New York untersucht Marketingpraktiken von Prognosemarkt-Plattformen
Der New Yorker Stadtrat prüft irreführende Werbemethoden bei Polymarket, Kalshi, Coinbase und Gemini Titan.

Der Stadtrat von New York City hat eine formelle Untersuchung der Marketingpraktiken führender Prognosemarkt-Plattformen eingeleitet. Ratssprecherin Julie Menin richtete Briefe an vier Unternehmen – Polymarket, Kalshi, Coinbase und Gemini Titan – und teilte mit, dass der Stadtrat seit Monaten Vorwürfe wegen „falscher, irreführender, unlauterer und anstößiger Marketingpraktiken" durch Börsen für Ereigniskontrakte prüft.
Auslöser der Untersuchung ist eine Recherche des Wall Street Journal, die Polymarket vorwirft, irreführende Marketingkampagnen durchgeführt zu haben. Laut dem Journal-Bericht vom Juni erweckte Polymarket den Anschein, als würden kooperierende Content-Ersteller auf der Plattform echte Gewinne erzielen – obwohl diese in Wirklichkeit kein eigenes Geld einsetzten. Diese Berichterstattung hatte bereits eine Untersuchung durch die Commodity Futures Trading Commission (CFTC), die US-Bundesaufsichtsbehörde für Prognosemärkte, ausgelöst.
Polymarket überarbeitet Marketingstrategie
CNBC berichtete, dass Polymarket inzwischen Schritte unternommen hat, um seine Marketingstrategie zu überarbeiten. Dazu gehören aktualisierte und optimierte Richtlinien sowohl für eigene Mitarbeiter als auch für die Content-Ersteller, mit denen das Unternehmen zusammenarbeitet. Menin erklärte in ihren Briefen zudem, dass der Stadtrat untersuche, ob ähnliche Werbestrategien auch von anderen Unternehmen der Branche genutzt werden.
Ein den Briefen beigefügtes Memo betont, dass die Vorwürfe gegen Polymarket die dringende Notwendigkeit verdeutlichen, festzustellen, ob neue Gesetze oder andere politische Änderungen erforderlich sind. Menins Büro kündigte außerdem an, dass der Stadtrat eine öffentliche Anhörung zu diesem Thema abhalten plane. Das Memo stellte dabei ausdrücklich klar, dass die aktuelle Untersuchung nicht prüft, ob die Plattformen gegen die Glücksspielgesetze des Bundesstaates New York verstoßen.
Rechtliche Auseinandersetzungen im Hintergrund
Parallel zur städtischen Untersuchung befindet sich der Bundesstaat New York in aktiven Rechtsstreitigkeiten gegen Kalshi, Coinbase und Gemini. Der Vorwurf: Die Unternehmen betreiben illegale Glücksspielgeschäfte. Die Plattformen hingegen argumentieren, dass sie auf Bundesebene regulierte Finanzbörsen seien und daher nicht den staatlichen Wettgesetzen unterlägen. Gegen Polymarket führt der Bundesstaat New York derzeit keinen entsprechenden Rechtsstreit.
Drei der vier betroffenen Unternehmen haben ihren Hauptsitz in New York City: Kalshi, Polymarket und Gemini. Coinbase operiert offiziell von Texas aus, kündigte jedoch Anfang des Jahres an, seine Belegschaft in New York auf mehr als 1.000 Mitarbeiter auszubauen.
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Zur AktienanalyseReaktionen der Unternehmen
Die betroffenen Plattformen reagierten unterschiedlich auf die Anfragen. Ein Coinbase-Sprecher erklärte gegenüber CNBC: „Coinbase bietet unseren Kunden Zugang zu auf Bundesebene regulierten Prognosemärkten, die von der CFTC beaufsichtigt werden, und hält die geltenden Gesetze vollständig ein." Kalshi-Sprecherin Dani Lever erklärte, das Unternehmen freue sich darauf, „den Stadtrat von New York City über unser Geschäftsmodell und unsere Praktiken aufzuklären". Gemini reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zur Stellungnahme.
Prognosemärkte – auf Englisch „Prediction Markets" – sind Plattformen, auf denen Nutzer auf den Ausgang realer Ereignisse wetten können, etwa auf Wahlergebnisse oder wirtschaftliche Entwicklungen. In den USA erfreuen sie sich wachsender Beliebtheit, stehen aber zunehmend im Fokus von Regulierungsbehörden. Für deutsche Anleger und Beobachter ist die Entwicklung relevant, da sie zeigt, wie US-Behörden mit dem schnell wachsenden Segment der Ereigniskontrakt-Börsen umgehen.


