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Öffentliche Trinkbrunnen: Was Kommunen wirklich bezahlen müssen

Hitzewellen machen Trinkbrunnen zur Pflicht – doch die tatsächlichen Kosten übersteigen staatliche Schätzungen erheblich.

Öffentliche Trinkbrunnen: Was Kommunen wirklich bezahlen müssen

Wer im Sommer durch deutsche Innenstädte läuft, kennt das Problem: Die Trinkflasche ist leer, die Kinder haben Durst, und ein öffentlicher Trinkbrunnen ist weit und breit nicht in Sicht. Tatsächlich gab es laut Umweltbundesamt im Jahr 2022 bundesweit nur rund 1.300 solcher Anlagen. Seitdem sind schätzungsweise lediglich 200 weitere hinzugekommen – eine magere Bilanz angesichts zunehmender Hitzesommer.

Dabei hat der Gesetzgeber gehandelt: Seit 2023 zählt der Zugang zu Trinkwasser im öffentlichen Raum zur kommunalen Daseinsvorsorge – sofern er technisch machbar und vor Ort verhältnismäßig ist. Im Gesetzgebungsverfahren kalkulierte der Bund mit rund 15.000 Euro Baukosten je Anlage sowie 1.000 Euro für den jährlichen Betrieb. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Was ein Trinkbrunnen wirklich kostet

Ein Blick auf die Kostenaufstellung der Stadt Essen zeigt die tatsächliche Dimension: Allein die Brunnenanlage inklusive Technik schlägt mit rund 10.000 Euro zu Buche. Bau und Installation kosten je nach Standort weitere 2.000 bis 5.000 Euro – im Durchschnitt 3.500 Euro. Für Planung, politische Abstimmung und Abnahme veranschlagt die Stadt mindestens 50 Arbeitsstunden, die bei einem Stundensatz von 75 Euro weitere 3.750 Euro ergeben. Damit belaufen sich die reinen Errichtungskosten auf rund 17.250 Euro – und damit bereits deutlich über der Bundesschätzung.

Doch damit nicht genug: Ein wesentlicher Kostentreiber ist laut einem Stadtsprecher der hohe Reinigungsaufwand. Brunnen werden regelmäßig mit Farbe besprüht, mit Hundekot beschmiert oder zweckentfremdet, etwa zum Reinigen von Malerutensilien oder schmutziger Kleidung. Hinzu kommen alltägliche Verschmutzungen wie Kaugummis. Für Wartung und Reinigung gibt Essen jährlich weitere 10.000 Euro aus. Im ersten Betriebsjahr summieren sich die Gesamtkosten damit auf rund 27.250 Euro.

Düsseldorf setzt auf andere Technik – und zahlt noch mehr

Auch in Düsseldorf spielt Hygiene eine zentrale Rolle – die Stadt setzt deshalb auf sogenannte Dauerläufer. Diese Modelle geben Wasser nicht erst auf Knopfdruck ab, sondern lassen kontinuierlich eine geringe Menge durch die Leitungen fließen. Das verhindert, dass Wasser lange steht und sich Keime bilden können – erhöht aber den Wasserverbrauch.

Der Preis für diese Technik ist entsprechend höher: Laut einer Stadtsprecherin kostet die Installation eines solchen Brunnens in Düsseldorf durchschnittlich rund 35.000 Euro. Zusammen mit jährlichen Betriebskosten von 4.000 Euro ergibt sich im ersten Jahr eine Gesamtbelastung von etwa 39.000 Euro – mehr als das Doppelte der ursprünglichen Bundesschätzung.

Wie teuer ein Trinkbrunnen letztlich wird, hängt stark vom Einzelfall ab. Entscheidend sind der Anschluss ans Leitungsnetz, das gewählte Betriebskonzept und der zu erwartende Reinigungsaufwand. In beiden Städten liegen die Kosten jedoch klar über den einst angesetzten Werten des Bundes.

Finanzierung bleibt ungeklärt

Wie Kommunen diese Kosten stemmen sollen, lässt das Wasserhaushaltsgesetz offen. Das Umweltbundesamt kommt in einem 2026 veröffentlichten Gutachten zu dem Schluss, dass die Ausgaben nicht ohne rechtliche Risiken auf die allgemeinen Wassergebühren umgelegt werden können. Der Grund: Die reguläre Wasserversorgung ist an Grundstücke und konkrete Anschlussnehmer gebunden – öffentliche Trinkbrunnen hingegen stehen der gesamten Bevölkerung offen.

Eine bundesweit einheitliche Finanzierungslösung existiert bislang nicht. In Essen und Düsseldorf werden die Brunnen überwiegend aus städtischen Mitteln finanziert; Installation und Betrieb übernehmen jeweils die Stadtwerke. Ob Trinkbrunnen dort entstehen, wo sie tatsächlich gebraucht werden, bleibt damit vielerorts vor allem eine Frage des kommunalen Budgets.

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