Neuerungen bei Briefzustellungen
Deutsche Post erwägt verlangsamten Standardversand bei stabiler Sechs-Tage-Zustellung

Eine Neuerung im Dienstleistungsangebot der Deutschen Post könnte zukünftig nicht nur für Überraschungen, sondern auch für kontroverse Diskussionen bei den Kundinnen und Kunden sorgen. Die Änderung betrifft die Zustellungsdauer von Standardbriefen, die deutlich verlängert werden könnte. Um den finanziellen Herausforderungen, vor die das Unternehmen durch gestiegene Kosten und sinkende Briefmengen gestellt wird, zu begegnen, wird eine Differenzierung in der Zustellungsgeschwindigkeit von Briefen erwogen. Dabei könnte eine neue Option namens „Prio-Brief“ eingeführt werden, während der Standardbrief langsamer beim Adressaten ankommen könnte.
Nikola Hagleitner, die Managerin für das Brief- und Paketgeschäft der Deutschen Post, brachte diese mögliche Neuerung in einem Gespräch mit der "Welt am Sonntag" ins Spiel. Hierbei handelt es sich um eine potenzielle Lösung für das Dilemma, in dem sich das Unternehmen durch die Ablehnung der Portoerhöhung 2024 durch die Bundesnetzagentur befindet. Die Deutsche Post hatte auf „drastisch gestiegene Kosten“ durch Inflation und höhere Energiepreise sowie einen „sehr hohen Tarifabschluss 2023“ und „deutlich stärker abnehmende Briefmengen“ als Gründe für die beantragte Portoerhöhung hingewiesen.
Die Idee des „Prio-Briefes“ wird von Hagleitner wie folgt erläutert: Dieser Brief würde, im Gegensatz zum Standardbrief, am Tag nach dem Einwurf zugestellt werden. Trotz der schnelleren Zustellung soll der Preis nicht exorbitant steigen: „Wir reden nicht über eine Verdoppelung des Preises“, betont die Managerin. Dennoch würde der Preis über dem derzeitigen Porto liegen müssen.
Die diskutierte Änderung in der Zustellung betrifft die standardisierte Briefzustellung und könnte laut Berichten Teil einer Neuregelung des Postgesetzes durch das Bundeswirtschaftsministerium sein. Hierbei wäre eine Verankerung einer Verlängerung der Brieflaufzeit auf drei Tage möglich. Einem möglichen Rückgang der Briefmengen um sechs Prozent in diesem Jahr steht die Deutsche Post mit dem Konzept einer differenzierten Zustellung offen gegenüber.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseWährend die Zahl der Briefe weiter abnimmt, bleibt der Wunsch der Deutschen Post nach einer sechstägigen Zustellung und einem Erhalt der Briefzustellung in Deutschland konstant. „Wir haben kein Interesse daran, an der Sechs-Tage-Zustellung etwas zu ändern“, versichert Hagleitner. Gleichzeitig bleibt der Druck auf das Unternehmen bestehen, eine neue Entgeltregulierung zu finden, die trotz der finanziellen Investitionen in die Zustellung einen Gewinn erlaubt. Hierbei betont sie die Notwendigkeit einer Gewinnmarge, die Investitionen von rund einer Milliarde Euro jährlich in die Zustellung ermöglicht.


