Peru vor der Wahl: Politische Krise und informeller Goldbergbau entscheiden
Peru wählt seinen neunten Präsidenten in einem Jahrzehnt – zwischen Fujimori und Sánchez, geprägt von tiefer Polarisierung und institutionellem Verfall.

Peru steht vor einer wegweisenden Stichwahl: Am kommenden Sonntag entscheiden die Bürger zwischen der Rechtskandidatin Keiko Fujimori und dem Linksabgeordneten Roberto Sánchez. Es ist die Wahl des neunten Präsidenten innerhalb eines einzigen Jahrzehnts – ein Zeichen für die tiefe politische Instabilität des Landes. Beide Kandidaten hatten im ersten Wahlgang jeweils weniger als 20 Prozent der Stimmen erhalten, was die extreme Fragmentierung des politischen Spektrums verdeutlicht.
Das politische Klima in Peru ist von weitverbreitetem Misstrauen geprägt. Vier ehemalige Präsidenten sitzen derzeit im Gefängnis, und das nationale Parlament verzeichnet eine Zustimmungsrate von konstant unter 10 Prozent. Eine Umfrage des IEP vom April ergab, dass 47 Prozent der Befragten glauben, der nächste Präsident werde seine Amtszeit nicht vollenden. Zusätzlich erschütterte der Rücktritt des Wahlleiters nach der ersten Runde das Vertrauen in die Institutionen – der Auszählungsprozess hatte einen Monat gedauert und war von Berichten über Unregelmäßigkeiten begleitet worden.
Die Kandidaten: Stabilität gegen radikalen Wandel
Keiko Fujimori, Tochter des verstorbenen Autokraten Alberto Fujimori, positioniert sich als Kandidatin der wirtschaftlichen Stabilität und marktfreundlicher Politik. Ihr Programm setzt auf ein investitionsfreundliches Umfeld, schnellere Genehmigungsverfahren für die Industrie und einen harten Kurs in der Sicherheitspolitik. Ihr Vater regierte Peru von 1990 bis 2000, wurde jedoch wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen zu 25 Jahren Haft verurteilt – ein Erbe, das ihre Kandidatur bis heute belastet.
Roberto Sánchez steht für einen grundlegenden Systemwandel. Er fordert eine stärkere staatliche Wirtschaftsbeteiligung und eine vollständige Überarbeitung der als illegitim bezeichneten Verfassung von 1993. Zudem hat er angekündigt, den 2022 nach einem gescheiterten Selbstputsch inhaftierten Ex-Präsidenten Pedro Castillo zu begnadigen. Obwohl Sánchez versucht, sein Image zu mäßigen – etwa indem er frühere Aussagen zur Ablösung des Zentralbankchefs zurücknahm – bleibt die Geschäftswelt alarmiert. Einige Branchenvertreter warnen, seine Politik könnte Korruption eher verschärfen als eindämmen.
Der informelle Goldbergbau als politischer Machtfaktor
Ein oft unterschätzter Faktor dieser Wahl ist der informelle Goldbergbau. Das 2016 eingeführte REINFO-Programm erlaubt Kleinschürfern, ohne vollständige Genehmigungen zu operieren. Inzwischen entfallen auf den informellen Sektor rund 11 Milliarden US-Dollar an jährlichen Goldexporten – das entspricht etwa der Hälfte von Perus gesamten Goldausfuhren. Branchenvertreter beschreiben diesen Sektor als wirtschaftlich mächtiger als den Drogenhandel.
Schätzungsweise 500.000 informelle Bergleute bilden einen massiven Wählerblock, den beide Kandidaten aktiv umwerben. Obwohl das REINFO-Programm Ende 2025 auslaufen soll, hat sich weder Fujimori noch Sánchez klar zu seiner Abschaffung bekannt – aus Angst vor politischen Konsequenzen.
Die Debatte um REINFO offenbart einen tiefen gesellschaftlichen Riss. Befürworter, darunter Sánchez selbst, sehen das Programm als wirtschaftliche Lebensader für die ländliche Armutsbevölkerung und fordern die Umverteilung von Minenkonzessionen großer Konzerne an Kleinschürfer. Kritiker hingegen – darunter große Bergbauunternehmen und Branchenverbände – werfen dem Programm vor, illegalen Bergbau, organisierte Kriminalität und Umweltzerstörung zu begünstigen. Datenanalysen zeigen, dass 1.005 Personen, denen persönliche Genehmigungen entzogen wurden, nun als rechtliche Vertreter anderer REINFO-registrierter Unternehmen fungieren. Auch eine Tochtergesellschaft des Schweizer Konzerns Holcim soll mehrere Genehmigungen halten – ein klarer Widerspruch zum ursprünglichen Ziel des Programms, lokale Kleinschürfer zu fördern.
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Zur AktienanalyseOrganisierte Kriminalität und politische Verflechtungen
Beide Kandidaten sehen sich mit Vorwürfen konfrontiert, Maßnahmen zu unterstützen, die die Strafverfolgung organisierter Kriminalität behindern – ein Problem, das durch den illegalen Bergbauboom weiter angeheizt wird. Der Chef der peruanischen Bergbaukammer fordert mehr Transparenz und warnt, dass die Einnahmen aus dem informellen Sektor das politische System verzerren. Allein in den Jahren 2025 und 2026 wurden rund 2.600 neue Vertreterbestellungen im REINFO-Register vorgenommen, was darauf hindeutet, dass Bemühungen zur Bereinigung des Registers weitgehend wirkungslos geblieben sind.
Die Stichwahl gilt derzeit als statistisches Unentschieden. Ob der nächste Präsident die nötige Stabilität mitbringt, um die tief verwurzelten wirtschaftlichen und sozialen Probleme des Landes anzugehen, bleibt offen. Während die Geschäftswelt einen Sieg von Sánchez fürchtet und ländliche Wähler Fujimori mit Skepsis begegnen, ist die Wahl letztlich ein Referendum über die Zukunft des peruanischen Wirtschaftsmodells und die Glaubwürdigkeit seiner demokratischen Institutionen.


