Petra Diamonds: Gewerkschaft NUM warnt vor 1.800 gefährdeten Arbeitsplätzen
Die südafrikanische Bergbaugewerkschaft NUM schlägt Alarm: Gläubigerschutz bei Finsch und Entlassungsverfahren bei Cullinan bedrohen fast 1.800 Jobs.

Die National Union of Mineworkers (NUM) hat die Entscheidung des in London börsennotierten Diamantenproduzenten Petra Diamonds scharf verurteilt, die Finsch-Diamantenmine im südafrikanischen Kimberley unter Gläubigerschutz (Business Rescue) zu stellen und gleichzeitig ein Entlassungsverfahren gemäß Abschnitt 189A für die Cullinan-Diamantenmine einzuleiten. Die Gewerkschaft warnt vor gravierenden sozialen Folgen für die betroffenen Bergbaugemeinden.
Konkret stürzt das Sanierungsverfahren bei der Finsch-Mine rund 689 Arbeiter in Ungewissheit. Die Mitteilung gemäß Abschnitt 189A bei der Cullinan-Mine bedroht darüber hinaus die Arbeitsplätze von etwa 1.090 Beschäftigten. Zusammen gefährden diese Entwicklungen nach Angaben der NUM fast 1.800 Existenzen und bedrohen die wirtschaftliche Stabilität der Bergbaugemeinden, die von diesen Betrieben abhängen.
Die Insolvenzverwalter (Business Rescue Practitioners, BRPs) Daniel Theodorus van Jaarsveld und Luke Bernard Saffy haben bereits die treuhänderische Verwaltung der Finsch-Mine übernommen. Sie bereiten die Umsetzung der rechtlichen Anforderungen des Sanierungsverfahrens vor, einschließlich der Ausarbeitung eines spezifischen Geschäftsplans für Finsch, über den die Gläubiger abstimmen werden.
Produktionsstopp bei Finsch bereits eingeleitet
Petra Diamonds hatte bereits im Mai angekündigt, die Finsch-Mine unter Gläubigerschutz zu stellen, um den Rest des Unternehmens zu schützen. In einer Aktionärsmitteilung vom 10. Juni berichtete das Unternehmen, dass die Finsch-Mine in Abstimmung mit den Insolvenzverwaltern in jener Woche mit der Einstellung der Produktionsaktivitäten begonnen habe. „Dies ist ein Zwischenschritt bis zum Abschluss des Finsch-spezifischen Geschäftsplans durch die BRPs und bis der weitere Weg zwischen den BRPs und den Gläubigern vereinbart wurde", erklärte das Unternehmen damals.
Für die Cullinan-Mine hingegen zeigte sich Petra zuversichtlicher: Das Unternehmen erklärte, man sei davon überzeugt, dass der Betrieb angesichts des einzigartigen Produktmixes der Cullinan-Mine weiterhin eine tragfähige Zukunft habe.
Die NUM reagiert auf diese Entwicklungen mit deutlicher Kritik. „Die NUM lehnt jeden Versuch vehement ab, die Last unternehmerischer Herausforderungen auf die Arbeiter abzuwälzen, die über viele Jahre hinweg durch ihre Arbeit, ihre Opferbereitschaft, ihr Engagement und ihre Produktivität zur Rentabilität und Nachhaltigkeit des Unternehmens beigetragen haben", heißt es in einer Stellungnahme der Gewerkschaft.
Gewerkschaft kritisiert Fokus auf Arbeitskosten
Masibulele Naki, Chefunterhändler der NUM bei Petra Diamonds, geht noch weiter: „Es ist inakzeptabel, dass Unternehmen bei betrieblichen oder finanziellen Herausforderungen ständig mit dem Finger auf die Arbeitskosten zeigen. Arbeiter sind kein Passivposten in einer Bilanz; sie sind die Schöpfer von Wert und Wohlstand in der Bergbauindustrie. Ohne Arbeiter gibt es keine Produktion und keinen Gewinn."
Naki äußert zudem Besorgnis über einen wachsenden Trend im Bergbausektor, bei dem Entlassungen und Sanierungsverfahren zunehmend als erste Option und nicht als letztes Mittel eingesetzt werden. Er fordert, auch die Vergütung der Führungskräfte, Managemententscheidungen, rückläufige Investitionsstrategien, Marktschwankungen und betriebliche Ineffizienzen als wesentliche Kostenfaktoren anzuerkennen.
Die NUM erkennt dabei durchaus an, dass die globale Diamantenindustrie unter erheblichem Marktdruck steht. Dazu zählen eine schwächere Verbrauchernachfrage, sinkende Rohdiamantenpreise, verstärkter Wettbewerb durch im Labor gezüchtete Diamanten sowie allgemeine wirtschaftliche Unsicherheiten. Auch Wechselkursschwankungen und die Volatilität des südafrikanischen Rand gegenüber dem US-Dollar belasten die Umsatzströme und Produktionskosten erheblich. Naki betont jedoch, dass diese Realitäten ehrlich anerkannt werden müssten, anstatt den Eindruck zu erwecken, dass die Löhne der Arbeiter die Hauptursache für die finanziellen Schwierigkeiten seien.
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Zur AktienanalyseNUM fordert dringendes Eingreifen der Regierung
Die Gewerkschaft betont, dass die aktuelle Krise ein dringendes Eingreifen der Regierung erfordere. Die NUM fordert den Minister für Mineral- und Erdölressourcen, den Chefinspektor der Minen, den Minister für Elektrizität und Energie, den Minister für Handel, Industrie und Wettbewerb sowie das nationale Finanzministerium auf, umgehend eine Intervention unter Beteiligung verschiedener Interessengruppen einzuberufen. Ziel sei es, Arbeitsplätze zu sichern, Investitionen aufrechtzuerhalten und die Zukunft der betroffenen Betriebe zu gewährleisten.
Die NUM setzt sich darüber hinaus für eine strenge aufsichtsrechtliche Überwachung ein und kündigte an, sich vollumfänglich an allen Konsultationsprozessen zu beteiligen und die Interessen der Arbeiter während der Verfahren an beiden Standorten zu verteidigen. Für Anleger, die Petra Diamonds im Blick haben, bleibt die Lage damit weiterhin angespannt: Die Zukunft beider Minen hängt von den laufenden Verhandlungen zwischen Insolvenzverwaltern, Gläubigern und Gewerkschaft ab.


