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Polens Zentralbank hält Zinsen bis Jahresende stabil

Ratsmitglied Kotecki sieht trotz Fortschritten im Iran-Konflikt keinen Spielraum für baldige Zinssenkungen in Polen.

Polens Zentralbank hält Zinsen bis Jahresende stabil

Die polnische Zentralbank wird ihre Zinssätze angesichts anhaltender geopolitischer Risiken voraussichtlich noch für längere Zeit unverändert lassen. Das erklärte Ratsmitglied Ludwik Kotecki gegenüber Bloomberg News. Trotz Fortschritten bei einem möglichen Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran sei es noch zu früh, über Zinssenkungen nachzudenken.

„Es ist unwahrscheinlich, dass der Geldpolitische Rat die Zinssätze vor Ende des Jahres oder vielleicht sogar vor März nächsten Jahres ändern wird, wenn Basiseffekte die jährliche Inflationsrate senken werden", sagte Kotecki. Polen hält seinen Leitzins seit Juni den dritten Monat in Folge bei 3,75 Prozent stabil. Die Zentralbank hatte ihren Zinssenkungszyklus im März gestoppt, nachdem der Iran-Krieg die Energiepreise kräftig in die Höhe getrieben hatte.

Inflation verlangsamt sich – Rat bleibt dennoch vorsichtig

Andere Ratsmitglieder wie Gabriela Maslowska und Ireneusz Dabrowski hatten zuletzt angedeutet, dass eine Zinssenkung wahrscheinlicher erscheine als eine Erhöhung. Hintergrund ist eine überraschende Verlangsamung der Inflation im Mai auf 3,1 Prozent. Auch Kotecki bestätigte eine veränderte Haltung: „Wir sind derzeit etwas weniger geneigt, die Zinsen anzuheben, als wir es noch vor einem Monat waren – obwohl dies schon damals nicht das wahrscheinlichste Szenario war."

Das Ratsmitglied mahnte jedoch zur Geduld. Selbst wenn die Inflation nach der Aufhebung staatlicher Kraftstoffpreisdeckelungen leicht ansteigen sollte, müsse der Rat ruhig bleiben. Kotecki bezeichnete einen solchen Anstieg als „rein administratives Problem", da der Kernpreisdruck weiterhin niedrig bleibe. Die staatlichen Preisdeckelungen hatten bislang dazu beigetragen, die Gesamtinflation zu dämpfen.

Nahost-Konflikt bleibt entscheidender Faktor

Die beste Strategie für das zehnköpfige Gremium bestehe laut Kotecki darin, abzuwarten, wie sich die Entwicklungen im Nahen Osten auf Polen auswirken. Das Interimsabkommen zwischen den USA und dem Iran zur Wiedereröffnung der Straße von Hormus „gibt Anlass zu Optimismus hinsichtlich der relativ begrenzten Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten sowohl auf die Inflation als auch auf das Wirtschaftswachstum in Polen", so Kotecki.

Gleichzeitig betonte er: „Dies ist nicht der Moment, um eine Rückkehr zu Zinssenkungen zu signalisieren." Die Straße von Hormus ist eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Energielieferungen weltweit – Störungen dort wirken sich direkt auf die globalen Energiepreise aus und treffen damit auch europäische Volkswirtschaften wie Polen.

Zur Einordnung: Der polnische Rat hatte den Leitzins zwischen Mai 2025 und März um insgesamt 200 Basispunkte auf 3,75 Prozent gesenkt, als sich die Inflation dem Zielbereich der Zentralbank annäherte. Der nun eingeschlagene Kurs des Abwartens spiegelt die Unsicherheit wider, die geopolitische Spannungen für die Geldpolitik in ganz Europa mit sich bringen.

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