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Online-Supermärkte: Picnic überholt Rewe bei Lebensmittel-Lieferungen

Der digitale Lebensmittelhandel wächst doppelt so schnell wie der gesamte E-Commerce in Deutschland.

Der Online-Lebensmittelhandel in Deutschland erlebt einen beispiellosen Aufschwung. Nach Angaben des Handelsforschungsinstituts IFH Köln stieg das Bestellvolumen 2025 um mehr als zehn Prozent – ein Wachstum, das doppelt so hoch ausfällt wie im gesamten Onlinehandel. Der Nettoumsatz mit Lebensmitteln überschritt erstmals die Marke von sechs Milliarden Euro.

Trotz des dynamischen Wachstums bleibt der Online-Anteil im Lebensmittelhandel mit knapp drei Prozent deutlich hinter anderen Kategorien zurück. Zum Vergleich: Im Nonfood-Bereich liegt der Onlineanteil bei rund 20 Prozent. "Der Lebensmittelhandel ist im E-Commerce eine klassische Nachzüglerbranche", erklärt IFH-Geschäftsführer Kai Hudetz. Deutschland verfüge über ein sehr leistungsfähiges Netz stationärer Lebensmittelmärkte, was den Wechsel ins Internet erschwere.

Picnic setzt sich an die Spitze

Laut Marktforscher NIQ führt bei reinen Heimlieferungen inzwischen Picnic den deutschen Markt an. Das Unternehmen, an dem Edeka beteiligt ist, steigerte seinen Umsatz 2025 um über 30 Prozent auf mehr als 605 Millionen Euro. Über eine Million Kunden in mehr als 250 Städten werden mittlerweile beliefert. Rewe liegt zwar in der Gesamtbetrachtung vorn, diese Zahlen beinhalten jedoch auch Click & Collect-Umsätze.

Die Erfolgsfaktoren der neuen Generation von Online-Supermärkten unterscheiden sich deutlich von früheren gescheiterten Versuchen wie Amazon Fresh. Anbieter wie Picnic und Knuspr verfügen über ausreichend Kapital und Ausdauer, um etablierte Marktstrukturen herauszufordern. Ihr Sortiment von über 12.000 Produkten entspricht dem klassischer Supermärkte.

Preisgestaltung bleibt wettbewerbsfähig

Ein WDR-Servicezeit-Test bestätigte die Preisparität: Ein Warenkorb für 32,17 Euro im stationären Handel kostete bei Picnic und Rewe online nur zehn Cent mehr. Allerdings kommen Liefergebühren von bis zu 4,90 Euro hinzu, abhängig vom Mindestbestellwert. Picnic verlangt mindestens 45 Euro Bestellwert für kostenlose Lieferung, Rewe bietet einen kostenfreien Liefertag pro Woche an.

Die Zielgruppen sind vielfältig: Neben Familien, die mehr gemeinsame Zeit gewinnen möchten, nutzen vor allem ältere Menschen und körperlich eingeschränkte Personen den Service. "Wir bestellen gerne die Dinge, die uns zu schwer sind zu tragen, wie Wasser", berichtet ein Kunde aus Düren.

Regionale Verfügbarkeit als Wachstumshemmnis

Frank Düssler vom Bundesverband E-Commerce sieht Lebensmittel als "letzte Bastion des stationären Handels". Die Online-Konkurrenz sei jedoch auf dem Weg, auch diese Branche zu digitalisieren. Ein Haupthindernis bleibt die regionale Verfügbarkeit: Kein Lieferdienst ist flächendeckend präsent. Rewe liefert in 91 Städten, während sich viele Anbieter auf Großstädte konzentrieren.

Zu den größeren Playern zählen neben Picnic und Rewe auch Flaschenpost, Flink und Knuspr, das in Partnerschaft mit Amazon operiert. Die Hauptargumente für Verbraucher bleiben Bequemlichkeit, Zeitersparnis und die Lieferung bis zur Haustür – Faktoren, die in einer zunehmend digitalisierten Gesellschaft an Bedeutung gewinnen.

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