Ölpreis bricht ein: Trump stoppt Angriff für Iran-Atomdeal
US-Präsident Trump verzichtet auf einen erneuten Angriff auf den Iran und strebt ein schnelles Atomabkommen an.

Die Ölpreise sind am Montag um rund vier US-Dollar pro Barrel eingebrochen, nachdem US-Präsident Donald Trump von einem erneuten Militärschlag gegen den Iran abgesehen hat. Trump verfolgt stattdessen eine diplomatische Lösung, die Teherans nukleare Ambitionen eindämmen und die strategisch wichtige Straße von Hormus wieder vollständig öffnen soll. Der Rückgang markiert eine deutliche Kehrtwende an den Energiemärkten.
Die Futures für die Nordseesorte Brent fielen bis 23:52 Uhr GMT um 4,08 US-Dollar oder 4,64 Prozent auf 83,85 US-Dollar pro Barrel. Das US-Rohöl der Sorte West Texas Intermediate (WTI) verlor 4,01 US-Dollar oder 4,74 Prozent und notierte bei 80,66 US-Dollar je Barrel. Beide Kontrakte hatten im vergangenen Monat noch um mehr als 20 Prozent zugelegt, angetrieben durch die eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran.
Tankerangriffe und Sicherheitsbedenken hatten Preise getrieben
Der starke Preisanstieg der vergangenen Wochen war auf erneute Kämpfe zwischen den USA und dem Iran sowie auf Angriffe auf mehrere Tanker vor der Küste Omans zurückzuführen. Diese Vorfälle hatten die Sicherheitsbedenken erheblich verschärft und Reedereien davon abgehalten, den Persischen Golf zur Ölbeladung anzusteuern. Die Straße von Hormus gilt als eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt – täglich passieren dort rund 20 Prozent des global gehandelten Rohöls.
Am späten Samstag erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social, dass der Iran und andere Länder des Nahen Ostens um Zeit gebeten hätten, um ein Abkommen abzuschließen. Dieses solle zur „unverzüglichen, vollständigen und totalen" Wiedereröffnung der lebenswichtigen Meerenge sowie zu „einem Ende der nuklearen Bedrohung durch den Iran" führen. Die Ankündigung löste die Deeskalationshoffnungen an den Märkten aus.
Marktanalyst Tony Sycamore von IG warnte jedoch vor voreiligem Optimismus: „Der Fokus liegt vor allem darauf, ob sich diese Woche die Ereignisse der letzten Woche wiederholen – mit der Hoffnung auf ein Abkommen, das scheitert, da der Iran stur bleibt und weiterhin seine Kontrolle über die Meerenge ausnutzt, möglicherweise durch einen Angriff auf einen US-Stützpunkt oder einen Tanker, der die Wasserstraße passiert."
Schiffsverkehr bleibt angespannt – OPEC+ erhöht Förderquoten
Trotz der diplomatischen Signale bleibt die Lage in der Region angespannt. Die United Kingdom Maritime Trade Operations meldete seit Samstag drei weitere Angriffe auf Tanker. Schifffahrtsdaten vom Montag zeigten zudem, dass sich der Verkehr in der Straße von Hormus nach den jüngsten Berichten über Schiffsangriffe verlangsamt hat. Zwei mit saudischem Öl beladene Tanker durchquerten am Wochenende immerhin die Meerenge Bab al-Mandab aus dem Roten Meer kommend.
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Zur AktienanalyseZusätzlichen Druck auf die Ölpreise übt die OPEC+ aus: Am Sonntag genehmigte die Produzentengruppe eine Erhöhung der Ölförderquoten um rund 188.000 Barrel pro Tag ab September. Dieser Schritt schließt die schrittweise Rücknahme freiwilliger Produktionskürzungen ab. Allerdings hatten die aufeinanderfolgenden monatlichen Erhöhungen der OPEC+ über weite Teile des laufenden Jahres kaum praktische Auswirkungen auf den Markt, da Exportunterbrechungen aus dem Golf, Russland und Kasachstan – verursacht durch die Kriege im Iran und in der Ukraine – die Mehrproduktion weitgehend auf dem Papier beließen.
Für deutsche Anleger und Energieverbraucher bleibt die Lage damit unübersichtlich: Einerseits signalisiert die Diplomatie eine mögliche Entspannung, andererseits zeigen die anhaltenden Tankerangriffe und die fragile Sicherheitslage in der Region, dass ein nachhaltiger Preisrückgang beim Rohöl noch keineswegs gesichert ist.


