Partielle Sonnenfinsternis treibt Strompreise auf 461 Euro je Megawattstunde
Ein astronomisches Phänomen sorgt für heftige Ausschläge an der europäischen Strombörse – mit Spitzenwerten, die mehr als doppelt so hoch liegen wie üblich.

Am Mittwochabend um 19:45 Uhr schnellte der Day-Ahead-Preis für eine Megawattstunde Strom an der europäischen Strombörse EPEXSpot auf 461,17 Euro. Zum Vergleich: Am Montag kostete die Megawattstunde zur selben Tageszeit lediglich 190,39 Euro, am Dienstag 204,96 Euro – also jeweils weniger als die Hälfte. Auslöser dieses markanten Preisanstiegs ist eine partielle Sonnenfinsternis, die sich am Mittwochabend auch über Deutschland legt. Die Daten stammen von Energy-Charts.info, einer Plattform des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg, die Marktdaten der EPEXSpot auswertet.
Obwohl die tatsächlichen Produktionsausfälle bei der Solarenergie gering ausfallen, reagieren die Märkte empfindlich. Die angespannte Versorgungslage in Europa verstärkt den Effekt und sorgt für einen kurzen, aber heftigen Preisausschlag an der Börse.
Netzbetreiber gut vorbereitet
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber Amprion, Tennet Germany, Transnet BW und 50Hertz haben sich frühzeitig auf das Ereignis eingestellt. Bei wolkenlosem Himmel rechnen sie damit, dass die deutschen Fotovoltaik-Anlagen höchstens 2 Gigawatt weniger Strom ins Netz einspeisen als an normalen Tagen. Gemessen an der installierten Solarleistung von rund 110 Gigawatt in Deutschland entspricht das einem Rückgang von weniger als zwei Prozent.
Amprion betont in einer Pressemitteilung: „Die geringere Einspeisung wird keinen Einfluss auf die Stromversorgung am 12. August haben." Der europäische Zusammenschluss der Übertragungsnetzbetreiber Entso-E hat zudem eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um die Lage kontinuierlich zu bewerten. Ein weiterer entlastender Faktor: Da die Finsternis in die frühen Abendstunden fällt, markiert sie keinen abrupten Einbruch in der Erzeugung – die Solarproduktion nimmt zu diesem Zeitpunkt ohnehin stetig ab.
Europäische Märkte reagieren gleichförmig
Leonhard Gandhi, Wissenschaftler am Fraunhofer-Institut ISE und verantwortlich für Energy-Charts.info, sieht in den hohen Preisen einen Beleg dafür, dass die Kopplung der europäischen Strommärkte funktioniert. In weiten Teilen Europas – darunter Frankreich, die Beneluxstaaten, Polen, Tschechien, Österreich, Ungarn und Rumänien – lassen sich in den Abendstunden des Mittwochs ähnlich hohe Preisniveaus ablesen.
Als weitere Ursache für den Preissprung nennt Gandhi fehlende Erzeugungskapazitäten in Europa. Niedrige Pegelstände und hohe Wassertemperaturen in Flüssen und Seen schränken die Wasserkraft ein. Gleichzeitig stehen Kernkraftwerke in Frankreich, Ungarn und Rumänien nur eingeschränkt zur Verfügung, weil das für die Kühlung notwendige Flusswasser fehlt. Europaweit fehlten laut Prognosen durch die Sonnenfinsternis rund 10 Gigawatt Solarstrom.
Gandhi ordnet die Preisspitzen dabei sachlich ein: „Die hohen Preise treten nur für wenige Viertelstunden am Abend auf. Sie sind genau das Signal, das flexible Anlagen wie Batteriespeicher in den Markt holt. Auf den Tagesdurchschnitt haben sie kaum Einfluss."
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Zur AktienanalyseAblauf der Finsternis in Deutschland
Die partielle Sonnenfinsternis beginnt in Deutschland im Nordwesten – etwa auf der Insel Sylt – gegen 19:11 Uhr, im Südosten etwas später gegen 19:24 Uhr. Den Höhepunkt erreicht das Phänomen zwischen kurz nach 20 Uhr und etwa 20:15 Uhr. Je nach geografischem Standort wird die Sonne dabei zwischen 84 und 90 Prozent verdeckt, im Südwesten stärker als im Nordosten. Gegen 20:30 bis 21 Uhr ist die Finsternis in Deutschland wieder vorbei.
Für Anleger und Energiemarktbeobachter relevant: Weitere Sonnenfinsternisse sind für die Jahre 2027, 2028 und 2030 angekündigt. Laut Analysen des Übertragungsnetzbetreibers Amprion dürfte die Sonnenfinsternis am 2. August 2027 größere Auswirkungen auf die Solar-Einspeisung haben, „da die Verdunkelung auf den frühen Morgen fällt" – also genau in die Phase der höchsten Solarproduktion.


