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Porsche SE: Compliance-Skandal erschüttert Europas mächtigste Holding

Zwei Mitarbeiterinnen werfen Top-Manager Fehlverhalten vor – Aufsichtsrat beauftragt externe Kanzlei mit Untersuchung

Porsche SE: Compliance-Skandal erschüttert Europas mächtigste Holding

Die Porsche SE, Mehrheitsaktionär des Volkswagen-Konzerns und des Sportwagenherstellers Porsche, steht vor einer schwerwiegenden Compliance-Krise. Zwei Mitarbeiterinnen erheben Vorwürfe gegen einen hochrangigen Manager der Holding – es geht um angebliche Anzüglichkeiten und unangemessene Kommentare. Der Fall eskaliert mittlerweile vor Gericht.

Der Aufsichtsrat der Porsche SE reagierte auf die internen Vorwürfe und beauftragte die renommierte Kanzlei Latham Watkins mit einer unabhängigen Untersuchung. Nach Abschluss der Prüfung sprach das Kontrollgremium dem beschuldigten Manager sein Vertrauen aus. Doch damit ist die Affäre keineswegs beendet.

Die beiden Mitarbeiterinnen wehren sich juristisch gegen die Porsche SE. Sie fordern Akteneinsicht in den Untersuchungsbericht, dessen Inhalte und Methodik ihnen bislang nicht bekannt sind. Eine der Frauen wurde von der Holding fristlos gekündigt – der Vorwurf lautet auf Geheimnisverrat und Weitergabe sensibler Unternehmensinformationen.

Vorwurf der Mundtotmachung

Am Arbeitsgericht Stuttgart fand am Dienstag eine erste Verhandlung statt. Der Anwalt der gekündigten Mitarbeiterin erhob schwere Vorwürfe: Die Porsche SE wolle seine Mandantin mit der Kündigung "mundtot" machen. Die Behauptungen der Holding könne er entkräften, so der Jurist.

Nach Darstellung des Anwalts wandten sich die beiden Frauen zunächst an das interne Hinweisgebersystem und die zuständige Chefjustiziarin der SE. Als dort keine Reaktion erfolgte, kontaktierten sie direkt den Aufsichtsrat. Doch statt Unterstützung hätten die Mitarbeiterinnen Ausgrenzung erfahren. Eine von ihnen wurde im Dezember gekündigt.

Die Porsche SE widerspricht dieser Darstellung deutlich. Ein Unternehmenssprecher stellte klar: "Die Klägerinnen haben die Hinweise nicht über das Hinweisgebersystem gemeldet, sondern direkt per E-Mail an Mitglieder des Aufsichtsrats gesandt." Die Leiterin der Rechtsabteilung habe zuvor keine Meldung erhalten und entsprechend keine Maßnahmen einleiten können.

Brisante Wendung in der Untersuchung

Besonders brisant: Laut Aussage des Anwalts sei den Mitarbeiterinnen in einem Gespräch mit der externen Kanzlei und einem Aufsichtsratsmitglied mitgeteilt worden, dass einige ihrer Vorwürfe im Zuge der Untersuchung erhärtet worden seien. Die Porsche SE dementierte diese Aussage auf Nachfrage nicht direkt.

Stattdessen verwies ein Sprecher auf die Vertraulichkeit: "Angebliche Inhalte von Gesprächen im Zuge der intern durchgeführten Untersuchung sowie der Abschlussbericht unterliegen der Vertraulichkeit des Aufsichtsrats." Der zuständige Richter habe diese Rechtsauffassung im Gütetermin bestätigt.

Für die Porsche SE, die als mächtigste Holdinggesellschaft Europas gilt, kommt die Affäre zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die Holding kontrolliert mit ihrer Mehrheitsbeteiligung am Volkswagen-Konzern den größten Autobauer des Kontinents. Anleger beobachten die Entwicklung aufmerksam, da Compliance-Verstöße das Vertrauen in die Unternehmensführung nachhaltig beschädigen können.

Die juristischen Auseinandersetzungen dürften sich noch über Monate hinziehen. Beide Seiten zeigen sich kämpferisch – ein schneller Vergleich scheint unwahrscheinlich.

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