Ölpreise steigen wegen Russland-Sanktionen und Markterwartungen
Geopolitische Spannungen, chinesische Käufe und OPEC+-Pläne beeinflussen die Preisentwicklung

Die Ölpreise haben nach drei Verlusttagen in Folge wieder zugelegt, getrieben von der Aussicht auf verschärfte Sanktionen gegen russisches Rohöl. An den Märkten stieg die Nordseesorte Brent am Donnerstagmorgen um 37 Cent beziehungsweise 0,57 Prozent auf 65,72 US-Dollar je Barrel. Die US-Referenzsorte West Texas Intermediate verteuerte sich um 34 Cent oder 0,55 Prozent auf 62,12 US-Dollar je Barrel. Damit reagierten die Preise auf die jüngsten geopolitischen Entwicklungen, nachdem sie zuvor wegen Sorgen über ein Überangebot deutlich unter Druck geraten waren.
Analysten erklärten den Anstieg teilweise mit einer technischen Gegenbewegung. Brent und WTI hatten am Vortag jeweils rund ein Prozent verloren und die niedrigsten Stände seit Anfang Juni beziehungsweise Ende Mai erreicht. Als ein wichtiger Stützpunkt für den Markt galt dabei die Marke von 60 US-Dollar bei WTI, an der verstärkt Käufer aktiv wurden. Zugleich befeuerten wachsende geopolitische Risiken und Spekulationen über strengere Sanktionen gegen russische Ölexporte die Nachfrage.
Die Finanzminister der G7-Staaten kündigten an, den Druck auf Russland weiter zu erhöhen. Im Fokus stehen dabei Unternehmen und Staaten, die ihre Käufe von russischem Öl ausweiten oder an der Umgehung bestehender Sanktionen beteiligt sind. Zugleich wurde bekannt, dass die USA der Ukraine künftig Aufklärungsdaten für Angriffe mit Langstreckenraketen auf russische Energieinfrastruktur zur Verfügung stellen. Damit soll es Kiew erleichtert werden, Raffinerien, Pipelines und weitere Anlagen ins Visier zu nehmen, um die Einnahmen des Kremls zu verringern.
Zusätzlichen Rückhalt erhielten die Preise durch die Nachfrage aus China. Der weltgrößte Rohölimporteur stockt derzeit seine Vorräte auf, was den Preisverfall bremste. Allerdings dämpften andere Faktoren die Aufwärtsbewegung. In den USA löste der drohende Regierungsstillstand Befürchtungen über die wirtschaftliche Entwicklung aus. Gleichzeitig belasteten Erwartungen eines steigenden Angebots durch die Förderallianz OPEC+ die Stimmung.
Nach Angaben von mit den Beratungen vertrauten Personen erwägt OPEC+, die Produktion im November um bis zu 500.000 Barrel pro Tag zu erhöhen. Das wäre das Dreifache der Förderausweitung für Oktober. Insbesondere Saudi-Arabien will damit Marktanteile zurückgewinnen, während die Nachfrage in den USA und Asien bereits rückläufig ist.
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Zur AktienanalyseDie US-Energiebehörde meldete zudem einen Anstieg der Lagerbestände. In der Woche bis zum 26. September stiegen die Vorräte an Rohöl, Benzin und Destillaten, da die Raffinerietätigkeit nachließ und die Nachfrage schwächer ausfiel. Die Rohölreserven erhöhten sich um 1,8 Millionen Barrel auf 416,5 Millionen Barrel, während Analysten lediglich mit einem Zuwachs von einer Million Barrel gerechnet hatten.


