Ölpreis steigt nach Trump-Aussagen zum Iran-Krieg stark
Trumps Absage an Iran-Verhandlungen und US-Bombardierungen treiben Brent auf 78,50 Dollar – ein Plus von fast sechs Prozent.

Die Ölpreise haben am Mittwoch, dem 8. Juli 2026, kräftig zugelegt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im August kletterte auf 78,50 US-Dollar – ein Anstieg von 5,85 Prozent. Auslöser war eine Kombination aus eskalierenden Militäraktionen und überraschend scharfen Aussagen von US-Präsident Donald Trump am Rande des Nato-Gipfels.
Trump erklärte, er wolle keine Einigung mit dem Iran mehr anstreben. „Was mich betrifft" sei der Waffenstillstand beendet, sagte er laut der Nachrichtenagentur dpa. „Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben", fügte er hinzu. Unterhändler „können reden", aber er glaube, „sie verschwenden ihre Zeit". Diese Worte genügten, um die Ölpreise weiter nach oben zu treiben.
In der Nacht auf Mittwoch hatten die USA zudem Ziele im Iran bombardiert – als Reaktion auf Angriffe gegen Tanker. Gleichzeitig setzte Washington Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Teheran bezeichnete das Vorgehen umgehend als „schwerwiegenden Verstoß" gegen das bestehende Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges.
Straße von Hormus als Pulverfass für den Ölmarkt
Bereits am Dienstag hatten die Ölpreise wegen Tankerangriffen in der Straße von Hormus um drei Prozent zugelegt. Der iranische Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi kündigte auf der Plattform X an, der Iran werde „entschlossene Maßnahmen ergreifen, um seine nationalen Interessen und seine Sicherheit zu wahren". Die strategisch bedeutende Meerenge, über die ein Großteil des globalen Rohöls transportiert wird, bleibt damit ein zentraler Unsicherheitsfaktor für Energiemärkte weltweit.
Zum Vergleich: Anfang Juli war der Brent-Preis noch auf 70 Dollar je Barrel gefallen – den tiefsten Stand seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar. Nach Ausbruch des Konflikts war Brent zeitweise auf über 126 Dollar gestiegen, bevor er seit dem Zwischenhoch Ende April schrittweise nachgab. Treiber dieses Rückgangs war die wachsende Hoffnung auf eine diplomatische Lösung – eine Erwartung, die durch die jüngsten Entwicklungen nun erneut erschüttert wird.
Rückblick: Opec+ und Wall-Street-Prognosen unter Druck
Noch am 6. Juli hatte sich der Ölmarkt weitgehend unbeeindruckt von neuen Förderplänen der Opec+ gezeigt. Das Ölkartell beschloss, die Produktion ab August um täglich 188.000 Barrel auszuweiten – behielt sich jedoch vor, diesen Zuwachs je nach Marktlage zu beschleunigen, auszusetzen oder zurückzunehmen. Brent notierte zu diesem Zeitpunkt bei 72,01 Dollar, kaum verändert gegenüber der Vorwoche.
Mehrere Wall-Street-Banken hatten zuletzt auf sinkende Ölpreise in der zweiten Jahreshälfte gesetzt. Analysten der Citigroup hielten einen Rückgang des Brent-Preises bis zum Jahresende auf rund 60 Dollar je Barrel für möglich – gestützt auf die Normalisierung des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus und eine Entspannung im Iran-Konflikt. Diese Einschätzung steht nun auf dem Prüfstand.
Am 3. Juli hatten Citigroup-Experten noch geschrieben: „Die Fundamentaldaten setzen sich rasch wieder durch, da die Störungen in Hormus abklingen und sich die Schiffsbewegungen normalisieren." Zugleich warnten sie, der Prozess zwischen den USA und dem Iran bleibe „fragil", und Streitigkeiten über die Verwaltung von Hormus sowie Transitgebühren bestünden fort.
Eskalation und Deeskalation im Wechsel
Ende Juni hatte sich ein ähnliches Muster gezeigt: Am 29. Juni reagierten die Ölpreise nur verhalten auf eine erneute Zuspitzung. Brent stieg am Montagmorgen auf 72,50 Dollar – rund 0,7 Prozent mehr als in der Vorwoche. US-Militärschläge im Iran und Gegenangriffe der Revolutionsgarden auf Ziele in Kuwait und Bahrain hatten den Markt zunächst bewegt, die Gewinne bröckelten jedoch schnell wieder ab.
Hintergrund des Streits sind unterschiedliche Interpretationen des Rahmenabkommens – insbesondere hinsichtlich der Kontrolle über die Straße von Hormus. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erklärte am 29. Juni in Bagdad: „Die Straße von Hormus wird innerhalb der kommenden 30 Tage wieder vollständig unter die Verwaltung des Iran gestellt." Die Verantwortung für die Passage liege allein bei Teheran.
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Zur AktienanalyseBereits am 22. Juni hatten erste Entspannungssignale die Ölpreise unter Druck gesetzt. Brent fiel damals um fast zwei Prozent auf 78,98 Dollar, nachdem die Vermittlerstaaten Katar und Pakistan „ermutigende Fortschritte" in indirekten Gesprächen zwischen Washington und Teheran gemeldet hatten. Ein Kommunikationskanal zur Vermeidung von Zwischenfällen in der Straße von Hormus wurde eingerichtet.
Was Anleger jetzt beachten sollten
Für Privatanleger bleibt der Ölmarkt ein hochvolatiles Terrain. Die Preisspanne zwischen dem Tief von 70 Dollar und dem Hoch von über 126 Dollar verdeutlicht, wie stark geopolitische Ereignisse die Energiemärkte bewegen können. Anlagestrategen des Finanzdienstleisters KGI hatten bereits gewarnt, die auf 60 Tage angelegten Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran dürften immer wieder für neue Ausschläge und Volatilität am Ölmarkt sorgen – eine Einschätzung, die sich als zutreffend erweist.
Die Entwicklung der kommenden Tage dürfte maßgeblich davon abhängen, ob diplomatische Kanäle wieder geöffnet werden oder ob die militärische Eskalation weiter zunimmt. Für Energieaktien, Rohstoff-ETFs und alle ölpreissensitiven Investments bleibt die Lage damit angespannt.


