Branche arbeitet weiterhin mit geringem Spielraum für Fehler."

Hersteller unter Druck, Qualitätsstandards zu wahren

Die Umstellung auf alternative Schmierstoffe ist für die Automobilhersteller keine einfache Aufgabe. Sie müssen sicherstellen, dass neue Formulierungen dasselbe Qualitäts- und Leistungsniveau erreichen wie die bisherigen Produkte – und dafür entsprechende Genehmigungen einholen. Ein Manager eines großen europäischen Schmierstoffherstellers beschreibt den Wandel in der Branche: „Früher hätten 100 Prozent der Erstausrüster (OEMs) gezögert, andere Schmierstoffe zu akzeptieren, aber heutzutage sind einige von ihnen verzweifelt."

Stellantis erklärte, man habe „neu formulierte Schmierstoffe" bewertet und alternative Produkte gesichert, die den „geltenden Industriestandards" entsprächen. Der Konzern betonte, der Fokus liege darauf, Auswirkungen auf den Fahrzeugservice zu minimieren. Volkswagen räumte ein, dass es sich um eine „branchenweite Situation handele, die außerhalb der direkten Kontrolle einzelner Hersteller liege", habe sich aber vorerst die notwendigen Vorräte gesichert und prüfe zusätzliche Beschaffungsoptionen.

Auch Japan betroffen – Taxipreise steigen

Auch in Japan macht sich die Krise bemerkbar. Toyota erklärte, betroffen zu sein, habe aber bereits alternative Lieferungen gesichert. Beim Autohersteller Suzuki kam es seit Juni bei einigen Händlern in Japan zu Verzögerungen beim routinemäßigen Motorölwechsel. Konzernchef Toshihiro Suzuki erklärte vor Aktionären, dass die Gruppe die gesamte Lieferkette überprüfe und ihre Lieferantenbasis für Grundöle diversifiziere.

Ein Taxiunternehmen aus Osaka berichtete, dass sich die Versorgungslage zwar leicht verbessert habe, die Preise für Grundöle sich jedoch verdoppelt hätten. Das Unternehmen sah sich gezwungen, die Taxipreise für Verbraucher zu erhöhen – ein konkretes Beispiel dafür, wie die Rohstoffkrise letztlich beim Endverbraucher ankommt.

Analysten warnen, dass sich die Lage jederzeit wieder verschlechtern könnte. Die Konsolidierung innerhalb der Schmierstoffbranche habe die Zahl der verfügbaren Anbieter verringert. Zudem könnten alternative Lieferanten wie Südkorea ihre eigenen normalen Rohöllieferungen nicht in vollem Umfang erhalten – was die Puffer weiter einschränkt.

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