Pfund Sterling unter Druck: Schwache Jobdaten und politische Risiken belasten
Britische Arbeitsmarktdaten auf dem schlechtesten Stand seit der Pandemie und innenpolitische Turbulenzen drücken das Pfund Sterling nach unten.

Das Britische Pfund hat am Dienstag nachgegeben, nachdem verheerende Arbeitsmarktdaten aus Großbritannien die ohnehin fragile politische Lage weiter verschärften. Die zaghafte Erholung vom Vortag wurde damit zunichtegemacht. Bis 08:05 Uhr ET (12:05 Uhr GMT) fiel das Währungspaar GBP/USD um 0,10 Prozent auf 1,3409.
Auch der Euro verlor gegenüber dem erstarkenden US-Dollar an Boden: EUR/USD sank um 0,32 Prozent auf 1,1619. Der Greenback fand breite Unterstützung, da Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed weiterhin Kapitalflüsse in den Dollar lenkten.
Arbeitsmarkt auf dem schlechtesten Stand seit COVID-19
Das britische Statistikamt Office for National Statistics (ONS) meldete für April einen geschätzten Rückgang der lohnsteuerpflichtigen Beschäftigten um 100.000 gegenüber März – der stärkste Einbruch seit der COVID-19-Pandemie. Dieser Wert allein hätte ausgereicht, um die Märkte zu erschüttern.
Doch die schlechten Nachrichten hörten damit nicht auf. Die Arbeitslosenquote stieg im März unerwartet auf 5,0 Prozent und nähert sich damit wieder Zehnjahreshöchstständen an. Zudem wurden die Lohn- und Gehaltslisten für März nach unten korrigiert: Statt des zuvor gemeldeten Rückgangs von 11.000 Stellen weist die Revision nun ein Minus von 28.000 Stellen aus. Auch die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe stieg stärker als erwartet.
Das Analysehaus Capital Economics wies auf einen paradoxen Effekt hin: Die wirtschaftliche Schwäche könnte die Renditen britischer Staatsanleihen – sogenannter Gilts – deckeln. Die Analysten argumentierten, dass der Iran-Konflikt Unternehmen offenbar dazu veranlasse, Personal abzubauen, anstatt die Löhne zu erhöhen. Damit würde der inflationäre Impuls gedämpft, den die Märkte zuvor eingepreist hatten.
Trotz der düsteren Datenlage preist der britische Zinsmarkt weiterhin eine Zinserhöhung der Bank of England auf der MPC-Sitzung im Juli ein. Dies deutet darauf hin, dass Anleger das Narrativ einer geldpolitischen Straffung noch nicht vollständig aufgegeben haben.
Politische Unsicherheit als zusätzlicher Belastungsfaktor
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Zur AktienanalyseNeben den Wirtschaftsdaten sorgte auch die britische Innenpolitik für Druck auf das Pfund. Der Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, strebt über die Nachwahl in Makerfield einen Sitz im britischen Unterhaus an. Damit positioniert er sich als potenzieller Herausforderer von Premierminister Keir Starmer, der unter wachsendem internen Druck innerhalb der Labour-Partei steht, zurückzutreten.
Analysten warnten, dass sich ein vollständiger Führungswettstreit bis in den August hinziehen könnte. Eine solch anhaltende Phase politischer Unsicherheit dürfte internationale Investoren gegenüber britischen Vermögenswerten vorsichtig stimmen – ein weiterer Gegenwind für das Pfund Sterling.
Zaghafte Signale für einen Frieden im Nahen Osten gaben der allgemeinen Marktstimmung kurzfristig etwas Auftrieb, konnten die strukturellen Belastungen für das Pfund jedoch nicht ausgleichen. Die Kombination aus schwachen Konjunkturdaten, politischer Unsicherheit und einem starken US-Dollar ließ dem Pfund kaum Spielraum für eine Erholung.


