Ölpreise steigen wegen Versorgungsängsten
Drohnenangriffe, Kälte in den USA und OPEC-Unsicherheit belasten den Markt

Die Ölpreise haben am Mittwoch zugelegt, da Bedenken hinsichtlich potenzieller Störungen der Ölversorgung in Russland und den USA die Märkte beeinflussten, während gleichzeitig Unklarheit über mögliche Sanktionen im Raum steht. Die Vereinigten Staaten versuchen, ein Abkommen zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine zu vermitteln, was die Marktentwicklung zusätzlich beeinflusst. Die Nordseesorte Brent stieg um 61 Cent beziehungsweise 0,8 Prozent auf 76,45 US-Dollar pro Barrel. Damit setzte sie ihre Gewinne den dritten Handelstag in Folge fort. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) mit Fälligkeit im März verteuerte sich um 70 Cent oder 1 Prozent auf 72,55 US-Dollar pro Barrel und lag damit 2,6 Prozent über dem Schlusskurs vor dem Feiertag in den USA am Montag. Der März-Kontrakt läuft am Donnerstag aus, während der aktivere April-Kontrakt um 64 Cent oder 0,9 Prozent auf 72,47 US-Dollar kletterte.
Nach Einschätzung von BNP-Paribas-Rohstoffstratege Aldo Spanjer beschäftigt der Markt sich aktuell insbesondere mit den Entwicklungen rund um Russland, Iran und die OPEC. Marktteilnehmer versuchen, die Auswirkungen angekündigter und bereits umgesetzter Sanktionen zu bewerten. Unklar ist zudem, ob Sanktionen gegen Russland im Zuge der Gespräche zwischen den USA und Russland in Riad schrittweise aufgehoben werden könnten. Spanjer hält dies jedoch für verfrüht. Drohnenangriffe auf russische Ölinfrastrukturen haben die Versorgung eingeschränkt. Russland meldete, dass die Ölflüsse des Caspian Pipeline Consortiums, einer wichtigen Exportroute für kasachisches Rohöl, am Dienstag infolge eines ukrainischen Drohnenangriffs auf eine Pumpstation um 30 bis 40 Prozent reduziert wurden. Eine Reduzierung um 30 Prozent entspräche einem Ausfall von 380.000 Barrel pro Tag.
Auch in den USA gefährdet kaltes Wetter die Ölproduktion. Die North Dakota Pipeline Authority schätzte, dass die Produktion im Bundesstaat um bis zu 150.000 Barrel pro Tag zurückgegangen sei. Marktanalyst Tony Sycamore von IG erklärte, die Marke von 70 US-Dollar pro Barrel habe sich als psychologisch wichtige Untergrenze erwiesen, was unter anderem auf den ukrainischen Drohnenangriff sowie die Sorge vor witterungsbedingten Produktionsausfällen in den USA zurückzuführen sei. Zudem gebe es Spekulationen, dass die OPEC+ ihre geplante Produktionsausweitung im April verschieben könnte. BNP-Paribas-Experte Spanjer rechnet mit einer Verlängerung der bestehenden Förderkürzungen.
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Zur AktienanalyseAnalysten von Goldman Sachs äußerten Zweifel, dass eine von den USA vermittelte Friedenslösung zwischen Russland und der Ukraine zu einer signifikanten Erhöhung russischer Öllieferungen führen könnte. Die russische Produktion sei eher durch die OPEC+-Fördergrenze von neun Millionen Barrel pro Tag limitiert als durch bestehende Sanktionen. Diese beeinträchtigten die Exportziele, nicht jedoch die Fördermengen. Unterdessen haben Israel und die Hamas am Dienstag indirekte Verhandlungen über eine zweite Phase der Waffenruhe im Gazastreifen aufgenommen. Ein anhaltender Waffenstillstand könnte die Risiken konfliktbedingter Angebotsunterbrechungen mindern und so auf die Ölpreise drücken. Zusätzlichen Einfluss könnten von der Trump-Regierung angekündigte Zölle haben, darunter Abgaben von rund 25 Prozent auf Autoimporte sowie ähnliche Maßnahmen für Halbleiter und Pharmaerzeugnisse. Diese könnten die Weltwirtschaft belasten und die Nachfrage nach Kraftstoffen dämpfen.


