Öl-Poker mit Venezuela
USA lockern Sanktionen zwecks Marktstabilisierung

Die Biden-Regierung hat am Donnerstag bekannt gegeben, dass bestimmte Sanktionen gegen Venezuela gelockert werden, um dem Land die Rückkehr auf den internationalen Ölmarkt zu ermöglichen. Hintergrund ist die Befürchtung, dass durch den eskalierenden Konflikt mit dem Iran weniger Öl aus diesem Land kommen könnte. Die USA versuchen daher, mögliche Engpässe durch venezolanisches Öl auszugleichen.
Kritiker sehen in dem Schritt ein riskantes politisches Manöver Bidens und bezweifeln den ökonomischen Nutzen. Venezuela hat zwar die größten Ölreserven weltweit, kann aufgrund maroder Förderanlagen kurzfristig aber nur begrenzt mehr Öl produzieren. Laut Analysten könnte Venezuela bis Ende 2024 maximal 200.000 Barrel pro Tag zusätzlich auf den Markt bringen. Demgegenüber würde bei einer Verschärfung der Iran-Sanktionen mit bis zu 400.000 Barrel pro Tag deutlich mehr Öl fehlen.
Das Vorgehen gegen Venezuela ist auch innenpolitisch heikel für Biden. In der wichtigen Wählergruppe der Latinos lehnen viele Exil-Venezolaner das kommunistische Maduro-Regime ab. Bidens Kalkül ist, durch die Lockerung der Sanktionen Maduro zu Zugeständnissen in Richtung Demokratie zu bewegen. Nach einer Wahlrechtsreform habe man nun einen ersten Schritt unternommen, so die US-Regierung. Kritiker halten dies für vorgeschoben.
Hintergrund des Öl-Manövers ist die angespannte Versorgungslage am Ölmarkt. Seit dem Importstopp für russisches Öl durch die G7 fehlt diesem ein großer Produzent. Die OPEC kann dies nicht ausgleichen. Auch US-Konzerne wie Exxon oder Chevron investieren trotz hoher Preise nicht in mehr Förderung, sondern nutzen die Gewinne für Zukäufe und Schuldenabbau. So kündigte Exxon gerade den Kauf des Konkurrenten Pioneer an.
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Zur AktienanalyseDie USA sehen sich daher gezwungen, die Sanktionspolitik gegen Ölstaaten zu lockern, um das Angebot zu erhöhen. So hoffte Biden durch Annäherung an den Iran, diesem im Gegenzug für ein Atomabkommen mehr Ölexporte zu erlauben. Doch nach dem Hamas-Angriff auf Israel ist dieses Szenario vom Tisch. Die Öffnung gegenüber Venezuela ist daher der verzweifelte Versuch, die Lücke zu schließen. Doch Experten bezweifeln den Nutzen und sehen eher die Gefahr einer weiteren Verteuerung von Öl.

