Ölpreise fallen nach OPEC+-Beschluss deutlich
Steigende Förderung und Trumps Zolldrohung verunsichern Markt und belasten Nachfrageerwartungen

Die Ölpreise sind auf den tiefsten Stand seit fünf Wochen gefallen, nachdem ein deutlicher Produktionsanstieg der OPEC+-Staaten sowie Sorgen um eine schwächere Nachfrage das Marktumfeld belasteten. Brent-Rohöl verbilligte sich um 1,63 Prozent auf 67,64 US-Dollar pro Barrel, während die US-Sorte West Texas Intermediate um 1,7 Prozent auf 65,16 Dollar fiel. Beide Referenzsorten verzeichneten damit das niedrigste Kursniveau seit über einem Monat.
Die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Partner, bekannt als OPEC+, hatten sich am Wochenende darauf verständigt, die tägliche Fördermenge im September um 547.000 Barrel zu erhöhen. Damit wird eine zuvor beschlossene Förderkürzung vorzeitig beendet. Marktbeobachter wie Andrew Lipow, Präsident von Lipow Oil Associates, sehen in diesem Produktionsanstieg einen zentralen Belastungsfaktor für die Ölpreise.
Hinzu kommt eine überraschende Stagnation der US-Dienstleistungsbranche im Juli. Laut aktuellen Daten blieb der Auftragseingang nahezu unverändert, während sich der Beschäftigungsindex weiter abschwächte – trotz steigender Inputkosten, die so stark zulegten wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Ökonomen führen diese Entwicklung auch auf die anhaltende Unsicherheit über die Zollpolitik der US-Regierung zurück.
US-Präsident Donald Trump hatte am Dienstag erneut mit höheren Zöllen auf indische Waren gedroht. Hintergrund ist Indiens anhaltender Import von russischem Rohöl. Trump erklärte zudem, dass sinkende Energiepreise Russlands Präsidenten Wladimir Putin zum Einlenken im Ukraine-Krieg bewegen könnten. Indien reagierte mit scharfer Kritik und bezeichnete die Drohung als „nicht gerechtfertigt“. Die Regierung in Neu-Delhi kündigte an, ihre wirtschaftlichen Interessen entschieden zu verteidigen.
Analysten gehen davon aus, dass der Markt aktuell nicht mit größeren Lieferausfällen rechnet. John Evans vom Ölbroker PVM äußerte Zweifel daran, dass Trump bewusst höhere Ölpreise in Kauf nehmen würde. Auch Giovanni Staunovo von der UBS sprach von einem insgesamt stabilen Marktumfeld und erwartet keine wesentlichen Veränderungen, solange keine konkreten Maßnahmen aus Washington bekanntgegeben werden.
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Zur AktienanalyseIndien war im ersten Halbjahr 2025 der größte Abnehmer von russischem Rohöl per Schiff und importierte rund 1,75 Millionen Barrel pro Tag – ein Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Unterdessen sanken die US-Rohölbestände laut Branchenangaben zuletzt um 4,2 Millionen Barrel. Offizielle Daten werden zeitnah von der US-Energiebehörde erwartet.


