Ölpreise fallen wegen US-China-Spannungen
Handelskonflikt, Sanktionen und OPEC-Pläne drücken auf die Marktstimmung

Die Ölpreise haben am Dienstag ihre anfänglichen Gewinne wieder abgegeben und sind gefallen. Ausschlaggebend war die wachsende Unsicherheit über die Handelsbeziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und China, den beiden größten Volkswirtschaften der Welt. Beobachter befürchten, dass sich die Spannungen negativ auf die globale Nachfrage nach Treibstoffen auswirken könnten. Der Preis für die Nordseesorte Brent sank um 28 Cent beziehungsweise 0,4 Prozent auf 63,04 Dollar je Barrel, während die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 23 Cent auf 59,26 Dollar fiel. Noch am Vortag hatten beide Referenzsorten zulegen können – Brent um 0,9 Prozent und WTI um 1 Prozent.
Laut Marktanalysten reagieren die Ölpreise empfindlich auf politische Signale aus Washington und Peking. Suvro Sarkar, Energieexperte der DBS Bank, erklärte, die Märkte seien derzeit besonders anfällig für Rhetorik aus beiden Lagern. China habe angekündigt, „bis zum Ende zu kämpfen“, sollte es zu einem offenen Streit kommen. Gleichwohl erwartet Sarkar kurzfristig keine massiven Ausschläge, sondern eine seitwärts gerichtete Preisentwicklung.
US-Finanzminister Scott Bessent bekräftigte am Montag, Präsident Donald Trump halte an dem Plan fest, Chinas Staatschef Xi Jinping noch in diesem Monat in Südkorea zu treffen. Ziel sei es, die Spannungen über Zölle und Exportbeschränkungen zu entschärfen. In der vergangenen Woche hatten jedoch mehrere Entwicklungen die Stimmung an den Märkten belastet. Peking weitete seine Exportkontrollen für seltene Erden aus, während Trump mit 100-Prozent-Zöllen und Software-Exportverboten ab dem 1. November drohte.
Zudem verhängte China am Dienstag Sanktionen gegen fünf US-nahe Tochterunternehmen des südkoreanischen Schiffbauers Hanwha Ocean. Parallel dazu kündigten die Vereinigten Staaten und China an, zusätzliche Hafengebühren für Reedereien zu erheben, die unter anderem Konsumgüter und Rohöl transportieren. Trump hatte zuvor Zweifel an einem Treffen mit Xi während des für Ende Oktober angesetzten APEC-Gipfels in Südkorea geäußert und erklärt, es gebe „keinen Grund“ für ein solches Gespräch.
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Zur AktienanalyseAuch strukturelle Faktoren belasteten den Ölmarkt. Die Differenz zwischen kurzfristigen und längerfristigen US-Ölkontrakten fiel auf den niedrigsten Stand seit Januar 2024. Hintergrund ist eine höhere Förderung durch das OPEC+-Bündnis sowie eine geringere Nachfrage während der saisonalen Wartungsarbeiten in US-Raffinerien. Die Organisation erdölexportierender Länder teilte in ihrem Monatsbericht mit, dass das derzeitige Angebotsdefizit bis 2026 zurückgehen dürfte, da die Allianz ihre geplanten Produktionssteigerungen umsetzt.


