Ölpreise geben nach: Schwache Nachfrage kontra Nahost-Risiken
Brent und WTI verlieren nach mehrtägiger Erholung – schwächere Nachfrageprognosen und überraschend hohe US-Lagerbestände belasten die Kurse.

Die Ölpreise haben am Donnerstag nachgegeben, nachdem sie in den Vortagen deutlich zugelegt hatten. Brent-Futures fielen bis 06:24 Uhr GMT um 11 Cent oder 0,12 Prozent auf 88,87 US-Dollar pro Barrel – und gaben damit Gewinne aus sechs vorangegangenen Handelstagen wieder ab. Die US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) sank um 16 Cent oder 0,19 Prozent auf 83,11 US-Dollar, nachdem sie zuvor fünf Sitzungen in Folge zugelegt hatte.
Marktbeobachter sehen den Rückgang als natürliche Reaktion auf die jüngste Aufwärtsbewegung. „Kurzfristig dominieren nach der Erholung der letzten Tage weiterhin die Käufer", erklärte Antonio Di Giacomo, Senior Market Analyst bei XS.com. „Die Geschwindigkeit des Anstiegs könnte jedoch auch Phasen der Volatilität und Gewinnmitnahmen auf dem aktuellen Niveau auslösen."
Di Giacomo betonte zudem die grundlegende Spannung am Markt: Dieser versuche festzustellen, ob potenzielle Versorgungsengpässe durch Störungen im Nahen Osten ausreichen würden, um eine mögliche Abschwächung des weltweiten Verbrauchs auszugleichen. „Diese Kombination macht WTI besonders anfällig für sowohl geopolitische Entwicklungen als auch für neue Wirtschafts- und Energiedaten."
Straße von Hormus: Keine Fortschritte bei Gesprächen
Ein zentraler Preistreiber der vergangenen Woche war die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Öltransporte weltweit. Am Mittwoch erklärte eine hochrangige iranische Quelle, dass es bei den Gesprächen zur Wiederbelebung eines im Juni vereinbarten Interimsabkommens keine Fortschritte gegeben habe. Die festgefahrenen Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA zur Beendigung ihres Krieges stützen die Preise jedoch nach unten hin ab.
Analysten von Haitong Futures wiesen auf eine weitere Komplikation hin: „Die Sicherheitslage für die Schifffahrt in diesen Gewässern hat sich weiter verschlechtert und zwingt Schiffe dazu, ihre Signale auszuschalten. Dies verringert die Transparenz in der Schifffahrt und erschwert es dem Markt, das tatsächliche Versorgungsniveau zu verfolgen und zu bewerten."
US-Lagerbestände überraschen mit massivem Anstieg
Auf der Nachfrageseite sorgte ein überraschender Aufbau der US-Rohöllagerbestände für Druck auf die Preise. Die Energy Information Administration (EIA) meldete, dass die kommerziellen Rohöllagerbestände in der Woche bis zum 7. August um 17,4 Millionen Barrel auf 424,4 Millionen Barrel gestiegen sind – der höchste Stand seit dem 5. Juni und der größte wöchentliche Anstieg seit Januar 2023. Analysten hatten hingegen mit einem Rückgang um 1,4 Millionen Barrel gerechnet. Als Hauptgrund für den Anstieg nannte die EIA einbrechende Exporte.
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Zur AktienanalyseParallel dazu senkten sowohl die OPEC als auch die Internationale Energieagentur (IEA) ihre Nachfrageprognosen. Die OPEC reduzierte in ihrem monatlichen Ölmarktbericht ihre Wachstumsprognose für die weltweite Ölnachfrage im Jahr 2026 auf 580.000 Barrel pro Tag. Die IEA erwartet für das laufende Jahr einen Rückgang des Verbrauchs um 1,6 Millionen Barrel pro Tag – deutlich mehr als die noch im Vormonat prognostizierten 1 Million Barrel pro Tag. Als Gründe nannte die IEA höhere Preise sowie ein begrenztes Angebot infolge des Krieges der USA und Israels mit dem Iran.
Der Ölmarkt befindet sich damit in einem schwierigen Gleichgewicht: Geopolitische Risiken im Nahen Osten stützen die Preise, während schwächere Nachfrageaussichten und steigende Lagerbestände Druck nach unten ausüben. Für Anleger bleibt das Umfeld volatil – neue Wirtschaftsdaten und Entwicklungen im Nahost-Konflikt dürften die Richtung in den kommenden Handelstagen maßgeblich bestimmen.


