Ölpreis bei 100 Dollar: Märkte unter Druck durch Nahostkonflikt
Eskalation im Nahen Osten, neue US-Zölle und KI-Ausgaben belasten die globalen Aktienmärkte erheblich.

Die Stimmung an den globalen Finanzmärkten trübt sich weiter ein. Anhaltende Spannungen im Nahen Osten, neue US-Zölle und milliardenschwere KI-Investitionen der Technologieriesen belasten Anleger gleichermaßen. Der Ölpreis ist auf rund 100 Dollar pro Barrel gestiegen – der höchste Stand seit Mai.
Auslöser der jüngsten Eskalation sind Angriffe der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz im Jemen auf zwei saudi-arabische Tanker im Roten Meer. Damit droht neben der Straße von Hormus eine weitere wichtige Ölversorgungsroute abgeschnitten zu werden. Zusätzlich hat die Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen den USA und dem Iran die Lage weiter verschärft. Das bisherige Hoch von rund 120 Dollar pro Barrel wurde zwar noch nicht wieder erreicht, doch der Aufwärtsdruck bleibt spürbar.
Anleiherenditen auf Mehrjahreshochs
Die steigenden Ölpreise treiben die Inflationserwartungen in die Höhe – mit direkten Folgen für den US-Anleihemarkt. Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe kletterte auf 5,2 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 19 Jahren. Die 10-jährige Anleihe erreichte ein jüngstes Hoch von 4,7 Prozent. Anleger versuchen derzeit, die inflationären Auswirkungen des Konflikts neu zu bewerten.
Der aktuelle Marktkonsens sieht eine Wahrscheinlichkeit von 80 Prozent für eine Zinserhöhung durch die US-Notenbank Federal Reserve im September. Die Fed-Sitzung in der kommenden Woche dürfte daher auf erhebliches Interesse stoßen – auch wenn erste Anzeichen darauf hindeuten, dass der neue Fed-Vorsitzende keine klare Forward Guidance geben wird.
Neue US-Zölle verschärfen Inflationsdruck
Als wäre der Druck durch den Ölpreisanstieg nicht genug, kündigte der US-Präsident eine neue Runde von Zöllen an. Diese liegen zwischen 10 und 12,5 Prozent und betreffen 60 Handelspartner. Begründet werden sie damit, dass diese Länder Verbote für Waren aus Zwangsarbeit nicht vollständig durchgesetzt hätten. Das Potenzial für höhere Inlandspreise in den USA ist eine weitere Belastung für den amerikanischen Verbraucher – und kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt kurz vor den Zwischenwahlen im November.
Tesla und Alphabet mit negativem freien Cashflow
Für zusätzliche Verunsicherung sorgte der Technologiesektor. Sowohl Tesla als auch Alphabet meldeten für das abgelaufene Quartal einen negativen freien Cashflow, da die Ausgaben die Einnahmen überstiegen. Alphabet hob zudem seine Prognose für die Investitionsausgaben im laufenden Jahr von bisher 180 bis 190 Milliarden Dollar auf nun 195 bis 205 Milliarden Dollar an. Die Märkte reagierten mit deutlichen Kursverlusten: Tesla-Aktien brachen um 14 Prozent ein, Alphabet-Papiere verloren 7 Prozent. Die Schwäche strahlte auf weitere Technologiekonzerne wie Amazon, Microsoft und Meta Platforms aus.
An einem Tag, den Aktienanleger lieber vergessen würden, fielen die wichtigsten US-Indizes deutlich. Dennoch zeigen sich die Märkte im Jahresverlauf noch widerstandsfähig: Der Dow Jones liegt im bisherigen Jahresverlauf mit 7,6 Prozent im Plus, S&P 500 und Nasdaq jeweils mit 8,2 Prozent.
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Zur AktienanalyseBritischer Einzelhandel als Lichtblick
Für die britische Wirtschaft gab es inmitten der globalen Turbulenzen einen seltenen positiven Impuls. Die Einzelhandelsumsätze übertrafen selbst die höchsten Erwartungen – begünstigt durch warmes Wetter und den Erfolg Englands bei der Fußball-Weltmeisterschaft. Allerdings könnte dieser Schwung schwer aufrechtzuerhalten sein, da die Angst vor Steuererhöhungen anhält und die Hypothekenzinsen als Reaktion auf die Eskalation im Nahen Osten erneut sprunghaft gestiegen sind.
Auch der britische Leitindex FTSE 100 blieb nicht verschont. Selbst Ölkonzerne wie BP und Shell gaben trotz des Ölpreisanstiegs nach. Eine Ausnahme bildete RELX, dessen Aktie nach einer Analystenheraufstufung im Anschluss an starke Halbjahreszahlen zulegen konnte. Der FTSE 100 liegt im bisherigen Jahresverlauf dennoch mit 7 Prozent im Plus – ein Zeichen relativer Widerstandsfähigkeit. In der kommenden Woche legen vier der fünf großen britischen Banken ihre Halbjahreszahlen vor, deren Ausblicke und Wertberichtigungen wichtige Hinweise auf die finanzielle Verfassung der britischen Verbraucher liefern dürften.


