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Neuer Fed-Chef Warsh belebt Greenspans umstrittene Zentralbankstrategie

Kevin Warsh orientiert sich als neuer Fed-Vorsitzender stark an Alan Greenspan – mit allen Chancen und bekannten Risiken.

Neuer Fed-Chef Warsh belebt Greenspans umstrittene Zentralbankstrategie

WASHINGTON – Der neue Vorsitzende der US-Notenbank Federal Reserve, Kevin Warsh, setzt auf eine Strategie, die stark an seinen verstorbenen Vorgänger Alan Greenspan erinnert. Wie der am Montag im Alter von 100 Jahren verstorbene „Maestro" setzt Warsh auf Zurückhaltung in der Kommunikation und vertraut darauf, dass Finanzmärkte die Dinge selbst regeln. Greenspan hatte Warsh bei dessen Vereidigung im Weißen Haus am 22. Mai gleich viermal zitiert – ein deutliches Signal für die Richtung, die der neue Fed-Chef einschlagen will.

Greenspans mehr als 18-jährige Amtszeit an der Spitze der US-Zentralbank gilt als Ära der „Großen Moderation": Inflation blieb niedrig, das Wirtschaftswachstum stabil. Sein Ansatz, wenig zu sagen und den Märkten Raum zu lassen, trug maßgeblich dazu bei. Doch dieselbe Philosophie führte ihn auch dazu, Warnsignale einer sich aufbauenden Immobilienblase zu ignorieren – mit fatalen Folgen für die Weltwirtschaft.

Donald Kohn, Senior Fellow an der Brookings Institution und ehemaliger Vizevorsitzender der Fed, würdigte Greenspan in einem am Montag veröffentlichten Nachruf. Greenspan habe „Einsichten in oft obskuren Datenreihen gefunden und diese Reihen gelegentlich auf wunderbare Weise kombiniert". Doch trotz der Erkenntnis schnell steigender lokaler Immobilienpreise „bezweifelte Greenspan eine nationale Blase in diesen Märkten und tat wenig mit seiner öffentlichen Plattform oder seinen Befugnissen über die Bankenregulierung, um präventiv Widerstandsfähigkeit aufzubauen", so Kohn.

Finanzkrise als mahnendes Erbe

Die Folgen dieser Fehleinschätzung waren verheerend: Eine Krise, die ihren Ursprung im US-Subprime-Hypothekenmarkt hatte, überwältigte kurz nach Greenspans Ausscheiden aus dem Amt das globale Finanzsystem. In Kongressanhörungen musste Greenspan schließlich einen „Fehler" in seinem Denken über rationale und effiziente Märkte eingestehen – ein seltenes und demütigendes Eingeständnis für einen der einflussreichsten Zentralbanker der Geschichte.

Als Reaktion auf die Krise von 2007 bis 2009 zwang das Dodd-Frank-Reformpaket die Banken zu größeren Kapitalpuffern, zur Erstellung von Abwicklungsplänen und zu einer engeren Aufsicht durch die Fed. Ziel war es, sicherzustellen, dass keine Bank jemals wieder als „too big to fail" gelten und künftige Rettungsaktionen durch den Steuerzahler erzwingen würde. Einiges davon wird nun unter der für Bankenaufsicht zuständigen Fed-Vizevorsitzenden Michelle Bowman gelockert.

Warsh hat erklärt, eines seiner Ziele sei es, den Einfluss der Fed zurückzudrängen. Er sieht die derzeitige Neigung der Fed, sich ausführlich zu erklären, als Risiko: Sie könnte den Entscheidungsträgern die Hände binden. Das erste geldpolitische Statement unter seiner Führung, das vergangene Woche veröffentlicht wurde, kehrte zu einem kürzeren Format zurück und strich explizite Hinweise auf den künftigen Kurs der Geldpolitik.

KI-Boom als neue Produktivitätswelle?

Warsh zieht dabei eine direkte Parallele zu einem historischen Moment aus Greenspans Amtszeit: Mitte der 1990er Jahre erkannte Greenspan präzise, dass eine steigende Produktivität zur Dämpfung der Inflation beitragen würde – und sprach sich gegen Zinserhöhungen aus, die bei seinen Kollegen zunehmend Unterstützung fanden. Warsh sieht in der aktuellen Verbreitung von Technologien der künstlichen Intelligenz eine ähnliche Dynamik und hat eine Studie über Produktivität einer der fünf Task Forces übertragen, die er zu Beginn seiner Amtszeit eingesetzt hat.

In seiner ersten Pressekonferenz brachte Warsh seine Grundphilosophie auf den Punkt: „Finanzmärkte erbringen die beste Leistung, wenn sie auf eingehende Daten reagieren. Ich denke, die Finanzmärkte arbeiten weniger effizient, wenn sie sich die Frage stellen: Wie wird die Federal Reserve auf diese eingehenden Informationen reagieren?" Er fügte hinzu: „Wenn die Finanzmärkte nur das widerspiegeln, was wir gesagt haben, dann nehmen wir die wichtigste Informationsquelle und verschließen die Augen davor."

Die zentrale Frage, die Warsh nun beantworten muss, lautet: Wie weit soll die Rückführung der nach der Finanzkrise eingeführten Maßnahmen – darunter die große Bilanz der Fed und ihre ausgeweitete Kommunikationspolitik – gehen? Ausgerechnet in jenem Bereich, in dem Greenspan selbst einräumte, sich geirrt zu haben, muss sein erklärter Nachfolger nun die Grenzen neu ziehen.

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