Ölpreise steigen nach US-Nachfragesignal leicht
Lagerbestände sinken deutlich – neue US-Zölle bremsen weitere Kursgewinne

Die Ölpreise haben sich nach einer fünftägigen Verlustserie wieder erholt. Auslöser dafür waren Anzeichen einer stabilen Nachfrage in den Vereinigten Staaten, dem weltweit größten Verbraucher von Rohöl. Trotz dieser Entwicklung bleiben Investoren zurückhaltend, da neue US-Zölle auf indische Waren und mögliche weitere Handelsspannungen mit China die Märkte belasten.
Brent-Rohöl stieg am Donnerstag um 41 Cent auf 67,30 US-Dollar je Barrel. Auch der Preis für US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate legte um 0,6 Prozent zu und erreichte 64,76 US-Dollar. Noch am Vortag waren beide Referenzsorten um etwa ein Prozent gefallen und hatten den tiefsten Stand seit acht Wochen erreicht. Auslöser dafür waren Äußerungen von US-Präsident Donald Trump über Fortschritte in den Gesprächen mit Russland.
Ein hochrangiger Vertreter des Weißen Hauses erklärte, dass ein Treffen zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin bereits in der kommenden Woche stattfinden könne. Parallel dazu bereitet Washington jedoch weitere Sanktionen gegen Moskau vor – auch gegen Drittstaaten wie China –, um Russland zum Rückzug aus dem Krieg in der Ukraine zu bewegen.
Unterstützung erhielten die Ölmärkte von einem unerwartet deutlichen Rückgang der US-Rohölbestände. Laut der US-Energiebehörde EIA sanken die Lagerbestände in der Woche bis zum 1. August um drei Millionen Barrel auf 423,7 Millionen Barrel. Analysten hatten lediglich mit einem Rückgang von knapp 600.000 Barrel gerechnet. Die Bestände nahmen ab, da sowohl die US-Rohölexporte als auch die Auslastung der Raffinerien an der Golf- und Westküste gestiegen sind. Beide Regionen verzeichneten dabei den höchsten Nutzungsgrad seit dem Jahr 2023.
Analysten von JP Morgan bezifferten die weltweite Ölnachfrage bis zum 5. August auf durchschnittlich 104,7 Millionen Barrel pro Tag. Das entspricht einem Jahreswachstum von 300.000 Barrel täglich, liegt jedoch um 90.000 Barrel unter den Erwartungen für den Monat. Der Bank zufolge deuten kurzfristige Indikatoren darauf hin, dass der weltweite Verbrauch in den kommenden Wochen wieder anziehen dürfte, vor allem durch steigenden Bedarf an Flugkraftstoff und petrochemischen Rohstoffen.
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseChinas Rohölimporte gingen im Juli gegenüber dem Vormonat um 5,4 Prozent zurück, lagen aber immer noch um 11,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Analysten rechnen weiterhin mit hoher Auslastung der chinesischen Raffinerien. Dämpfend auf die Ölpreise wirkte die Ankündigung neuer US-Zölle auf indische Importe, die ab Ende August in Kraft treten sollen. Trump begründete den Schritt mit Indiens fortgesetztem Import von russischem Öl. Zugleich kündigte er mögliche ähnliche Maßnahmen gegenüber China an.


