Ölpreise nähern sich Ein-Monats-Hoch
Zölle, Sanktionen und sinkende US-Lagerbestände treiben den Markt in unsichere Zeiten

Die Ölpreise haben sich am Freitag nur leicht bewegt und blieben in der Nähe eines Ein-Monats-Hochs. Die Notierungen steuern auf den dritten Wochengewinn in Folge zu, nachdem sich der Ausblick auf das globale Angebot weiter verknappt hat. Hintergrund sind neue Maßnahmen der USA, die Zölle gegen Länder verhängt haben, die Öl aus Venezuela kaufen, sowie zusätzliche Beschränkungen im Handel mit iranischem Öl.
Der Preis für Brent-Rohöl fiel um 14 Cent oder 0,2 Prozent auf 73,89 US-Dollar pro Barrel. Die US-amerikanische Sorte West Texas Intermediate (WTI) verlor 12 Cent oder ebenfalls 0,2 Prozent und notierte zuletzt bei 69,80 US-Dollar je Barrel. Trotz dieser leichten Rückgänge haben beide Ölsorten im Verlauf dieser Woche bereits über zwei Prozent zugelegt und liegen inzwischen mehr als sieben Prozent über den Tiefstständen, die im März erreicht wurden.
Der wesentliche Treiber für den jüngsten Anstieg der Ölpreise war laut Marktkommentaren von BMI-Analysten die veränderte Sanktionslage im globalen Ölhandel. Anfang der Woche kündigte der frühere US-Präsident Donald Trump neue Zölle in Höhe von 25 Prozent auf potenzielle Käufer von venezolanischem Rohöl an. Nur wenige Tage zuvor wurden bereits Sanktionen gegen Chinas Importe aus dem Iran verschärft. Diese Maßnahmen sorgten für Unsicherheit unter den Käufern. In der Folge kam der Handel mit venezolanischem Öl nach China, dem wichtigsten Abnehmer, weitgehend zum Erliegen. Gleichzeitig teilten informierte Kreise mit, dass Indiens Reliance Industries, Betreiber der größten Raffinerieanlage der Welt, den Import von venezolanischem Öl einstellen werde.
Hinzu kommt, dass sich die Versorgungslage durch mögliche Ausfälle sowohl bei venezolanischem als auch iranischem Öl verknappen könnte. Laut June Goh, leitende Analystin bei Sparta Commodities, habe sich eine spürbare Angebotsknappheit eingestellt. Unterstützt wurden die Ölpreise zudem von einem Rückgang der US-Lagerbestände. Die Rohölvorräte in den USA fielen in der vergangenen Woche um 3,3 Millionen Barrel auf 433,6 Millionen Barrel, deutlich stärker als von Analysten erwartet.
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Zur AktienanalyseTrotz der positiven Preistendenz bleibt der Ausblick auf dem Ölmarkt von Unsicherheiten geprägt. Insbesondere die Vielzahl neuer US-Zölle gegenüber wichtigen Handelspartnern schürt Sorgen vor einer möglichen wirtschaftlichen Abschwächung, die sich negativ auf die Ölnachfrage auswirken könnte. BMI-Analysten gehen daher nicht davon aus, dass sich der starke Preisanstieg auf Dauer fortsetzen wird. Für das kommende Jahr erwarten sie einen durchschnittlichen Brent-Preis von 76 US-Dollar pro Barrel, nach 80 US-Dollar im Jahr 2024.


