Ölmarkt in Asien vor neuem Konkurrenzkampf
Russland und Saudi-Arabien ringen um Marktanteile mit Preissenkungen und Sanktionen

Ein neuer Wettbewerb um Marktanteile auf dem asiatischen Rohölmarkt zeichnet sich ab, da die wichtigsten Exporteure Saudi-Arabien und Russland ihre Lieferungen in die weltweit größte Importregion ausweiten. Besonders China, der größte Ölimporteur der Welt, entwickelt sich zu einem zentralen Schauplatz dieser Auseinandersetzung.
Russland hatte Saudi-Arabien als führenden Öllieferanten Chinas überholt, da es nach den westlichen Sanktionen infolge des Ukraine-Krieges gezwungen war, sein Rohöl mit Preisnachlässen anzubieten. Dies führte dazu, dass China und Indien die Hauptabnehmer russischen Öls wurden, während kleinere Mengen nach Myanmar und andere Länder gelangten. Doch im Januar dieses Jahres traten neue Sanktionen der USA gegen den russischen Ölexport in Kraft, was zu einem Rückgang der Seetransporte führte. Die russischen Lieferungen nach China fielen im Februar auf 969.000 Barrel pro Tag, nachdem sie im Januar noch bei 1,01 Millionen Barrel pro Tag gelegen hatten. Damit erreichten sie den niedrigsten Stand seit Dezember 2022. Im Durchschnitt der ersten beiden Monate des Jahres lag das Volumen bei 990.000 Barrel pro Tag, was einem Rückgang von 270.000 Barrel gegenüber den beiden vorherigen Monaten entspricht.
Auch Indien, das seit den Sanktionen zu einem bedeutenden Abnehmer russischen Öls wurde, verzeichnete in den ersten beiden Monaten des Jahres rückläufige Importe. Im Februar importierte Indien 1,43 Millionen Barrel pro Tag aus Russland, was den niedrigsten Stand seit Januar 2023 darstellte. Im Januar lagen die Einfuhren noch bei 1,63 Millionen Barrel pro Tag. Der Durchschnitt der ersten beiden Monate des Jahres belief sich auf 1,56 Millionen Barrel pro Tag, gegenüber 1,63 Millionen Barrel in den beiden vorangegangenen Monaten.
Dennoch wird für März ein Anstieg der russischen Öllieferungen nach China und Indien erwartet, da Händler und Raffinerien Wege finden, die Sanktionen zu umgehen. Indische Importe aus Russland könnten auf 1,92 Millionen Barrel pro Tag steigen, was dem höchsten Wert seit Juli 2024 entspräche. Auch für China wird mit einer Zunahme der Einfuhren auf 973.000 Barrel pro Tag gerechnet. Es ist zudem wahrscheinlich, dass dieser Wert im Laufe des Monats weiter nach oben korrigiert wird, da zusätzliche Lieferungen aus den russischen Pazifikhäfen nach China unterwegs sind.
Während Russland seine Exporte wieder steigert, reagiert Saudi-Arabien mit einer Erhöhung seiner Lieferungen nach China. Kpler-Daten zufolge werden für März 1,64 Millionen Barrel pro Tag erwartet, was den höchsten Wert seit August 2023 darstellt. Im Februar beliefen sich die saudischen Exporte nach China noch auf 1,21 Millionen Barrel pro Tag, im Januar auf 1,33 Millionen Barrel pro Tag. Auch nach Indien exportiert Saudi-Arabien wieder größere Mengen. Dort lag das Importvolumen im Februar bei 679.000 Barrel pro Tag, dem niedrigsten Stand seit August 2024. Für März wird jedoch ein Anstieg erwartet.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseEin Grund für die steigenden saudischen Exporte sind die gesenkten offiziellen Verkaufspreise des staatlichen Ölkonzerns Saudi Aramco. Der Preis für die Sorte Arab Light für asiatische Raffinerien wurde für April um 40 Cent auf 3,50 US-Dollar pro Barrel über den Durchschnitt der Referenzsorten Oman und Dubai gesenkt. Diese Preissenkung ist die erste seit drei Monaten und steht im Zusammenhang mit der Entscheidung der OPEC+, die Produktion ab April um 138.000 Barrel pro Tag zu erhöhen.
Parallel dazu hat sich die geopolitische Lage verändert. Unter der neuen US-Regierung unter Präsident Donald Trump hat sich die Haltung gegenüber Russland gewandelt. Die Unterstützung für die Ukraine wurde weitgehend eingestellt, was Russland möglicherweise mehr Spielraum für seine Exportstrategie gibt. Die aktuellen Lieferbewegungen nach Asien könnten somit erste Anzeichen eines intensiveren Wettbewerbs um Marktanteile sein, der den Preisdruck auf Rohöl weiter erhöhen könnte. Der Preis für die globale Benchmark-Sorte Brent lag zuletzt bei 69,28 US-Dollar pro Barrel und damit leicht über dem Vierjahrestief von 68,33 US-Dollar, das am 5. März erreicht wurde.


