Ölpreis fällt über 3% – dritter Wochenverlust in Folge
Nachlassende Versorgungsrisiken im Nahen Osten und Hoffnung auf ein US-Iran-Friedensabkommen drücken die Rohölpreise deutlich.

Die Ölpreise stehen am Freitag massiv unter Druck. Brent-Rohöl verbilligte sich um 3,4% auf 72,70 US-Dollar pro Barrel, während die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) um 3,5% auf 69,40 US-Dollar nachgab. Damit steuern beide Referenzsorten auf den dritten Wochenverlust in Folge zu.
Auf Wochensicht summieren sich die Verluste für Brent und WTI auf jeweils rund 9%. Die Abwärtsbewegung setzt damit eine Entwicklung fort, die durch ein vorläufiges Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran in der vergangenen Woche ausgelöst worden war. Auf dem Höhepunkt der Krise hatten die Ölpreise noch über 120 US-Dollar pro Barrel notiert – ein Niveau, das nun weit entfernt scheint.
Straße von Hormus: Schiffsverkehr erholt sich
Ein zentraler Treiber der aktuellen Preisbewegung ist die Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus. Die Rohöllieferungen durch die strategisch bedeutende Meerenge stiegen in dieser Woche auf den höchsten Stand seit Beginn des Konflikts Anfang des Jahres. Die Straße von Hormus gilt als eines der weltweit wichtigsten energetischen Nadelöhre, da ein erheblicher Teil der globalen Ölexporte dort hindurchfließt.
„Trotz dieser Entwicklung scheint das Marktmomentum weiterhin weitgehend nach unten gerichtet zu sein. Der Markt konzentriert sich primär auf die Wiederaufnahme der Ölflüsse durch die Straße von Hormus, die stetig zunehmen", erklärten Analysten der ING in einer Mitteilung. Die Bank weist jedoch darauf hin, dass ein Großteil des Anstiegs auf zuvor festsitzende Schiffe zurückzuführen ist, die nun den Persischen Golf verlassen. Sobald diese Schiffe abgezogen sind, könnten die Märkte einen erneuten Rückgang der Lieferströme verzeichnen.
Trotz der allgemeinen Entspannung gab es zuletzt einen Rückschlag: Ein Geschoss traf ein Frachtschiff in der Nähe der Straße von Hormus, was die Ölpreise in der vorangegangenen Sitzung noch um mehr als 2% hatte steigen lassen. US-Beamte machten den Iran für den Angriff verantwortlich. Der Vorfall veranlasste die Internationale Seeschifffahrts-Organisation der Vereinten Nationen dazu, ihre Bemühungen zur Erleichterung der sicheren Durchfahrt für Schiffe und Besatzungen in der Region einzustellen.
Friedenshoffnung überwiegt trotz Zwischenfällen
Lesen Sie alles zur aktuellen Aktie der Stunde
Erfahren Sie, worum es geht und warum sich ein genauer Blick jetzt lohnt.
Zur AktienanalyseDer Angriff auf das Frachtschiff warf zwar Fragen über die Beständigkeit des vorläufigen Friedensabkommens zwischen Washington und Teheran auf, konnte den übergeordneten Abwärtstrend bei den Ölpreisen jedoch nicht umkehren. Händler setzen zunehmend darauf, dass eine umfassendere Einigung zwischen den USA und dem Iran stabilere Lieferströme aus der Region wiederherstellen könnte.
Brent-Rohöl hat sich inzwischen deutlich von seinen Höchstständen über 90 US-Dollar pro Barrel zurückgezogen, die noch Anfang des Monats erreicht worden waren. Der Markt gibt damit einen Großteil der Risikoprämie wieder ab, die während der eskalierenden Spannungen im Nahen Osten aufgebaut worden war. Für deutsche Anleger und Verbraucher bedeutet die Preiskorrektur potenziell eine Entlastung bei Energie- und Kraftstoffkosten, sofern sich die geopolitische Lage weiter stabilisiert.


