Oracle führt bei streng geheimer Cloud-Vergabe in Japan
Der texanische Konzern liegt vor Amazon, Microsoft und Google beim Rennen um Japans hochsichere Air-Gapped-Cloud für Geheimdienstdaten.

Oracle liegt im Rennen um die Bereitstellung streng geheimer Cloud-Dienste für Japan vorn. Das in Texas ansässige Unternehmen setzt sich nach Informationen von sieben mit den Gesprächen vertrauten Personen gegen Amazon Web Services, Microsoft und Google durch. Die sogenannte „Air-Gapped"-Cloud – eine physisch vom Internet getrennte Infrastruktur – gilt als entscheidend für den sicheren Austausch von Geheimdienstinformationen zwischen Tokio und seinen Verbündeten.
Japan traf die Vorentscheidung für ein US-amerikanisches Cloud-Unternehmen nach ausführlichen Diskussionen mit Washington. Ausschlaggebend war auch ein Gespräch zwischen US-Präsident Donald Trump und Japans Premierministerin Sanae Takaichi im März. Die USA drängen Japan seit Langem dazu, seine Cybersicherheit grundlegend zu verbessern, da bestehende Systeme als besonders anfällig für chinesische Hackerangriffe gelten.
Warum Air-Gapped-Cloud?
Air-Gapped-Clouds sind physisch nicht mit dem öffentlichen Internet verbunden und gelten daher als besonders sicher. Regierungen können Informationen zwischen solchen Clouds über spezielle, hochgeschützte Gateways austauschen. Japans bisherige Cybersysteme wurden von einer mit der Situation vertrauten Person als „aus dem finsteren Mittelalter stammend" bezeichnet – ein deutliches Signal für den dringenden Modernisierungsbedarf.
Die Dringlichkeit des Projekts ist zuletzt stark gestiegen. Washington drängt Tokio, die gemeinsame Rüstungsproduktion zu erhöhen und die Abschreckung gegenüber China zu verstärken. US-Beamte sind zudem der Ansicht, dass Japan eine deutlich verbesserte Cybersicherheit benötigt, um eine Chance auf den Beitritt zu „Five Eyes" zu haben – dem exklusiven Geheimdienstverbund der USA, Großbritanniens, Australiens, Neuseelands und Kanadas.
Auch der geplante gemeinsame Bau eines Kampfjets der nächsten Generation mit Großbritannien erhöht den Druck auf Tokio. Britische und japanische Beamte erklärten, dieses Rüstungsprojekt habe die Notwendigkeit einer sichereren Infrastruktur für den Austausch geheimer Daten noch einmal unterstrichen.
Oracles Vorsprung und die Konkurrenz
Oracle kristallisierte sich als Spitzenreiter heraus, nachdem das Unternehmen Tokio frühzeitig signalisiert hatte, den sichereren Air-Gapped-Dienst bereitzustellen. Nicht unerheblich dürfte dabei sein, dass Oracles Gründer Larry Ellison als Verbündeter von Präsident Trump gilt. Microsoft und AWS verfügen zwar über umfangreiche Erfahrung mit Air-Gapped-Modellen, waren laut mit der Angelegenheit vertrauten Personen jedoch aus geschäftlichen Gründen weniger bereit, diese anzubieten. Beide Unternehmen argumentierten gegenüber Tokio, dass kommerzielle Alternativen ausreichend sicher seien.
AWS wies die Berichterstattung der Financial Times als „falsch" zurück und erklärte, man biete vollständig physisch getrennte Lösungen für Kunden an, die mit geheimen Informationen arbeiten. „Wir arbeiten mit jedem Kunden zusammen, einschließlich der japanischen Regierung, um die Architektur zu entwerfen, die seinen Anforderungen an Sicherheit, Souveränität und Mission am besten entspricht", so AWS. Oracle, Microsoft, Google und das Büro des japanischen Premierministers lehnten eine Stellungnahme ab.
Endgültige Entscheidung noch offen
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Zur AktienanalyseJapan hat noch keine abschließende Entscheidung getroffen. Zwei mit der Situation vertraute Personen sagten, Tokio könne den Auftrag noch aufteilen. Denkbar ist auch, dass Japan zunächst eine Air-Gapped-Cloud aufbaut und anschließend kommerzielle Technologien für den Umgang mit sensiblen, aber nicht streng geheimen Daten hinzufügt. Der US-Botschafter in Japan, George Glass, leitet eine Arbeitsgruppe, die als Verbindung zwischen den Technologiekonzernen und der japanischen Regierung fungiert.
Kritiker der Air-Gapped-Lösung warnen vor erheblichen Kosten und langen Umsetzungszeiten, da in Japan neue Rechenzentren gebaut werden müssten. Diese könnten im Konfliktfall zudem potenzielle Angriffsziele für China darstellen. In Japan gibt es darüber hinaus Debatten über nationale Souveränität und die Sorge vor einer zu starken Abhängigkeit von einem einzigen US-Konzern – zumal das Vertrauen in Washington durch Trumps Umgang mit Verbündeten gelitten hat, wie ein Berater der japanischen Regierung erklärte.
Pamela Phan, bis April stellvertretende US-Abteilungsleiterin im Handelsministerium für Asien, ordnete die strategische Dimension ein: „Die rasante Beschleunigung der generativen KI hat die Sorge nur noch verstärkt, dass die Abhängigkeit von ausländisch kontrollierten Clouds alles – von inländischen Regierungsdiensten und kritischer Infrastruktur bis hin zu sensiblen Daten – einer zu großen Gefahr aussetzen könnte." Japan hatte Cloud-Programme bereits im Rahmen seines Wirtschaftssicherheitsgesetzes von 2022 als „kritische Produkte" eingestuft – ein klares Signal, dass das Land Cloud-Dienste als strategische Fähigkeit versteht, die unmittelbar mit seiner nationalen Sicherheit verknüpft ist.

