Ölpreise sinken auf fast vierjähriges Tief
Handelskonflikt, Rezessionsängste und Förderpolitik belasten Marktstimmung deutlich

Die Ölpreise sind um zwei Prozent gefallen und erreichten damit den niedrigsten Stand seit fast vier Jahren. Grund für den Rückgang sind wachsende Sorgen über eine mögliche weltweite Rezession infolge neuer Handelszölle der US-Regierung unter Präsident Donald Trump. Der Preis für Brent-Rohöl sank um 1,37 US-Dollar auf 64,21 US-Dollar pro Barrel. Der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate fiel um 1,29 US-Dollar auf 60,70 US-Dollar pro Barrel. Beide Sorten hatten in der Vorwoche bereits etwa elf Prozent eingebüßt.
Die Handelssitzung war von starker Volatilität geprägt. Zeitweise fielen die Preise über Nacht um mehr als drei US-Dollar, bevor sie am Montagmorgen nach einem Bericht über eine mögliche 90-tägige Zollpause wieder leicht stiegen. Eine rasche Zurückweisung dieses Berichts durch das Weiße Haus ließ die Preise erneut sinken.
China kündigte als Reaktion auf die neuen US-Zölle zusätzliche Abgaben in Höhe von 34 Prozent auf amerikanische Waren an. Die Vereinigten Staaten drohten daraufhin mit weiteren Zöllen von 50 Prozent, sollte China seine Gegenmaßnahmen nicht zurückziehen. Zudem kündigte Trump an, alle Gespräche mit China über geplante Treffen abzubrechen. Auch die Europäische Kommission reagierte und schlug am Montag Gegenzölle in Höhe von 25 Prozent auf verschiedene US-Produkte vor.
Mehrere große Banken reagierten auf die Entwicklungen. Goldman Sachs senkte seine Ölpreisprognose und sieht eine 45-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine US-Rezession in den nächsten zwölf Monaten. Auch Citi und Morgan Stanley reduzierten ihre Erwartungen für den Brent-Preis. JPMorgan schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA und weltweit auf 60 Prozent.
Zusätzlich zu den Rezessionsängsten wächst die Sorge, dass die Politik der US-Regierung zu höheren Preisen für Konsumgüter führen könnte. US-Notenbankgouverneurin Adriana Kugler erklärte, ein Teil des jüngsten Anstiegs der Inflation könne auf erwartete Auswirkungen dieser Politik zurückzuführen sein. Die US-Notenbank priorisiere daher die Eindämmung der Inflation, was durch Zinserhöhungen erfolgen könnte. Diese wiederum verteuern Kredite und können die wirtschaftliche Entwicklung sowie die Ölnachfrage bremsen.
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Zur AktienanalyseSaudi-Arabien reagierte auf die Entwicklungen mit deutlichen Preissenkungen für asiatische Käufer und bot Rohöl im Mai zum niedrigsten Preis seit vier Monaten an. Der OPEC+-Verbund kündigte zudem an, die geplante Erhöhung der Fördermenge im Mai stärker als bislang vorgesehen umzusetzen.


