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Perus Wahl: Kleingoldgräber entscheiden über Präsidentschaft und Bergbaupolitik

500.000 informelle Bergleute mit Goldexporten von 11 Milliarden Dollar könnten die Stichwahl zwischen Fujimori und Sanchez entscheiden.

Perus Wahl: Kleingoldgräber entscheiden über Präsidentschaft und Bergbaupolitik

Die Präsidentschaftsstichwahl in Peru am Sonntag könnte von einer ungewöhnlichen Wählergruppe entschieden werden: rund 500.000 informellen Kleinschürfern, die jährlich Gold im Wert von 11 Milliarden US-Dollar exportieren. Das entspricht etwa der Hälfte der gesamten peruanischen Exporterlöse. Dieser mächtige wirtschaftliche und elektorale Block konzentriert sich auf ländliche Regionen und könnte den Ausschlag im Duell zwischen der Konservativen Keiko Fujimori und dem Linkspolitiker Roberto Sanchez geben.

Im Mittelpunkt steht das sogenannte REINFO-Programm – ein Verwaltungsrahmen, der es Kleinschürfern erlaubt, ohne vollständige Umwelt- oder Betriebsgenehmigungen zu arbeiten. Das Programm wurde 2016 eingeführt, sollte ursprünglich 2020 auslaufen, wurde aber angesichts steigender Goldpreise und des wachsenden Einflusses des informellen Bergbausektors wiederholt verlängert. Nun soll es am 31. Dezember 2025 enden – doch keiner der beiden Kandidaten scheint bereit, es tatsächlich abzuschaffen.

Zwei Kandidaten, ein umstrittenes Programm

Fujimori und Sanchez vertreten entgegengesetzte politische Lager, werben aber beide um die Gunst der Kleinschürfer. Fujimori hat sich an große Bergbauunternehmen gewandt, die REINFO ablehnen, und verspricht, gegen illegalen Bergbau vorzugehen – will den informellen Sektor aber gleichzeitig modernisieren und den Zugang zu staatlichen Krediten ausweiten. Sanchez hingegen stimmte als Abgeordneter für die Verlängerung von REINFO und schlägt vor, ungenutzte Konzessionen an Kleinschürfer umzuverteilen.

Umfragen deuten auf ein knappes Rennen mit einem leichten Vorsprung für Fujimori hin. Bei der Wahl 2021 unterlag sie Pedro Castillo mit nur rund 45.000 Stimmen – einem Vorsprung von lediglich 0,25 Prozent. Sanchez genießt Rückhalt in denselben ländlichen Regionen, in denen Castillo damals siegreich war. Die Bergbauregionen halfen Sanchez, überhaupt in die Stichwahl einzuziehen, obwohl er in den Umfragen der ersten Runde zurückgelegen hatte.

„Dreißig Jahre Bergbau und die Bergbaustädte sind immer noch die ärmsten in unserem Land", sagte Sanchez gegenüber Reuters. Magna Ismael Palomino, Koordinator von CONFEMIN, Perus größter Vereinigung für handwerklichen Bergbau, bestätigte, dass Kleinschürfer und Akteure entlang der Wertschöpfungskette Sanchez unterstützen. Er fordert eine Verlängerung von REINFO um mindestens drei Jahre.

Straffreiheit und organisiertes Verbrechen als Schattenseite

Kritiker des Programms zeichnen ein düsteres Bild. Julia Torreblanca, Leiterin der peruanischen Bergbaukammer, warnte: „Heute ist der illegale Bergbau ein mächtigerer Wirtschaftszweig als der Drogenhandel." Sie fordert mehr Transparenz bei der Politikfinanzierung und bei Kandidaten, die von der illegalen Bergbauökonomie profitieren.

Eine Reuters-Analyse von mehr als 24.000 aktiven REINFO-Genehmigungen zeigt, wie widerstandsfähig das System gegenüber Reformen ist. Eine Säuberungswelle im Jahr 2025, bei der über 50.000 Genehmigungsinhabern Verstöße vorgeworfen wurden, ließ einen Großteil des Systems intakt. Insgesamt 1.005 Personen, deren persönliche Genehmigungen widerrufen wurden, fungieren nun als gesetzliche Vertreter in Unternehmen mit REINFO-Genehmigungen. Weitere 1.255 Unternehmen verloren zwar einzelne Lizenzen, arbeiten aber mit anderen weiter.

Das System regeneriert sich offenbar schnell: Rund 2.600 Ernennungen von gesetzlichen Vertretern in aktuellen REINFO-Unternehmen erfolgten erst in den Jahren 2025 oder 2026. Einige Personen halten bis zu 20 Genehmigungen über mehrere Unternehmen und persönliche Registrierungen hinweg. Auch ausländische Staatsangehörige und große Firmen kontrollieren mehrere Lizenzen in einem System, das ursprünglich für lokale Kleinschürfer konzipiert war.

Milliardenprojekte in der Pipeline gefährdet

Für die großen Bergbaukonzerne ist der wachsende Einfluss des informellen Sektors ein ernstes Problem. Peru hat Bergbauprojekte im Wert von rund 63 Milliarden US-Dollar in der Pipeline. Konflikte mit informellen Bergleuten haben einige davon verzögert, darunter das 2,6-Milliarden-Dollar-Projekt Los Chancas.

Raúl Jacob, Finanzvorstand bei Southern Copper, warnte, dass die enormen Einnahmen aus dem informellen Bergbau „illegale Wege schaffen oder ermöglichen kann, um Genehmigungen oder bestimmte Gesetze zu erhalten." Der Bergbau macht insgesamt fast 12 Prozent des peruanischen BIP aus – Peru ist weltweit ein bedeutender Lieferant von Kupfer, Gold und Silber. Dennoch fehlt es in vielen Bergbauregionen an grundlegender Infrastruktur und öffentlichen Investitionen.

Ende 2025 befanden sich fast 20 Millionen Hektar unter Bergbaukonzessionen in Peru, mehr als die Hälfte davon im Besitz mittlerer und großer Unternehmen. Nur etwa 10 Prozent dieser Fläche wurde laut Regierungs- und NGO-Daten aktiv exploriert oder abgebaut – ein Umstand, den Kleinschürfer-Verbände als Argument für eine Umverteilung der Konzessionen nutzen.

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