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OPEC-Unklarheit stabilisiert fallende Ölpreise

Unterschiedliche Förderprognosen und chinesische Lagerpolitik sorgen für Unsicherheit auf dem Weltmarkt

OPEC-Unklarheit stabilisiert fallende Ölpreise

Die Ölpreise geraten weltweit unter Druck, da die Märkte ein Überangebot erwarten – doch Unklarheiten über die tatsächliche Fördermenge der OPEC könnten den Preisverfall bremsen. Der Preis für Brent-Rohöl lag am Dienstag bei rund 61 US-Dollar pro Barrel und damit so niedrig wie seit Mai nicht mehr. Zugleich zeigt sich die Terminstruktur des Marktes im sogenannten Contango, bei dem kurzfristige Lieferungen günstiger sind als langfristige. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass Händler nun die pessimistischen Prognosen für das kommende Jahr zunehmend einpreisen.

Die Internationale Energieagentur (IEA) warnt bereits seit Monaten vor einem deutlichen Überangebot in den Jahren 2025 und 2026. In ihrem jüngsten Bericht prognostizierte die Agentur einen Überschuss von 2,35 Millionen Barrel pro Tag im kommenden Jahr und sogar vier Millionen Barrel täglich im Jahr darauf – fast vier Prozent der weltweiten Nachfrage. Während OPEC-Analysten bislang von einem ausgeglichenen Markt ausgegangen waren, zeigten die jüngsten Daten einen deutlichen Anstieg der weltweiten Ölbestände. Besonders im August legten die globalen Lagerbestände stark zu und erreichten ein Vierjahreshoch, nachdem sie seit Jahresbeginn um 225 Millionen Barrel gewachsen waren.

Haupttreiber dieser Entwicklung ist die aggressive Vorratshaltung Chinas. Seit März füllt die Volksrepublik ihre Lager in großem Stil auf, was im September zwar etwas langsamer, aber weiterhin fortgesetzt wurde. Da ein erheblicher Teil dieses Aufbaus in Bereichen stattfindet, die statistisch nur schwer zu erfassen sind, bleibt die tatsächliche Marktlage unklar. Diese Intransparenz trägt zur Unsicherheit auf den Energiemärkten bei.

Besonders groß ist die Verunsicherung bei der Einschätzung der OPEC-Fördermengen. Die Spannbreite der Schätzungen über die tägliche Produktion der Organisation hat sich in diesem Jahr stark ausgeweitet. Laut einer Analyse von Morgan Stanley lag die Differenz zwischen den Angaben verschiedener Energieagenturen und Beratungen im September bei 2,5 Millionen Barrel pro Tag – rund neun Prozent der OPEC-Produktion. Selbst innerhalb der Organisation herrscht offenbar Uneinigkeit. Kuwaits Ölminister kündigte an, ein unabhängiges Beratungsunternehmen solle künftig die tatsächliche Förderkapazität der Mitgliedsstaaten überprüfen.

Auch der Blick auf die kommenden Jahre bleibt unsicher. Zwar deuten die Prognosen der IEA auf ein massives Überangebot bis 2027 hin, doch sinkende Preise könnten Investitionen bremsen. Besonders in den US-Schieferölregionen ist die Rentabilität bereits gefährdet: Bei einem Preis von etwa 57 Dollar je Barrel lohnen sich neue Bohrungen oft nicht mehr. Zwar ist die Zahl der aktiven Bohranlagen in den USA seit Jahresbeginn um 13 Prozent auf 418 gesunken, doch die Produktion soll nach Einschätzung der US-Energiebehörde 2025 dennoch leicht steigen.

Große Ölkonzerne wie Chevron und TotalEnergies planen zwar, ihre Investitionen vorsichtiger zu gestalten, gehen aber offenbar nicht von einer langanhaltenden Krise aus. Ein Faktor, der den Ölpreis zusätzlich stützen könnte, ist die zunehmende Intransparenz des globalen Marktes. Sanktionen gegen Russland haben ein kaum durchschaubares Schattennetzwerk an Handelsströmen entstehen lassen, und die fehlenden Daten zu Chinas Ölreserven erschweren eine genaue Einschätzung der Angebotslage.

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