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Polens Zentralbank: Zinssenkung 2026 wahrscheinlicher als Erhöhung

Schwache Inflation und verlangsamtes Wachstum stimmen Polens Geldpolitiker optimistisch – eine Zinssenkung rückt näher.

Polens Zentralbank: Zinssenkung 2026 wahrscheinlicher als Erhöhung

Die polnische Zentralbank sendet zunehmend zinssenkungsfreundliche Signale. MPC-Mitglied Ireneusz Dabrowski erklärte, dass eine Zinssenkung auf Basis der aktuellen Datenlage wahrscheinlicher sei als eine Erhöhung. Der polnische Leitzins liegt derzeit bei 3,75 Prozent.

Ausschlaggebend für den Stimmungswandel ist die überraschend schwache Inflation im Mai. Die Teuerungsrate verlangsamte sich auf 3,1 Prozent – entgegen den Erwartungen, dass sie über den Toleranzbereich der Zentralbank hinaus steigen würde. Damit zerstreuten sich auch die Sorgen über mögliche negative Auswirkungen des Nahost-Konflikts auf die polnische Preisentwicklung.

„Wenn wir über eine mögliche Zinsänderung in der Zukunft sprechen, ist auf Basis der heute vorliegenden Daten eine Senkung wahrscheinlicher als eine Erhöhung", sagte Dabrowski. Er betonte zudem, dass sich das Wirtschaftswachstum verlangsame, „was ebenfalls darauf hindeutet, dass keine Notwendigkeit für Zinserhöhungen besteht".

Breiter Konsens im Geldpolitischen Rat

Der Stimmungsumschwung ist kein Einzelfall. Dabrowskis Einschätzung deckt sich mit den Ansichten von Notenbankgouverneur Adam Glapinski und MPC-Mitglied Gabriela Maslowska, die beide schwindende Chancen für eine Zinserhöhung sehen. „Fast der gesamte MPC ist nun optimistischer", was die Inflation und die Notwendigkeit einer geldpolitischen Anpassung betrifft, so Dabrowski.

Der Währungshüter verwies auch auf die veränderte Erwartungslage innerhalb des zehnköpfigen Gremiums: „Noch vor ein oder zwei Monaten haben wir ein viel schlimmeres Szenario erwartet als das, das sich nun abzeichnet." Die Bedenken hinsichtlich einer notwendigen Anhebung des Leitzinses hätten deutlich nachgelassen.

Dabrowski ließ auch eine mögliche Zinssenkung noch im laufenden Jahr nicht gänzlich außer Acht. „Es besteht eine sehr geringe Chance, dass noch in diesem Jahr eine einzige, moderate Zinssenkung erfolgen könnte", sagte er. Zudem betonte er, dass Polen Spielraum für Zinssenkungen haben könnte, selbst wenn die Regierung die bestehende Preisobergrenze für Kraftstoffe aufhebt.

Polens Kurs im Gegensatz zu Nachbarländern

Der geldpolitische Schwenk Polens erfolgt in einem bemerkenswerten regionalen Umfeld. Während Warschau über Zinssenkungen nachdenkt, erwägt die benachbarte Tschechische Republik eine Zinserhöhung. Auch die Europäische Zentralbank hat kürzlich zum ersten Mal seit 2023 die Kreditkosten angehoben – ein klarer Gegensatz zur polnischen Entwicklung.

Für Anleger und Beobachter bleibt die Botschaft aus Warschau dennoch klar: „Wenn die Prognosen darauf hindeuten, dass der Inflationsdruck nachgelassen hat, wird die Tür für mindestens eine Zinssenkung offen stehen", so Dabrowski. Die weitere Entwicklung der Inflation und des Wirtschaftswachstums dürfte dabei die entscheidende Rolle spielen.

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