Ölpreisschock, Trumps Zölle und Intel-Zahlen bewegen Märkte
Steigende Ölpreise, neue US-Zölle und starke Intel-Quartalszahlen prägen den Handelstag – das müssen Anleger jetzt wissen.

Die globalen Finanzmärkte stehen unter Druck. Der S&P 500 und der Nasdaq Composite verzeichneten gestern ihre stärksten Rückgänge seit rund einem Monat. Hauptauslöser war ein deutlicher Anstieg der Ölpreise, der Inflationssorgen neu entfachte und Anleger in die Flucht schlug.
Die Sorte Brent-Rohöl stieg zum ersten Mal seit Mai über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel. Hintergrund sind Berichte über Angriffe auf zwei saudi-arabische Öltanker im Roten Meer. Trotz eines Rückgangs von 3 Prozent am heutigen Morgen steuert Brent auf ein Wochenplus von rund 10 Prozent zu – ein deutliches Signal für die Nervosität an den Rohstoffmärkten.
Die steigenden Energiepreise befeuern die Inflationssorgen. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihen kletterte auf den höchsten Stand seit Anfang letzten Jahres, da Investoren befürchten, dass teureres Öl die Gesamtinflation antreiben könnte. Händler wetten zunehmend darauf, dass die US-Notenbank Federal Reserve in den kommenden Monaten die Zinsen anheben wird.
Megacap-Aktien und Einzelhandel unter Druck
Zusätzlich zum Ölpreisschock belasteten schwache Quartalszahlen von Alphabet und Tesla den Markt. Beide Megacap-Aktien verloren gestern jeweils Hunderte Milliarden US-Dollar an Marktkapitalisierung. Abseits der Technologiewerte brach die Supermarktkette Albertsons um 22 Prozent ein, nachdem das Unternehmen eine Schwäche in seinem Kerngeschäft gemeldet hatte. Die drei wichtigsten US-Indizes steuern damit auf eine weitere Verlustwoche zu.
Auf politischer Ebene sorgt die US-Regierung für zusätzliche Unsicherheit. Das Weiße Haus kündigte neue Zölle zwischen 10 und 12,5 Prozent für Dutzende von Ländern an und begründete dies mit angeblichen Verstößen gegen das Zwangsarbeitsverbot. Das Büro des US-Handelsbeauftragten (USTR) erklärte, dass die Zölle über Nacht in Kraft traten und für 60 Handelspartner gelten – sie decken mehr als 99 Prozent des gesamten amerikanischen Handels ab.
Die neuen Abgaben ersetzen die vorübergehenden 10-Prozent-Zölle, die Trump nach dem Urteil des Supreme Court im Februar verhängt hatte. Das Gericht hatte damals die meisten seiner sogenannten „Liberation Day"-Zölle gekippt. Australien, Brasilien, Chile und Neuseeland wiesen die Begründung der Trump-Administration zurück, während Kanada verhaltene Besorgnis äußerte. Bisher hat jedoch kein wichtiger Handelspartner Vergeltungsmaßnahmen angekündigt – die meisten signalisieren, dass sie Verhandlungen mit Washington fortsetzen wollen.
Intel und Oracle mit positiven Nachrichten
Inmitten der Marktturbulenzen gibt es auch erfreuliche Meldungen aus dem Technologiesektor. Intel-Aktien notieren heute Morgen rund 3 Prozent höher, nachdem der Chiphersteller die Erwartungen für Umsatz und Gewinn im zweiten Quartal übertroffen hat. Dank des Booms bei künstlicher Intelligenz verzeichnete Intel zudem die schnellste vierteljährliche Umsatzwachstumsrate seit fast 15 Jahren. CEO Lip-Bu Tan sprach von einer „beispiellosen Nachfrage" im Compute-Geschäft. Besonders bemerkenswert: Intel verdoppelte die Erwartungen der Wall Street beim Gewinn pro Aktie.
Auch Oracle profitiert von einem Großauftrag. Das Softwareunternehmen schloss einen 10-Jahres-Vertrag mit dem US-Verteidigungsministerium (Pentagon) im Wert von bis zu 7 Milliarden US-Dollar ab. Die Oracle-Aktie notiert vorbörslich ebenfalls im Plus.
Honda bestätigt US-Produktion des Ridgeline
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Zur AktienanalyseAus der Automobilbranche kommt eine Entscheidung mit Signalwirkung. Honda Motor bestätigte, dass ein Modell der nächsten Generation seines Ridgeline-Pickups in den USA produziert wird. Die Montage des Mittelklasse-Modells soll innerhalb von zwei Jahren in das Werk in Alabama zurückkehren, nachdem die Produktion dort in diesem Jahr vorübergehend gestoppt worden war. Berichte hatten eine mögliche Unterbrechung mit dem Scheitern des Ridgeline an kalifornischen Emissionsvorschriften in Verbindung gebracht.
Lance Woelfer von American Honda Motor erklärte gegenüber CNBC: „Das Ziel ist es, weiterhin jene Kunden zu bedienen, die dem Ridgeline treu geblieben sind. Aber eines der Dinge, die wir in Zukunft vorantreiben wollen, ist eine erhöhte Robustheit dieses Fahrzeugs und noch mehr Leistungsfähigkeit."
Insgesamt bleibt das Marktumfeld angespannt. Steigende Energiepreise, neue Handelshemmnisse und gemischte Unternehmensergebnisse sorgen für Volatilität. Anleger beobachten die Entwicklungen rund um den Nahen Osten und die US-Handelspolitik besonders aufmerksam – beide Faktoren könnten die Richtung der Märkte in den kommenden Wochen maßgeblich bestimmen.


