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Playmobil schließt deutsches Werk: 350 Jobs fallen weg

Der Traditionshersteller verlagert die Produktion aus Kostengründen nach Malta. Die Gewerkschaft spricht von Missmanagement.

Playmobil schließt deutsches Werk: 350 Jobs fallen weg

Der Spielwarenhersteller Playmobil zieht sich aus Deutschland zurück. Das Werk in Dietenhofen bei Nürnberg mit 350 Mitarbeitern schließt Ende Juni endgültig. Die Produktion wird vollständig nach Malta verlagert, wo bereits seit Jahrzehnten der Großteil der Fertigung stattfindet.

Die Entscheidung basiert auf einer umfassenden Wirtschaftlichkeitsanalyse. "Die Produktionskosten in Deutschland sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen", begründet das Unternehmen den Schritt. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sei die Verlagerung unvermeidlich geworden. Die Produktionsanlagen werden in den kommenden Monaten demontiert und transferiert.

Die IG BCE reagiert scharf auf die Werkschließung. Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner wirft dem Management Wortbruch vor. "Jahrelanges Missmanagement wird erneut auf die Beschäftigten abgewälzt", kritisiert er. Besonders empört zeigt sich die Gewerkschaft über die Informationspolitik: Die Belegschaft erfuhr erst kurz vor einer Mitarbeiterversammlung von den Plänen, nachdem das Unternehmen neun Monate lang Nachfragen abgeblockt hatte.

Dramatischer Umsatzeinbruch belastet Bilanz

Die wirtschaftliche Lage von Playmobil ist angespannt. In den vergangenen Jahren büßte der Traditionshersteller mehr als ein Drittel seines Umsatzes ein. Im Geschäftsjahr 2024/25 schrieb das Unternehmen nach Informationen der WirtschaftsWoche einen Verlust von 100 Millionen Euro. Die üppigen Barreserven, die Firmengründer Horst Brandstätter aufgebaut hatte, schwinden kontinuierlich.

Die aktuellen Marktdaten zeigen das Dilemma: Während der deutsche Spielwarenmarkt 2025 um drei Prozent zulegte, verlor Playmobil acht Prozent. Mit einem Umsatz von 104 Millionen Euro in Deutschland liegt der Hersteller deutlich unter dem Vorjahresniveau. Der Markt wächst – nur Playmobil nicht.

Führungskrise nach Tod des Gründers

Nach dem Tod von Horst Brandstätter 2015 geriet das Unternehmen in turbulente Fahrwasser. Die Managementfluktuation stieg, die Mitarbeiterzufriedenheit sank, die Umsätze brachen ein. Im Zentrum der Kritik steht die Nachfolgeregelung des Gründers.

Brandstätter übertrug die Marke an zwei Stiftungen – eine gemeinnützige und eine Unternehmensstiftung. Beide leitet seine frühere Sekretärin Marianne Albert, die de facto über Playmobil herrscht. Albert gibt grundsätzlich keine Interviews. Auch eine aktuelle Anfrage lehnte die Pressestelle ab.

Besonders kritisch äußert sich Conny Brandstätter, Sohn des Gründers. Er sieht in der Nachfolgeregelung seines Vaters das Grundproblem. Selbst nicht für die Unternehmensführung berücksichtigt, prognostiziert er düster: "In vier Jahren ist es wohl aus." Nach dieser Rechnung blieben dem Unternehmen noch gut drei Jahre.

Hoffnung auf Trendwende trotz Werkschließung

Auf der Spielwarenmesse in Nürnberg Ende Januar zeigte sich Playmobil-Chef Bahri Kurter noch optimistisch. Einige Indikatoren sprächen für eine Trendwende, das Weihnachtsgeschäft gebe Anlass zur Hoffnung. Partnerschaften mit dem Deutschen Fußball-Bund, einer Wrestling-Reihe und der Barbie-Puppe sollen frischen Wind bringen.

Als große Innovation kündigte Kurter für Herbst 2026 eine neue Technik an. Spielwelten wie Piraten, Polizei oder Reiterhof sollen durch Geräusche und sprechende Figuren in drei Sprachen lebendig werden. Ob diese Neuerungen ausreichen, bleibt abzuwarten.

Wie lange Kurter selbst noch an Bord ist, steht in den Sternen. Er kam vor genau drei Jahren zu Playmobil. Nach Informationen der WirtschaftsWoche läuft sein Vertrag aus. Ob er verlängert wird, wollte das Unternehmen nicht kommentieren.

Für Dietenhofens Bürgermeister Rainer Erdel kam die Nachricht überraschend. Erst Montagabend informierte ihn die Firmenleitung – "eine sehr knappe Darstellung", wie er dem Bayerischen Rundfunk sagte. Die Gemeinde verliert einen wichtigen Arbeitgeber und steht vor der Herausforderung, 350 Menschen neue Perspektiven zu bieten.

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