Ostdeutschland verstärkt Bemühungen um internationale Fachkräfte
Zuwanderung soll Fachkräftemangel und demografische Herausforderungen abmildern

Ostdeutsche Bundesländer sehen sich aufgrund eines anhaltenden Geburtenknicks und des damit verbundenen Fachkräftemangels gezwungen, stärker um ausländische Arbeitskräfte zu werben. Angesichts des demografischen Wandels rücken momentan nur etwa halb so viele junge Arbeitskräfte nach, wie in den Ruhestand gehen. Dies stellt zahlreiche Branchen vor erhebliche Herausforderungen. Reiner Haseloff, Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt, betont, dass die Sicherung von Fachkräften eine grundlegende Voraussetzung für das wirtschaftliche Fortkommen Ostdeutschlands sei.
Besonders wichtig ist Haseloff, dass die Zuwanderung vorrangig über den Arbeitsmarkt stattfindet und nicht in die Sozialsysteme führt. Dieses Thema ist auch in anderen europäischen Ländern aktuell, jedoch ist die Problematik in Ostdeutschland besonders ausgeprägt. Die Regierungschefs der ostdeutschen Länder planen, in Berlin während der Ministerpräsidentenkonferenz-Ost mit Bundesarbeitsminister Hubertus Heil konkrete Lösungsansätze zu diskutieren. Ein Schwerpunkt könnte dabei darauf liegen, wie sich bereits in Deutschland lebende Ukrainer besser in den Arbeitsmarkt integrieren lassen.
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft bestätigt den gravierenden Fachkräftemangel im Osten. Sie zeigt, dass die Anzahl deutscher Arbeitnehmer in allen ostdeutschen Bundesländern, mit Ausnahme von Berlin, zwischen 2022 und 2023 zurückgegangen ist. Gleichzeitig konnte der Zuzug internationaler Arbeitskräfte diesen Rückgang teilweise kompensieren. In Sachsen beispielsweise sank die Zahl der deutschen Arbeitnehmer im genannten Zeitraum um etwa 7.500, während die internationalen Arbeitskräfte einen Anstieg von 14.800 Beschäftigten verzeichneten. Ein Großteil der Zugezogenen stammt aus Drittstaaten, was der regionalen Wirtschaft insgesamt zugutekommt.
Ein weiterer Themenkomplex bei der kommenden Konferenz betrifft die Gesundheitsversorgung. Der Fachkräftemangel im medizinischen Bereich droht sich weiter zu verschärfen, da viele Ärzte bis 2030 in Rente gehen werden. Haseloff plädiert deshalb dafür, den Ländern mehr Autonomie bei der Vergabe von Medizinstudienplätzen einzuräumen. In Sachsen-Anhalt wurde kritisiert, dass zahlreiche Medizinstudenten nach dem Abschluss in andere Teile Deutschlands abwandern. Eine Anpassung des Staatsvertrags könnte bewirken, dass mehr Studienplätze an Bewerber aus dem eigenen Bundesland vergeben werden und Anreize geschaffen werden, die Absolventen in der Region zu halten.
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Zur AktienanalyseAuch die Telemedizin wird als Lösung in Betracht gezogen, um die medizinische Versorgung in ländlichen Gebieten sicherzustellen. Die bevorstehende Sitzung ist zugleich die letzte unter dem Vorsitz von Sachsen-Anhalt, bevor der turnusmäßige Wechsel zum 1. Dezember 2024 an Thüringen erfolgt.

