Pfund und Euro unter Druck vor Warsh-Auftritt in Sintra
Der Dollar zeigt sich fest, während Märkte auf restriktive Töne des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh warten.

Das Britische Pfund notierte am Mittwoch schwächer gegenüber dem US-Dollar. GBP/USD fiel um 07:35 Uhr ET auf 1,3247 – ein Minus von 0,11 Prozent. Noch deutlicher gab der Euro nach: EUR/USD verlor 0,22 Prozent auf 1,1395.
Der Hintergrund ist klar: Die Märkte bereiten sich auf einen Auftritt von Kevin Warsh vor, dem neuen Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve. Warsh nimmt um 15:00 Uhr MEZ an einer Zentralbank-Podiumsdiskussion auf der Sintra-Konferenz der Europäischen Zentralbank teil – es ist sein erster öffentlicher Auftritt seit der FOMC-Sitzung im Juni.
Warsh gilt als Falke – Markt erwartet restriktive Signale
Chris Turner, Global Head of Markets bei ING, erwartet keine taubenhafte Kehrtwende von Warsh. „Die Botschaft dieser Pressekonferenz war, dass die Fed ihr Inflationsziel fünf Jahre in Folge verfehlt hat und dies nicht noch einmal zulassen wird", so Turner. Angesichts einer PCE-Kernrate von 3,4 Prozent im Jahresvergleich und eines als hervorragend beschriebenen Arbeitsmarktberichts fügte Turner hinzu: „Es ist schwer vorstellbar, dass Warsh seinen restriktiven Ton abschwächt."
Die Märkte preisen derzeit rund 22 Basispunkte für eine Straffung der Fed im September ein, für die Sitzung am 29. Juli werden 8 Basispunkte eingepreist. Bis zum zweiten Quartal 2027 werden insgesamt 45 Basispunkte erwartet. Turner wies zudem auf Aufwärtsrisiken für diese Erwartungen hin und merkte an, dass einige Marktteilnehmer eine Zinserhöhung bereits im Juli für möglich halten.
Für den Dollar-Index DXY, der die Unterstützung bei 101,00 hielt, sieht ING einen Anstieg in Richtung 101,70/80. EUR/USD könnte bei einem restriktiven Auftritt von Warsh die Tiefststände von 1,1325 erneut testen. Das Basisszenario von ING sieht eine Erholung des DXY in Richtung 101,70/80 und eine Schwäche von EUR/USD in Richtung 1,1325 auf kurze Sicht vor.
Britischer PMI weiter im Expansionsbereich – aber Dynamik lässt nach
Abseits der Fed-Thematik lieferte der britische Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe solide Daten: Im Juni lag er bei 52,5 Punkten und damit den achten Monat in Folge über der Expansionsschwelle von 50. Allerdings blieb er unter dem Vierjahreshoch vom Mai von 53,9 Punkten.
Rob Dobson, Direktor bei S&P Global Market Intelligence, warnte vor nachlassendem Schwung: „Die Fortsetzung des Aufschwungs wird zu einer größeren Sorge. Die Hersteller profitieren derzeit von der strategischen Lagerhaltung ihrer Kunden, die sich gegen Unterbrechungen der Lieferketten und erwartete Preiserhöhungen absichern. Ein Rückgang der Wachstumsrate bei den Auftragseingängen deutet darauf hin, dass dieser Impuls bereits nachlässt."
Analysten von ING betonen, dass die Bewegungen des Pfunds im Tagesverlauf rein eine Funktion der Dollarstärke seien und keine Neubewertung der britischen Wirtschaftsaussichten widerspiegelten.
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Zur AktienanalyseAuch EZB in Sintra unter Beobachtung
Für den Euro spielt neben Warsh auch die EZB selbst eine Rolle. ING erwartet, dass die Europäische Zentralbank in Sintra an ihrer restriktiven Rhetorik festhält. Gleichzeitig könnten die am Mittwoch veröffentlichten VPI-Daten für Juni – bei denen sowohl für die Gesamt- als auch für die Kernrate eine leichte Abschwächung erwartet wird – das Bild verkomplizieren. Turner merkte an, dass die EZB „eine harte Linie vertreten will, um diesen Inflationsbuckel zu überwinden", wodurch eine weitere Zinserhöhung in den Geldmarktkursen bis Anfang nächsten Jahres eingepreist bleibt.
Zusätzliche Impulse für den Dollar könnten im Tagesverlauf vom ADP-Arbeitsmarktbericht für Juli kommen, falls dieser den Konsens von 120.000 neuen Stellen übertrifft. Auch die US-ISM-Daten für das verarbeitende Gewerbe stehen auf der Agenda und könnten als weiterer Katalysator wirken. Laut ING wäre ein weicherer Ton von Warsh als erwartet oder ein deutliches Verfehlen der US-ISM-Daten nötig, um die aktuelle Einschätzung zu revidieren.


