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Ölpreise fallen weiter – Entspannung an der Straße von Hormus

Brent und WTI verlieren erneut 0,5 Prozent, da festsitzende Tanker die Meerenge passieren und US-Iran-Gespräche Hoffnung wecken.

Ölpreise fallen weiter – Entspannung an der Straße von Hormus

Die Ölpreise haben am Mittwoch ihre Verluste aus der laufenden Woche ausgeweitet. Brent-Terminkontrakte fielen bis 00:43 Uhr GMT um 37 Cent oder 0,5 Prozent auf 76,71 US-Dollar pro Barrel. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) gab um 36 Cent oder 0,5 Prozent auf 72,85 US-Dollar nach. Beide Benchmarks hatten bereits am Dienstag um knapp ein Prozent nachgegeben und dabei ihre niedrigsten Stände seit Anfang März erreicht.

Haupttreiber des Preisrückgangs ist die wachsende Hoffnung auf eine Normalisierung der Öllieferungen durch die Straße von Hormus. Die strategisch bedeutende Meerenge zwischen dem Iran und der arabischen Halbinsel ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Rohöl weltweit. Seit Beginn des Iran-Krieges im Golf waren dort zahlreiche Tanker festgesessen und konnten die Meerenge nicht passieren.

Entspannung im US-Iran-Konflikt drückt Preise

„Die Rohölpreise wurden durch die Hoffnung auf eine Entspannung der Spannungen zwischen den USA und dem Iran sowie eine Erholung der Öllieferungen durch die Straße von Hormus belastet", erklärte Tomomichi Akuta, leitender Ökonom bei Mitsubishi UFJ Research and Consulting. Er ergänzte: „Weitere Fortschritte bei den Atomverhandlungen könnten die Preise wieder auf das Vorkriegsniveau drücken."

Washington hatte Teheran nach ersten Friedensgesprächen eine 60-tägige Ausnahmeregelung von den Sanktionen gewährt, die den Verkauf von iranischem Öl ermöglicht. Zusätzlich ließen die Feindseligkeiten im Libanon nach, was die Risikoprämie im Ölpreis weiter reduzierte. Diese Kombination aus diplomatischen Signalen und nachlassenden Spannungen setzt die Notierungen deutlich unter Druck.

Am Dienstag vereinbarten der Oman und der Iran, die Gespräche über die künftige Verwaltung der Schifffahrt in der Meerenge fortzusetzen. US-Außenminister Marco Rubio stellte dabei klar, dass jeder iranische Versuch, Transitgebühren zu erheben, gegen internationales Recht verstoßen würde. Dennoch bleibt Unsicherheit bestehen: US-Präsident Donald Trump erklärte, der Iran habe Atominspektionen bis in „alle Ewigkeit" zugestimmt – Teheran widersprach und betonte, in den Verhandlungen keine derartigen Zugeständnisse gemacht zu haben.

Tanker passieren die Meerenge – UN koordiniert Evakuierung

Konkrete Fortschritte zeigen sich in der Schifffahrt: Laut Schiffsverfolgungsdaten passierten am Dienstag drei festsitzende Supertanker die Straße von Hormus. Eine iranische Militärquelle teilte der Nachrichtenagentur Fars mit, dass in Abstimmung mit der Marine der iranischen Revolutionsgarden täglich eine begrenzte Anzahl von Schiffen die Meerenge passieren dürfe.

Die Schifffahrtsorganisation der Vereinten Nationen teilte mit, dass nach dem Waffenstillstandsabkommen zwischen den USA und dem Iran ein Evakuierungsplan in Kraft sei. Dieser soll Hunderten von Schiffen mit rund 11.000 im Golf festsitzenden Seeleuten die Durchfahrt durch die Meerenge ermöglichen. Anleger beobachten nun genau, wie schnell die Produzenten im Nahen Osten ihre Exporte wiederherstellen können und ob weitere Schiffe in die Region einfahren werden.

US-Rohölvorräte sinken weniger als erwartet

Zusätzlichen Gesprächsstoff liefern die aktuellen Lagerdaten aus den USA. Die Rohölvorräte sanken in der am 19. Juni zu Ende gegangenen Woche laut Daten des American Petroleum Institute (API) um 765.000 Barrel. Neun von Reuters befragte Analysten hatten im Durchschnitt einen Rückgang von rund 4,5 Millionen Barrel erwartet – der tatsächliche Abbau fiel damit deutlich geringer aus als prognostiziert.

Der schwächere Lagerabbau könnte darauf hindeuten, dass die Nachfrage in den USA weniger robust ist als erhofft oder dass die Versorgung stabiler bleibt als angenommen. Für den Ölmarkt insgesamt bleibt die Entwicklung rund um die Straße von Hormus und die weiteren Atomverhandlungen zwischen Washington und Teheran der entscheidende Faktor in den kommenden Wochen.

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